Fünf brandheiße Serien für die kalte Jahreszeit

Schaust Du gerne aktuelle Serien, bevor sie synchronisiert im deutschen Fernsehen laufen und kennst dich gleichzeitig im Internet so gut aus, dass Du diese Serien auch findest? Dann bist Du hier genau richtig!

Bildquelle:aboutpixel.de – sendeschluss © walter dannehl.jpg

Wir haben viele brandaktuelle Serien für euch geschaut und empfehlen euch, die fünf besten Serien für diesen Winter. Auf academicworld.net ist, wie gewohnt für jeden Geschmack etwas dabei: Vom einfühlsamen Nachbarschaftsdrama, zu sabbernden Zombies, von ehrenwerten Herren über rüde Actionhelden, bis zu spätpubertären Studenten.


Treme: New Orleans ist einzigartig

New Orleans nach dem Hurrikan „Katrina“. Die Stadt ist von den riesigen Wassermassen, die der Sturm in die Metropole brachte, weitgehend zerstört. Nur langsam beginnt wieder das normale Leben. Häuser sind beschädigt, Straßen unpassierbar und das Militär patrouilliert durch die Straßen, aber die Bewohner von New Orleans, lassen sich nicht entmutigen. Die Musik und der Geist der Stadt leben weiter.

Für Fans von: „The Wire“, „Ray“

How is your house?
Das ist die allgegenwärtige Frage in New Orleans nach Kathrina. Die meisten Häuser sind durch das Wasser beschädigt, viele Bewohner der Stadt geflüchtet, bei Bekannten oder in Notunterkünften untergekommen und kehren nun in die verwüstete Heimat zurück. Hier beginnt die Erzählung, drei Monate nach dem verheerenden Sturm.

Als erstes Zeichen der Normalisierung halten die Bewohner von Treme, ganz im Stile von New Orleans, ihre erste Parade nach dem Sturm ab. Danach beginnt die Schadensbegutachtung und alle stellen sich die Frage, wie es weiter gehen soll. Die Antworten darauf, fallen unterschiedlich aus. Nun wird der Zuschauer in verschiedene Charaktere eingeführt, die in ihrer Unterschiedlichkeit, diese widersprüchliche Stadt treffend charakterisieren.

Eine Stadt, ein Schicksal, viele Charaktere
Albert „Big Chief“ Lambreaux (Clarke Peters), der Häuptling eines Mardi-Gras-Stammes, steht nach seiner Rückkehr, vor einem fast komplett zerstörten Haus. Doch kaum angekommen beginnt er mit den Aufräumarbeiten. Nebenan steht noch seine alte Bar – in der er vor dem Sturm mit seinem Stamm probte – die weniger zerstört wurde, weshalb die Bar sein neues Zuhause wird. Er möchte das Viertel wieder lebendig machen und versucht andere, die noch nicht zurückgekommen sind, davon zu überzeugen, dass Treme niemals stirbt.

Der eigentliche Hauptcharakter der Serie, ist der Trompeter Antoine Batiste (Wendell Pierce). Er wohnt mit seiner Freundin und der kleinen Tochter zusammen und ist immer auf dem Weg zum nächsten Gig. Die Trompete sichert der Familie das Überleben, in der Stadt, die fast völlig ausgestorben wirkt. Er hat mit LaDonna Batiste-Williams zwei Söhne, die er jedoch nur selten sieht, da die beiden Jungs in Baton Rouge leben und Antoine seit dem Sturm kein Auto mehr hat.

Antoine Batiste ist der Frontmann von „Antoine Batiste and his Soul Apostles“ ©HBO

LaDonna Batiste-Williams (Khandi Alexander) gehört eine Bar im Herzen von Treme. Nach dem Sturm, drängt sie ihr Mann, dass sie zu Ihnen nach Baton Rouge ziehen solle, da sie in New Orleans nun keine familiären Zwänge mehr habe. Vor Kathrina sorgte sie sich nämlich um ihre Mutter, die sich jedoch weigerte sich evakuieren zu lassen. Bei dem Versuch von LaDonnas Bruder, ihre Mutter in den Wirren nach der Katastrophe zu finden, verliert sich seine Spur und auch drei Monate nach dem Hurrikan, hat sie kein Lebenszeichen ihres Bruders erhalten.

