Goldene Erinnerungen?

Eine Geschichte über die nationalsozialistische Vergangenheit Österreichs, ein privates Porträt, das zu nationalem Kulturgut wird und eine starke Frau, die sich ihrer Vergangenheit stellt: „Die Frau in Gold“

Maria Altmann (Helen Mirren) und ihr Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) bei der Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof
Maria Altmann (Helen Mirren) und ihr Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) bei der Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof

Maria Altmann findet im Nachlass ihrer Schwester Briefe eines Anwalts aus Österreich. Darin geht es um mehrere Gemälde Gustav Klimts, die früher im Besitz der Familie waren. Darunter auch das Porträt ihrer Tante Adele, weltbekannt als „Die Frau in Gold“. 

Die jüdische Familie Maria Altmanns wurde Ende der dreißiger Jahre durch die Nazis enteignet. Ihre Kunstsammlung fand nach dem Ende des Krieges den Weg in den Besitz des Staates Österreich. Im Laufe der Jahre wurde das Gemälde schließlich zum nationalen Kulturgut. Maria Altmann selbst floh einst aus den Fängen der Nazis in die USA, wo sie sich ein neues Leben aufbaute und nie mehr zurück sah.

Reise in die Vergangenheit

Jahre später fasst sie nun den Entschluss, sich ihrer bewegten Familiengeschichte zu stellen und den Familienbesitz zurückzuholen. Sie engagiert den jungen und unerfahrenen Anwalt Randy Schoenberg, der sich widerwillig des Falles annimmt. Bei einer gemeinsamen Reise nach Wien wollen sie beweisen, dass sich das Gemälde unrechtmäßig im Besitz des Museums befindet.

Maria wird in ihrer Heimat, in die sie sich schwor nie zurückzukehren, mit ihren Erinnerungen konfrontiert und muss einige Hürden in Angriff nehmen, denn der Staat Österreich will das Gemälde unter keinen Umständen herausgeben. Als diese unüberwindbar scheinen, will Maria aufgeben, doch Schoenberg reicht Klage bei einem US-Gericht ein. Der Beginn eines langen Weges, der die beiden schließlich bis vor den Obersten Gerichtshof der USA führt.

Kritik

Der Film bereitet die wahre Geschichte von Maria Altmann authentisch und emotional auf. Besonders die Zweisprachigkeit trägt sehr dazu bei, denn Maria Altmann weigerte sich jemals wieder Deutsch zu sprechen. Deshalb sind die Szenen in der Gegenwart auf Englisch, während die kurzen Rückblicke, welche die Ereignisse Ende der dreißiger Jahre zeigen, auf Deutsch sind. 

Trotz des ernsten Themas gibt es auch einige humorvolle Momente. Diese entstehen besonders im Umgang zwischen Maria und Randy und lockern den Film auf. Die Beziehung der beiden entwickelt sich nach anfänglicher Skepsis immer mehr zu einer tiefen Freundschaft. Und es ist schön zu sehen, wie die beiden zueinander finden und sich gegenseitig unterstützen.

Auch Randys persönliche Entwicklung ist beeindruckend. Er akzeptiert seine österreichischen Wurzeln und entwickelt immer mehr persönliches Interesse an dem Fall. Dafür geht er so weit, dass er sich verschuldet, seinen Job kündigt und seine Familie vernachlässigt.

Der Film wird von den sympathischen Darstellern getragen und ist ein wirklich nettes Kinovergnügen. Insgesamt arbeitet er die Thematik, allerdings nicht neu auf und wirkt so nur als kurzweilige Unterhaltung.

Wer an dem Thema interessiert ist und Helen Mirren in einer starken Rolle sehen will für den lohnt sich der Film aber auf jeden Fall.

Leonie Herr (academicworld.net)

Die Frau in Gold

Regie: Simon Curtis
Darsteller: Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Katie Holmes, Justus von Dohnányi

Ab 4. Juni im Verleih SquareOne im Kino

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