G. Forster: James Cook, der Entdecker

Georg Forster begleitete mit nur 17 Jahren den berühmten britischen Seefahrer James Cook auf seiner zweiten Weltumsegelung. Nach seiner Rückkehr verfasste er einen Essay mit dem Titel James Cook, der Entdecker. Dieser und ein Fragment über den Tod Cooks wählte Herausgeber Frank Vorpahl für die Neuauflage des Essays, die auch kürzlich entdeckte Zeichnungen Forsters zieren, die jener während der Fahrt angefertigt hatte.

Ende 2007 stieß Herausgeber Frank Vorpahl bei Recherchen im australischen Sydney auf bisher unbekannte Zeichnungen des deutschen Naturforschers, Zeichners und Schriftstellers Georg Forster. Sie entstanden während der zweiten Weltumsegelung des englischen Seefahrkapitäns James Cook (1728-1779), einem der größten Entdecker seiner Zeit. Vorpahl nahm dies zum Anlass, um den nach der Entdeckungsfahrt in der Südsee entstandenen Essay, James Cook, der Entdecker, neu aufzulegen, ihn um Fragmente über den Tod des großen Seefahrers zu erweitern und das Buch mit einigen der in Sydney entdeckten Zeichnungen Forsters zu zieren.

Geografie

Forsters Bericht über James Cook enthält zunächst eine geografische Übersicht über die Fahrten des Kapitäns und seiner Schiffe, sowie der Entdeckungen, die er auf dieser machte. Detailliert beschreibt er die Entdeckungsfahrt, die über den südlichen Polarkreis, die Kerguelen, die Freundschaftsinseln, Neuseeland, Neu-Kaledonien und viele mehr ging, bis das Schiff „Resolution“ Mitte 1775 wieder nach England zurückkehrte.

James Cook, der Entdecker – ein spannendes Zeitzeugnis

In einem zweiten Teil berichtet Georg Forster von den Besonderheiten der englischen Seefahrt in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zugleich würdigt er die Errungenschaften James Cooks, dem er mit James Cook, der Entdecker ein Denkmal bereitet. Forster erzählt von den organisatorischen Fähigkeiten des Kapitäns, der Einführung einer Achtstunden-Schicht bei seiner Mannschaft, sein erfolgreicher Kampf gegen die Seefahrerkrankheit Skorbut, der er mit dem Einführen von Sauerkraut begegnete. Auch Cooks generelle Freundlichkeit gegenüber neuen Völker betont der Essayist.

Der Essay schließt mit einem Resümee der Taten Cooks – von seinen Entdeckungen, über die Kartographie hin zu den Neuerungen innerhalb der eher traditionellen Gemeinschaft der englischen Seefahrer. Ergänzt wird James Cook, der Entdecker um Forsters Fragment über den Tod von James Cook auf seiner dritten Reise (1776-1779/80). James Cook wurde auf Hawaii von aufgebrachten Einheimischen erschlagen, niedergestochen und zerstückelt. Selbst war nahm Georg Forster an dieser Reise nicht mehr teil, stattdessen hatte er Cooks Bordnotizen studiert und die beiden deutschen Matrosen Zimmermann und Lohmann über die Geschehnisse befragt.

Hommage an James Cook

James Cook, der Entdecker ist eine Hommage an James Cook, dem vermutlich Größten unter den großen Entdeckern des 18. Jahrhunderts. Seine Bewunderung über den englischen Kapitän kommt in beinahe jedem Satz zum Ausdruck. Dabei mutet dem heutigen Leser – die Lesbarkeit des Textes ist nach über 200 Jahren eine andere – zumindest die geografische Beschreibung der zweiten Südseefahrt Cooks anstrengend an. Doch für einen Reisebericht mit schriftstellerischem Anspruch des ausgehenden 18. Jahrhunderts war eine geografische Darstellung unerlässlich.

Besondere Bedeutung erlangt James Cook, der Entdecker vor allem in seiner Eigenschaft als Zeitdokument. Beinahe atemlos liest man über die Zeilen Forsters, in der er das alltägliche Leben an Bord eines Entdeckungsschiffes im letzten Drittel des 18 Jahrhunderts beschreibt. Die Neuerungen, die Cook eingeführt hatte sind dabei ebenso erhellend, wie die Aufteilung des Schiffes, die Lagerung und Nutzung des Proviants, die Reinigung von Mensch und Schiff während einer so langen Reise und viele Erkenntnisse mehr.

Forster und die Aufklärung

Nicht zuletzt besticht die Neuauflage des Essays durch die Passagen, in denen sich Forster mit dem Diskurs der Aufklärung beschäftigt. Seine Ansichten geben Einblick über die Denkweisen der Aufklärer – von der Entwicklung des Individuums bis hin zur etwas konterkarierenden Auffassung des „guten Wilden“. Seine politischen Vorstellungen, etwa über die Entwicklungsmöglichkeit der Vereinigten Staaten, erscheinen aus heutiger Sicht geradezu prophetisch und von ungeheurer Intelligenz.

Ergänzt wird James Cook, der Entdecker durch ein Nachwort des Herausgebers Vorpahl, der es weder versäumt geschichtliche Daten und Zusammenhänge zu James Cook und Georg Forster zu liefern, noch dabei vergisst zu erwähnen, wie es zur Neuauflage von Forsters Schriften kam. James Cook, der Entdecker ist eine historische Quelle, die absolut empfehlenswert ist. Für jeden Historiker, Seefahrer, Geografen und alle, die von der Geschichte des großen Entdeckers James Cook fasziniert sind.

Florian Jetzlsperger

Georg Forster

James Cook, der Entdecker
Hg. von Frank Vorpahl
176 Seiten
24,95 Euro

Eichborn Verlag

Stand Dezember 2008

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