Und dann ist da noch Creighton Bernette (John Goodman), ein Englischlehrer, der davon überzeugt ist, dass die Regierung eine große Mitschuld an der Katastrophe hat, da sie zwar über die Probleme an den Deichen bescheid wusste, den Ausbau der Anlagen jedoch immer wieder verschoben habe. Creighton Bernette wohnt mit seiner Frau Antoinette „Toni“ Bernette (Melissa Leo) und seiner Tochter zusammen. Seine Frau ist Menschenrechtsaktivistin und sucht nach, auch Monate nach dem Sturm, noch vermissten Personen.

Nun beginnen sich die Handlungsstränge langsam zu verbinden und der Zuschauer bekommt einen kleinen Einblick, in eine verwüstete, aber trotzdem sehr lebensfrohe Stadt.

Creighton Bernette liebt seine Stadt New Orleans ©HBO

New Orleans, die „Wiege des Jazz“
Bei der Zusammensetzung der Darsteller haben die Produzenten um David Simon („Homicide: Life on the Street“, „The Wire“, „Generation Kill“), viel wert auf authentische Darsteller gelegt. Wendell Pierce („The Wire“, „Ray“), der den Trompeter Antoine Batiste spielt, der selbst aus New Orleans stammt, legt ein ungeheures musikalisches Verständnis an den Tag und ist der charmanteste Taxifahrgast in der Stadt. Auch die Besetzung des Mardi-Gras-Indianerhäuptlings mit Clarke Peters („The Wire“, „Endgame“, „Notting Hill“) ist gelungen, denn er verkörpert in Treme den absoluten Willen der Einwohner, die Stadt wieder zu errichten. Ebenfalls hervorragend gewählt ist John Goodman als kolerischer und etwas übergewichtiger Lehrer, der seine Stadt über alles liebt und deswegen die Regierung, wegen ihrer Versäumnisse, harsch kritisiert.

Die Produzenten haben außerdem darauf geachtet eine realitätsnahe Geschichte zu erschaffen, die auch in New Orleans als echt erachtet werden sollte. Neben vielen Schauspielern, die aus New Orleans kommen, wurden auch viele bekannte Musiker der Stadt in die Produktion eingebunden. Aber auch Seriencharaktere haben Bezug zur Realität, wie der von John Goodman gespielte Creighton Bernette, der dem mittlerweile verstorbenen Blogger Ashley Morris nachempfunden ist.

Der von David Simon gewählte Erzählstil ist etwas langatmig, für komplexe Geschichten, jedoch sehr geeignet. Denn hier wird nicht der primitive Plot eines Actionfilms im rape-revenge-Stil erzählt, sondern viele kleine Geschichten, die sich immer mehr zu einem Netz verweben und im Laufe der Serie ein sehr kontrastreiches Bild eines Stadtteils von New Orleans ergeben: Treme.

(David Santin, academicworld.net)

Fakten: Treme

Idee: David Simons
Produzenten: David Simon, Nina Kostroff Noble, Eric Overmyer
Darsteller: Wendell Pierce, Clarke Peters, John Goodman, Khandi Alexander
Ausstrahlung: In den USA läuft die Serie bereits seit 11.4.2010. Die zweite Staffel wurde ab dem 24.4.2011 gesendet. Eine dritte Staffel soll produziert werden.


The Walking Dead: Die Zombies sind da! 

Die Welt geht zugrunde, Zombies überrennen die Menschheit und eine Gruppe Überlebender, geschart um den Deputy Rick Grimes, versucht in einer post-apokalyptischen Welt einen sichern Ort zu finden. Das ist der Plot der Kult-TV-Serie „The Walking Dead“, eine Comicbuchadaption von Regisseur Frank Darabont.

Für alle Fans von:„28 Days Later“, „28 Weeks Later“, „True Blood“, „Dawn Of The Dead“

Poster zu The Walking Dead

I never should have fired that gun today!
Sheriff’s Deputy Rick Grimes (Andrew Lincoln) erwacht nach einer Highway-Schießerei aus dem Koma, nur um festzustellen, dass etwas Schreckliches in seiner Abwesenheit passiert sein muss. Er stolpert durch leere Krankenhaushallen und zerstörte Straßenzüge, findet aufgetürmte Leichen und einen Rumpf mit Kopf, der sich erstaunlicherweise noch bewegen kann und ihn versucht zu beißen. Sein Haus ist verlassen und seine Frau ist mit seinem Sohn verschwunden.

