Good Looking Boy?

Jeder von uns ist auf der Suche, die meisten nach Erfolg, Liebe und Glück. Nicht anders ergeht es Patrick, Agustín und Dom. Kommt euch bekannt vor? Hier ist der Spin – es geht mal nicht um Frauen, sondern schwule Männer. Was taugt die Serie?

Dem Namen entsprechen befinden sich alle drei Hauptcharaktere auf der Suche: nach dem richtigen Lebensweg, dem Partner des Lebens und der  großen Liebe (das muss nicht zwangsläufig übereinstimmen) und natürlich dem Glück an sich. 

Der 29-jährige Videospiel-Designer Patrick (Jonathan Groff) hat aktuell eine Trennung hinter sich und sucht einen neuen Partner. Dabei trifft er auf viele Typen, die ihn selbst vor die schrägsten Herausforderungen stellen. Das beginnt mit der Frage nach der längsten Beziehung in seinem Leben (6 Monate!) und dreht sich schon mal um das Thema Beschnitt – und die Frage, inwieweit er unabsichtlich rassistisch denkt. 

Der 31-jährige ehrgeizige Künstler Agustín (Frankie J. Alvarez) zieht mit seinem Freund zusammen und fragt sich gleichzeitig, ob die Monogamie überhaupt seinem Lebensentwurf entspricht. In einem Vorort von San Francisco beginnt das Zusammenleben nämlich recht unspektakulär bei Videoabenden auf der Couch – und droht, dort gleich ganz zu versacken.

Das Dream-Team auf der Suche nach dem ganz banalen Lebensglück.
Das Dream-Team auf der Suche nach dem ganz banalen Lebensglück.

Der Älteste in der Clique ist er 39-jährige ewige Kellner Dom (Murray Bartlett). Er spürt, wie er älter wird, ohne seine romantischen und berufliche Träume verwirklicht zu haben. Sein größter Schockmoment zu Beginn der Serie – ein etwa 20-Jähriger lässt ihn abblitzen!

Zusammen bilden sie ein etwas chaotisches Trio, das sich gegenseitig bei dem Weg durch das Labyrinth mit allerlei sinnbringenden und manchmal völlig sinnbefreiten (dafür umso amüsanteren) Tipps und Hinweisen unterstützt.

Die Kritik

Vorab: Leider schafft LOOKING es nicht, den Zuschauer durchgängig zu fesseln. Die ganze Serie ist betont auf Understatement ausgelegt und verliert dabei aber auch die positiven Höhepunkte – Spannung, Freude, Mitfiebern. Jetzt darf man natürlich eines nicht vergessen: Wir leben in einer Welt, in der Homosexualität leider noch viel zu oft ein Tabuthema ist. Hier kommt ein understated Looking eigentlich gerade recht. Vielleicht kann man es sogar als eine der wichtigsten Kernaussagen verstehen.

WG, Freunde und/ oder Lebenspartner? Das Leben kann komploziert sein!
WG, Freunde und/ oder Lebenspartner? Das Leben kann komploziert sein!

Jedenfalls dauert es ein wenig, bis man mit den Charakteren warm wird – was bei 8 Episoden leider einen Tick zu lang dauert. Dafür haben die drei Jungs das Problem nicht und schon bald gibt es die expliziten Szenen zu sehen, von denen man sich vorher fragt – „Trauen die sich, das zu zeigen?“. Ja, Warner Bros trauen sich. Das ist ein starkes Statement.

Ihr merkt schon – man schwankt zwischen der Erwartung, die man hat, der Überlegung, wie realistisch diese waren, den gesellschaftlichen Bedingungen und den Themen, die die Serie dann wirklich bringt. Irgendwie schafft LOOKING es also doch, eine eigene Faszination zu generieren. Das ist so neu wie überhaupt das Konzept, denn seit THE L-WORD war nichts mehr mit homosexuellen Hauptcharakteren auf dem Markt. Wie also den Erwartungen der politischen Korrektheit, dem persönlichen Bezug vieler Zuschauer zu dem Thema und und und gerecht werden? Genau hier kommt wieder das Understatement zum Tragen. The LOOKING trägt nicht auf, will nicht polarisieren. Es ist einfach Alltag. Und damit wahrscheinlich genau das, was das Thema Homosexualität im gesellschaftlichen Dasein braucht.

Bettina Riedel (academicworld.net)

LOOKING, Staffel 1

8 Episoden

Darsteller: Jonathan Groff,  Frankie J. Alvarez,  Murray Bartlett

Seit dem 26. Februar 2015 bei Warner Home Video Germany auf BluRay & DVD erhältlich.

Ihr habt LOOKING gesehen? Uns aus der Redaktion interessiert gerade bei dieser Serie, was ihr davon haltet. Schreibt ruhig mal eine Mail an bettina.riedel@academicworld.net. Wir freuen uns 🙂

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