„Glückwunsch, ihr seid immer noch sauschlecht.“

Drew Barrymores Regiedebüt „Roller Girl“ nimmt den Zuschauer mit auf eine rasante Rollschuh-Tour. Sportdrama, Coming-of-Age-Story und Mädels Comedy in einem – man kann seine Zeit weniger unterhaltsam verbringen. Ab dem 3. Februar auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich.

Die schiefe Bahn ist Ansichtssache

„Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg“ heißt es so schön auf dem Cover. Und um diesen Zwiespalt, der hier konstruiert wird, geht es in dem konventionell unkonventionellen Regiedebüt von Drew Barrymore. Bliss Cavendar (Ellen Page) ist 17, sie lebt in einem Kaff in Texas, das man nur deshalb kennt, weil es direkt an der Schnellstraße liegt. Im Grunde ist ihr das Leben zwischen peinlichem Diner-Job und Schönheitswettbewerben schon lange zuwider, doch als gute Tochter und beste Freundin der braven Pash (Alia Shawkat) hat sie bisher nur wenig aufbegehrt. Ein Auftritt mit blauem Haar bei einem der Beauty-Wettbewerbe bringt die Wende und ordentlich Zoff mit der Mutter (Marcia Gay Harden), denn die ist überzeugt davon, dass die Wettbewerbe Bliss im Leben weiterbringen werden. 

Über einen Flyer in einem eher alternativen Klamotten-Laden wird die schüchterne Brillenträgerin auf einen Sport aufmerksam, der ihr zunächst sehr fremd vorkommt: das Roller Derby. Gemeinsam mit Pash besucht sie ein Match und ist spontan begeistert. „Ihr seid meine neuen Heldinnen!“ sagt sie hinterher zu einem der Girls. Die lädt sie prompt zum Probetraining ein – sie sei doch 21?

Mit Highspeed in ein neues Leben

Der Trainer (Andrew Wilson) ist von Bliss? Geschwindigkeit begeistert und sie erhält einen Platz im Team der Hurl Scouts. Aus Bliss wird „Babe Ruthless“ und aus dem schüchternen Mädel ein hartes Girlie, das sich von ein paar Blessuren nicht so schnell aufhalten lässt. Auch in der Liebe gibt es Fortschritte: Bei den Matches trifft sie auf den jungen Musiker Oliver (Landon Pigg). Eine Romanze bahnt sich an und auch die notorisch erfolglosen Hurl Scouts erhalten mit der neuen Spielerin Auftrieb. Kurz vor dem wichtigsten Match des Jahres entdeckt Lieblingsgegnerin Dinah Might (Juliette Lewis) ein Geheimnis: Mit 17 ist Bliss zu jung um ohne Erlaubnis der Eltern ein Roller Girl zu sein und ihren Eltern hat sie die neue sportliche Betätigung bisher wohlweislich verschwiegen … 

Roller Girl

Bad Girls an die Macht

Dankenswerter Weise verzichtet der Film auf den ganz dicken, verlogenen Hollywood-Zuckerguss. Nein, sie siegen am Ende nicht und auch mit dem Traumtyp wird es nichts, aber dafür findet Bliss echte Freunde und sich selbst. 

Barrymore versammelt in ihrem Film all die coolen, unangepassten Indie-Girls der amerikanischen Filmindustrie. Angefangen beim It-Girl der alternativeren Szene Ellen Page, über die wilde Juliette Lewis und Rapperin Eve bis zu Barrymore selbst dürfen hier die als eher unangepasst geltenden Hollywood-Damen hier so richtig die Sau rauslassen, denn beim Roller Derby geht es alles andere als zimperlich zu. Da werden die harten Bandagen ausgegraben. 

Gute Laune Garantie

Ein netter Feel-Good-Film mit rasanten Sport-Sequenzen, der sich leider, so unkonventionell er sich gern gibt, im Grunde doch bekannte Schablonen abfrühstückt – das aber durchaus gekonnt. Warum der Film von 2009 zuerst zwei Jahre nicht, dann aber doch noch in die deutschen Kinos kam? Man weiß es nicht. Aber durchweg gute Schauspielerinnen, ein Alternative-Soundtrack der sich hören lassen kann und die Szenen auf der Rollbahn machen auf jeden Fall gute Laune. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Roller Girl
Regie: Drew Barrymore
Darsteller: Ellen Page, Marcia Gay Harden, Juliette Lewis, Jimmy Fallon, Landon Pigg, Zoë Bell, Kristen Wiig

Im Verleih von Senator Home Entertainment

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