Nur dank der Gutmütigkeit eines weiteren Überlebenden, Morgan (Lennie James), der mit seinem Sohn Duane (Adrian Kali Turner) Schutz in dem vormals schönen Vorort gefunden hat, überlebt Rick die erste Nacht unbeschadet. Morgan erzählt Rick von einer Einrichtung der Regierung (CDC) in Atlanta, in die Ricks Familie sich eventuell gerettet haben könnte. Die Drei trennen sich und Rick versucht nach Atlanta zu kommen, um seine Familie zu finden.

She’s my sister, you son of a bitch!
Ricks Frau Lori (Sarah Wayne Callies) und sein Sohn Carl (Chandler Riggs) sind tatsächlich noch am Leben und haben sich in den Bergen einer Gruppe Überlebender angeschlossen. Lori ist gerade dabei sich in Ricks ehemaligen Arbeitskollegen und besten Freund Shane (Jon Bernthal) zu verlieben, der die Gruppe anführt. Die Überlebenden hören einen Funkspruch von Rick, der in seinem Streifenwagen auf dem Weg nach Atlanta ist, allerdings ohne seine Stimme zu erkennen und ohne ihn vor Atlanta warnen zu können. In der Stadt ist es weitaus unsicherer und gefährlicher als auf dem Land, denn wie jeder weiß sind in urbanen Gegenden die Zombiekonzentrationen in der Regel am Höchsten. Rick reitet, da er kein Benzin mehr hat, auf einem Pferd in die Stadt.

Sie kämpfen Tag für Tag um ihr Überleben ©AMC Studios

Nach dramatischen Szenen – das Pferd wird gefressen, Rick rettet sich in einen Panzer – trifft er auf eine weitere Gruppe Überlebender. Mit vereinten Kräften und kreativen Ideen gelingt es der Atlanta-Gruppe die Stadt zu verlassen und sich mit der Gruppe in den Bergen wieder zu vereinigen. Leider haben sie den Rassisten Merle (Michael Rooker) und eine Tasche mit Gewehren in der Stadt zurück lassen müssen, und das wurmt Rick’s Gewissen gewaltig. Bei den Überlebenden in den Bergen angekommen staunt Rick nicht schlecht, als er feststellt, dass seine Frau und sein Sohn dieser Gruppe angehören.

Die Freude über das Wiedersehen hält allerdings nicht lange und wird überschattet durch Ricks Plan wieder zurück in die Stadt zu fahren, um die Gewehre und Merle zu retten und anschließend mit allen Überlebenden Schutz, in der Einrichtung der Regierung, zu finden. Wer meint, die Rettung Merles und der Gewehre wäre bereits das Spannendste, der sollte abwarten, bis die Gruppe zum Serienfinale das vermeintlich sichere CDC erreicht und Einlass, sowie eine Überraschung findet.

We survive this by pulling together, not apart
Die Miniserie von AMC „The Walking Dead“ hat einen ganz klaren Fokus auf die persönlichen Schicksale und Katastrophen, die ein Zombie-Outbreak mit sich bringt. Die Beziehungen und die damit einhergehenden Spannungen zwischen den Überlebenden machen die Serie erst zu dem Schmankerl, die sie ist und wofür sie auch für den Golden Globe, für das beste Fernsehserien-Drama nominiert wurde. Eben dieser Fokus auf das Persönliche und Psychologische verleiht der Serie Tiefe und hebt sie von anderen Zombiefilmen und Serien ab. Dennoch wird an keiner Stelle die genretypische Brutalität und Explizitheit der Gewalt außer Acht gelassen.

Hier gibts ordentlich was auf die Mütze ©AMC Studios

Besondere Anerkennung verdienen die Regisseure und Drehbuchautoren, für ihre gelungene Integration der stilbildenden Elemente der Comicvorlage („The Walking Dead“ von Robert Kirkman, Tony Moore und Charlie Adlard, erscheint seit 2003 monatlich in den USA). Der zudem sparsame, aber gezielte Einsatz von Soundelementen unterstreicht die comiceske Stimmung der Serie. Es ist übrigens nicht gerade verwunderlich, dass sich AMC Frank Darabont, als Regisseur und Autor mit ins Boot geholt hat. Seit seinen Adaptionen der Steven King Klassiker „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“, sowie den Nominierungen für den Academy Award, gilt Frank Darabont als Meister der Buchadaption und Regieführung, was er mit „The Walking Dead“ einmal mehr unter Beweis stellt.

