Geschichtsbilder anschaulich erklärt

Um sein Dasein und die Welt zu verstehen, hat der Mensch schon immer Bilder gebraucht. Besonders gebräuchliche Bilder waren seit jeher Karten. Wie sie zustande kommen und was sie darstellen sagt eine Menge über die Entstehungsepoche und den „Zeichner“ aus. Auf dieser Prämisse baut Jerry Brottons Buch „Die Geschichte der Welt in zwölf Karten“ auf. Lohnt sich die Lektüre?

Geschichtsbilder anschaulich erklärt

Karten, die die Welt bewegten

Eine Weltkarte ist immer auch der Spiegel ihres Zeitalters und des gerade vorherrschenden Weltbilds – ein perfektes Medium, um ein bestimmtes Bild von der Welt wiederzugeben. Kartografen bildeten und bilden die Welt nicht einfach ab, sondern sie konstruierten sie auch und arbeiteten so am Weltbild – nicht nur ihrer Generation – mit. Das macht Jerry Brotton,  Professor für Renaissancestudien an der Queen Mary University of London, in seinem Buch deutlich. Als Leitfaden verwendet er dafür 12 recht unterschiedliche Karten. Sein Schwenk durch die Geschichte streift dabei die erste bekannte kartografische Darstellung der Welt aus vorchristlicher Zeit genauso wie die mittelalterliche Hereford-Karte mit Jerusalem als Zentrum, aber auch Mercators berühmte Weltkarte aus dem 16. Jahrhundert sowie die umstrittene Projektion von Arno Peters, in der sich die Vorstellung von globaler Gleichberechtigung spiegelt. Den Endpunkt wählt er aktuell: mit Google Earth.

Brotton zeigt dabei, dass Karten nichts weniger sind als nüchterne wissenschaftliche Zeugnisse. Sie sind subjektiv, voller Geschichten und Ideen; untrennbar verbunden mit Macht, Herrschaft und dem Erfindungsgeist ihrer Zeit; sie erzählen von Schicksalen und Visionen. Dabei macht er klar: Bis heute ist keine Weltkarte völlig objektiv oder endgültig. Aber auch heute prägen Karten unsere Vorstellung von der Erde. Ein Geschichtswerk, das tatsächlich den Horizont erweitert und viele hochinteressante Denkanstöße liefert.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Jerry Brotton. Die Geschichte der Welt in zwölf Karten.
39,99 Euro. C. Bertelsmann.

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