Geldadel und Ganoven

Das neue Buch von Martin Suter – nicht nur zum Lesen, auch zum Hören. Ein Gewinn?

Geldadel und Ganoven

Johann Friedrich von Allmen hat viele Talente, nur eines nicht: mit Geld umzugehen. Als eleganter Gentelman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler hat er das väterliche Erbe zur Gänze durchgebracht. Das große Anwesen ziert zwar noch sein Namensschild, doch besitzt er daran lediglich noch ein lebenslanges Wohnrecht im Gewächshaus. Darin befindet sich alles, was er zum Leben zu brauchen glaubt: unentbehrliche Antiquitäten, seine Bibliothek, die Maßanzüge, der Bechstein-Flügel. Für alle haushaltlichen Belange ist Diener, Vertrauter und Kompagnon Carlos, der ehemalige Gärtner aus Guatemala verantwortlich. Obwohl er ihn längst nicht mehr bezahlen kann – hauptberuflich arbeitet Carlos mittlerweile für die neuen Besitzer von Villa und Anwesen – fühlt er sich Allmen verpflichtet.

Weil der Herr von Adel sich natürlich nicht entschließen kann einer geregelten – und bezahlten – Tätigkeit nachzugehen, wollen andere Einnahmequellen erschlossen werden. Bald aber sind alle „entbehrlichen“ Habseligkeiten verkauft und der Schuldenberg wächst weiter. Da kommt dem weltgewandten Herrn ein Geistesblitz der anderen Art: Warum denn nur die eigenen Besitztümer zu Geld machen? Da ließe sich doch vielleicht auch das Ein oder Andere aus weiteren Quellen „besorgen“ … Soweit, so gut. Eines Abends aber wird Allmen zu mutig und lässt bei seiner Opernbekanntschaft eine wertvolle Libellenschale mitgehen. Wie sich herausstellen soll keine allzu weise Entscheidung, denn alsbald ist mehr als sein guter Ruf in Gefahr.

Unterhaltsame Gesellschaftsstudie

Was genau „Allmen und die Libellen“ zu einem Krimi macht ist mir nicht ganz klar geworden. Wirkliche Spannung kommt nämlich kaum auf. Der Ausgang der kriminalistischen Handlung lässt den Leser/Hörer eher kalt. Als satirisch unterhaltsame Gesellschaftsstudie, oder gar als Schelmenstück lässt die Geschichte sich mit Genuss konsumieren. Auch die wunderbare Sprache Suters ist ein großer Pluspunkt. Vielleicht inhaltlich keine große Literatur aber gute Unterhaltung allemal.

Da fällt das Abschalten schwer

Die Stimme von Gert Heidenreich allein macht das Hörbuch schon zum Erlebnis. Volle 244 Minuten lang zieht sie einen hinein in diese Welt zwischen Schein und Sein. Jedem Charakter kann der Sprecher eigenes, unabhängiges Leben einhauchen. Gefühlt also mehr ein Hörspiel als eine Lesung. Das Abschalten fällt da manches Mal schwer, am liebsten würde man sich alle 4 CDs am Stück anhören – und das ist vor allem Heidenreichs Verdienst. Er vermag es, der sonst zwar sprachlich wohlklingenden aber spannungsarmen Handlung Tiefe zu geben.

4 Audio CDs (244 Minuten)

Diogenes (Januar 2011)

24,90 Euro


Stand Mai 2011
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