Ein gelungenes Casting rundet die Serie vollends ab. Mit an Bord sind neben Gastauftritten von u.a. Emma Bell („Frozen“, „The Final Destination 5“) und Noah Emmerich („The Truman Show“ „Fair Game“) auch Serienstars wie Sarah Wayne Callies („Prison Break“) und Heather Laurie Holden („The X-Files“). Die Hauptrolle des Sheriff’s Deputy Rick Grimes ist mit Andrew Lincoln („Heartbreaker“, „Love Actually“) brillant besetzt und lässt uns der zweiten Stafel entgegenfiebern.

„The Walking Dead“ ist ein genial erzählter Zombie-Splatter mit Tiefgang, ein spannend gemachtes Familiendrama in einer post-apokalyptischen Welt und auf alle Fälle ein Muss, für alle Zombiefans und solche die es werden wollen.

Daniel Mihajlovski (Zombieologe der ersten Stunde für academicworld.net)

Fakten: The Walking Dead

Idee: Frank Darabont
Produzenten: Frank Darabont, Gale Anne Hurd
Darsteller: Andrew Lincoln, Sarah Wayne Callies, Jon Bernthal, Laurie Holden, Jeffrey DeMunn
Ausstrahlung: Die Serie startete in den USA am 31.10.2010 auf AMC. Die zweite Staffel startet am 16.10. In Deutschland wird die erste Staffel seit dem 5.11.2010 auf FOX gesendet


Boardwalk Empire: Prohibitionssaga der Extraklasse

Die von Martin Scorsese und Mark Wahlberg produzierte Serie „Boardwalk Empire“ zeigt das Amerika der 1920er Jahre in einem neuen Licht. Die heute allgemein bekannte Bigotterie in den USA gab es schon damals: In Zeiten der Prohibition, wird in Atlantic City getrunken, gespielt und ausgiebig gefeiert. Dabei wird einiges Blut vergossen, hinterhältige Intrigen gesponnen und viel Geld verdient. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi), der als Schatzmeister und hochangesehene Persönlichkeit wie ein machiavellistischer Fürst mit Geschick, Geld und Gewalt über die Stadt herrscht.

Für alle Fans von: „Die Unbestechlichen“, „The Sopranos“, „The Wire“

Boardwalk Empire

The only colour that matters is green
Januar 1920, die Prohibition tritt in Kraft, so beginnt die Geschichte des „Boardwalk Empire“. Das Verbot zur Herstellung von Alkohol, müsste eigentlich ein schwerer Schlag für das Vergnügungsparadies Atlantic City sein. Aber die Eliten der Stadt stoßen auf das Alkoholverbot an, wohlwissend, dass das die große Chance für die noch überschaubare Stadt werden sollte. Enoch Thompson, einzigartig gespielt von Steve Buscemi, ist der unbestrittene Herrscher der Stadt und ein gewiefter Geschäftsmann.

Als Schatzmeister und herausragende Persönlichkeit der Republikanischen Partei hält er mithilfe enger Vertauter die Zügel der Stadt in der Hand. Sein Bruder Elias „Eli“ Thompson (Shea Whigham) ist Sheriff, sein Zögling James „Jimmy“ Darmody (Michael Pitt) kehrt gerade vom fernen Krieg in Europa verändert, aber darum um so mehr bereit, Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten einzusetzen, zurück und auch die Bürger lieben ihren Nucky der auch gerne in die eigene Tasche greift, um in Not geratenen Mitmenschen zu helfen.

