Gefangen in der Welt der Popkultur

Ethan und seine Kollegen arbeiten für eine riesige Spieldesignfirma – aber arbeiten wäre eigentlich zu viel gesagt. Eigentlich versuchen die JPodder (alle haben einen Nachnamen, der mit J beginnt und teilen sich das selbe Eck eines Großraumbüros) den Tag ohne allzu große Produktivität zu überstehen. Was für ein Feuerwerk des Irrsinns.

Douglas Coupland: JPod

Die Schwierigkeiten des Alltags

Ethan hat es nicht leicht. Wenn gerade nicht irgendein Vorgesetzter blödsinnige Veränderungen am aktuellen Computerspiel-Entwicklungsprojekt fordert halten ihn seine Eltern auf Trab. Mama pflegt mit Hingabe ihre Marihuana-Plantage hat da schon mal mit zwielichtigen Typen zu tun und im Notfall – etwa wenn es eine Leiche zu beseitigen gilt – wird eben schnell mal der Sohn engagiert. Und Papa? Der ist leidenschaftlicher Statist bei den skurrilsten Filmen – immer auf der Jagd nach einer Sprechrolle. Und die neuesten Filmstarlet-Eroberungen wollen zwar der Ehefrau verborgen aber mit dem Nachwuchs besprochen werden. Und so ganz am Rande würde Ethan ja eigentlich auch noch gerne die Bekanntschaft mit Neu-Kollegin Kaitlin vertiefen. Aber dazu ist kaum Zeit, vor allem seit sein Bruder Greg eine Horde illegaler Einwanderer aus China in Ethans Wohnung untergebracht hat. 

Wenn er dann doch einmal schafft sich am Arbeitsplatz einzufinden gilt es den verpassten Schlaf der viel zu kurzen Nacht nachzuholen oder die absurdesten Wettbewerbe mit den Kollegen loszutreten. Etwa den besten Liebesbrief an Ronald McDonald zu schreiben oder unter den ersten 300 Nach-Komma-Stellen von Pi eine falsche Ziffer zu finden. Kaitlin drückt ganz schön aus, was sie von den „Einwohnern“ des JPod hält: „Ihr seid eine depremierende Anhäufung popkultureller Einflüße und verkümmerter Emotionen, angetrieben vom stotternden Motor des Kapitalismus in seiner banalsten Form.“

Irrsinn mit Methode

Eine popkulturelle Anspielung an der anderen, eine absurde Idee jagt die nächste. Ein gewisses Maß an Eigenirrsinn ist wohl schon nötig, um sich an Douglas Couplands Buch zu erfreuen. Das wahrscheinlich nerdigste Buch, das ich jemals gelesen habe. Schlicht und ergreifend ein Buch für Nerds. Wenn Nerds so dicke Wälzer lesen würden … aber vielleicht tun sie das ja – wenn sie von Douglas Coupland sind.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Douglas Coupland. JPod
24,95 Euro. Tropen bei Klett-Cotta

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