Gegenwind bekommt Nucky vor allem aus dem kriminellen Milieu, da der Alkoholverkauf besonders profitabel ist. Nun nimmt die Geschichte Fahrt auf, denn Jimmy muss nach einem Überfall auf Nuckys Konkurrenten nach Chicago fliehen, wo er Al Capone (Stephen Graham) kennen lernt. Auch Lucky Luciano (Vincent Piazza) tritt ins Geschehen und so verlagert sich Geschichte teilweise nach Chicago und New York. Mehr und mehr tritt nun Margaret Schroeder (Kelly Macdonald) in Erscheinung. Die irische Einwanderin wird regelmäßig von ihrem saufend Ehemann verprügelt und verliert schließlich ihr ungeborenes Kind. Daraufhin lässt Nucky, der selbst seinen Sohn kurz nach der Geburt verloren hat, ihren Mann umbringen und ihn für den von Jimmy verübten Überfall verantwortlich machen. Margaret bekommt ein Job in einer Boutique und wird schließlich Nuckys Geliebte.

Nucky muss in dieser Zeit einiges managen. Nicht nur, dass seine Konkurrenten versuchen ihm das lukrative Alkoholgeschäft zu entreißen, muss er sich noch um den Konflikt zwischen dem Ku-Klux-Klan und einer Bande schwarzer Alkoholschmuggler kümmern, deren Anführer Chalky White (Michael K. Williams) mit ihm geschäftlich verbunden ist. Gleichzeitig muss er seine Macht kontinuierlich durch Zuckerbrot und Peitsche sichern und zu allem Überfluss ermittelt auch noch der äußerst hartnäckiger Agent der Regierung Nelson Van Alden (Michael Shannon) gegen ihn.

Der Fürst von Atlantic City: Nucky Thompson ©HBO

Casinos, Entertainment, Nightlife and the famous Boardwalk. Welcome to Atlantic City
Die Serie versetzt einen automatisch in einen nostalgischen Zustand, der durch gelungene Kostüme, Kulissen und vor allem stilsichere Musik erzeugt wird. Terence Winter, der schon bei den Sopranos einzigartiges geleistet hat, zeigt mit Boardwalk Empire wieder sein Gespür für komplexe Geschichten, die sich erst im Laufe der Episoden verweben und den Suchtfaktor maximieren. Auch die optische Umsetzung der Vergangenheit ist sehr gut gelungen, mit ruhiger Kameraführung, tollen Bildern und satten Farben sind die bis zu einer Stunde dauernden Episoden ein Augenschmaus.

Über allen technischen und optischen Raffinessen stehen jedoch die Schauspieler. Die Hauptrolle ist mit Steve Buscemi („Reservoir Dogs“, „The Big Lebowski“) und seinen charakteristischen Gesichtszügen, brillant besetzt, aber auch die Nebendarsteller wie Kelly Macdonald („No Country for Old Men“) und Michael K. Williams („The Wire“, „The Road“) sind hervorragend gewählt.

In Atlantic City geht es heiß her ©HBO

First rule of politics, kiddo: Never let the truth get in the way of a good story
In der sehr authentischen und nah an der Realität gehaltenen Serie (das Drehbuch geht zurück auf das Buch von Nelson Johnson „Boardwalk Empire: The Birth, High Times, and Corruption of Atlantic City“) behandelt Terence Winter („The Sopranos“) klassisch amerikanische Themen.

Als erstes ist hier die Politik zu nennen. Der Machterhalt der politisches Handeln in Reinform darstellt wird ungeschminkt gezeigt, genauso wie der Kampf zwischen Republikanern und Demokraten, der eher ein Kampf um Ressourcen denn um Ideologie ist. Zweitens der Rassismus in dieser Zeit, den es zwar offiziell nicht gibt aber trotzdem allgegenwärtig ist. Drittens, die Heimkehrer aus dem Krieg, die zwar als Helden gefeiert werden, es jedoch sehr schwer haben, sich in der sich verändernden Gesellschaft zurecht zu finden. Und schließlich viertens, die Entstehung eines neuen Typs von Kriminellen, der nicht mehr Handtaschen stiehlt sondern angesehen, reich und mächtig ist. Hier wird die heute noch schillernde Figur eines Gangster geboren. Zwar muss man bei Boardwalk Empire etwas Zeit und Geduld mitbringen, aber es lohnt sich jede Minute.

David Santin (academicworld.net)

Fakten: Boardwalk Empire

Created: Terence Winter
Executive producers: Martin Scorsese, Mark Wahlberg, Tim Van Patten
Cast: Steve Buscemi, Michael Pitt, Kelly Macdonald, Michael Shannon, Shea Whigham, Michael K. Williams
Ausstrahlung: Die erste Staffel wurde auf HBO ab dem 19.9.2010 gesendet, die Ausstrahlung der zweiten Staffel begann am 25.9.2011. In Deutschland ist die Serie auf dem Pay-TV-Sender TNT-Serie seit dem 2.2.2011 zu sehen.


Person of Interest: Actionserie mit allerlei Gadgets und mächtig auf die Fresse

Können Verbrechen verhindert werden bevor sie begangen werden? In „Person of Interest“ ist dies möglich, denn das Computergenie Harold Finch (Michael Emerson) hat im Auftrag der Regierung eine Maschine gebaut, die Verbrechen vorhersagen kann. Aber Finch braucht einen fähigen Mann nah am Geschehen. Diesen findet er in Ex-CIA-Agent John Reese (Jim Caviezel), der nach dem Tod seiner Frau in eine Lebenskrise gerät und Finch gerne dabei hilft die Welt etwas sicherer zu machen.

Für alle Fans von: „Lost“, „Minority Report“, „Flash Forward“

Person of Interest

One man has the resources, one man has the skills
Harold Finch, ein mysteriöser, milliardenschwerer Computerspezialist, wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2011 von der Regierung mit der Anfertigung einer allwissenden Maschine betraut, die Verbrechen dieser Dimension vorhersagen können soll. Finch konstruiert diesen monströsen Apparat und füttert ihn mit abgehörten Telefonaten, gelesenen Emails und allen verfügbaren Überwachungskameras, um so Hinweise aufzuspüren.

Die Maschine errechnet jedoch so einen Überfluss an kommenden Verbrechen, dass eine Liste mit für die nationale Sicherheit relevanten und irrelevanten Straftaten erstellt wird. Die Liste mit irrelevanten Ereignissen wird nach jedem Tag gelöscht. Bevor Finch das Projekt fertig stellt, baut er eine Hintertür in das System und lässt sich die irrelevante Liste vor jeder Löschung schicken. Auf der Liste stehen immer nur neun Zeichen: die Sozialversicherungsnummer von Einwohnern der Vereinigten Staaten. Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, dass die Person hinter der Nummer nicht zwangsweise der Täter ist, sie kann auch Opfer oder nur Beteiligter sein.

Um heraus zu finden was sich hinter der 9-stelligen Nummer verbirgt, braucht der etwas gebrechliche Finch einen Mann der alles kann: Informationen sammeln, beschatten, kämpfen, schießen, aus ausweglosen Situationen entkommen und harte Punchlines auf den Lippen. Diesen Mann findet er in John Reese, einem ehemaliger CIA-Agent, der für Tod erklärt wurde, sich nach dem Tod seiner Frau zum Penner runtergemausert hat und unzufrieden ist wie die Regierung mit „normalen“ Verbrechen seit 9/11 umgeht. Nun können beide in bester Michael Knight und Devon Miles-Manier die Bösen jagen und die Guten schützen.

Harold Finch und John Reese bei der Verbrechensverhinderung ©Warner Bros.

Big Brother ist watching you
Das von Jonathan Nolan („Prestige“, „Dark Knight“, „Memento“) entwickelte Drehbuch zeigt die in den USA vorherrschende post-9/11-Paranoia, in der Bürgerrechte und Privatsphäre Schnickschnack ist und jedes Mittel im Namen der nationalen Sicherheit gerechtfertig ist. Filmisch ist dieses beklemmende Gefühl, hervorragend umgesetzt von J. J. Abrams („Lost“, „Mission Impossible 3“, „Armageddon“), mit Aufnahmen aus Überwachungskameras dargestellt, diese meist in Schwarz-weiß gehaltenen Aufnahmen begleiten den Zuschauer des öfteren bei Außenszenen und Übergängen.

Aber auch die Schauspieler können überzeugen. Jim Caviezel („Passion Christi“, „Déjà Vu“) gibt einen glaubwürdigen ehemaligen CIA-Agenten der schon einiges erlebt hat und den nichts mehr wirklich aus der Ruhe bringen kann. Zwar ist er manchmal etwas sehr hart und Wortkarg, aber wer möchte es ihm, nach dem langen Marsch mit dem Kreuz auf dem Rücken, noch übel nehmen. Auch Michael Emerson („Lost“, „Saw“), der schon als Ben Linus in Lost brillieren konnte, spielt seine neue Rolle als Mastermind hinter Maschine sehr glaubwürdig.

John Reese kann auch anders ©Warner Bros.

Made in the USA: Recht und Justiz in den eigenen Händen
Die Regierung kümmert sich nur noch um die großen Ereignisse und die Bürger und Bewohner der USA werden in ihrem eigenen Namen vernachlässigt. Aber wie so oft in amerikanischen Produktionen finden sich Privatmenschen mit höheren moralischen Werten zusammen, die das Recht in die eigenen Hände nehmen. Die Serie betont die Gleichwertigkeit aller Menschen und das Recht auf Unversehrtheit, diese gilt jedoch nicht für den ein oder anderen Bösewicht, denn die müssen in aller Regel einen hohen Blutzoll bezahlen. Daher geht’s wie immer nach dem Motto: die Guten ins Töpfchen die Schlechten ins Kröpfchen.

David Santin (academicworld.net)

Fakten: Person of Interest

Idee: Jonathan Nolan
Produzenten: J. J. Abrams
Darsteller: Jim Caviezel, Michael Emerson, Taraji P. Henson, Kevin Chapman
Ausstrahlung: Die erste Folge lief am 22. September 2011 auf CBS.


Community: Klamauk der Gescheiterten

In der Serie „Community“ dreht sich alles um die Zeit im College. Aber nicht in irgendeinem College, sondern im Greendale Community College, ein eher nicht elitäres, kommunales College, dass man nur besucht, wenn man eine zweite Chance benötigt oder einem das passende Kleingeld für ein gutes College fehlt. Hier treffen sich sieben Studenten und gründen eine gemeinsame Spanischlerngruppe. Die sieben erleben während ihrer Zeit in Greendale so einige Abenteuer, die jeden von ihnen näher an ihr eigenes Ich führt.

Für alle Fans von: „Scrubs – Die Anfänger“, „Glee“, „Greek“

Plakat zu Community

Wie bin ich denn hier gelandet?
Diese Frage scheinen sich die Mitglieder der Lerngruppe, rund um den exzentrischen, selbstverliebten, ehemaligen Anwalt Jeff (Joel McHale) immer wieder zu stellen. Britta, eine hübsche Blonde auf die Jeff mehr als nur ein Auge geworfen hat, möchte ihr Leben neu sortieren. Abet ist ein eigenwilliger Filmstudent, in dessen Kopf immer ein Streifen läuft den er mit der Realität in Verbindung setzt. Sein Kumpel Troy (Donald Glover), auf der High School Quaterback und reichlich beliebt, fällt vor allem – wie für Sportler üblich – durch begrenzte soziale Fähigkeiten und maßlose Selbstüberschätzung auf, während Annie (Alison Brie) das brave Mauerblümchen, die schon seit der High School in Troy verliebt ist, nicht im Stande ist ihm ihre Gefühle zu gestehen. Dann ist da noch Shirley, eine frisch geschiedene Mutter von zwei Söhnen und nicht zu vergessen Pierce, gespielt von einem großartigen Chevy Chase („Caddyshack“, „Jagd auf einen Unsichtbaren“), ein bereits sieben mal geschiedener homophober, rassistischer und sexistischer ehemaliger Industrieller.

Die von Dan Harmon geschaffenen Serie erinnert von Handlung und Charakteren, sowie der etwas moralinen Zusammenfassung am Ende einer jeden Episode etwas an „Scrubs – Die Anfänger“. Harmon selbst ging auf ein Community College um seine Beziehung zu seiner damaligen Freundin zu retten und konnte dort an seiner Lerngruppe Inspirationen für die spätere Serie sammeln.

Jeff und Britta haben sich immer zu sagen ©Sony Pictures

In Greendale stimmen die Zutaten
Ein großer Pluspunkt von „Community“ sind die Charaktere, die durch sehr gut gecastete Schauspieler auf Anhieb sympathisch wirken. In ihrer Unterschiedlichkeit ergeben sie erstens einen Schnitt durch die amerikanische Bevölkerung, wobei fast kein Vorurteil ausgelassen wird und zweitens ein komisches Zusammenprallen der verschiedenen Kulturen. Darüber hinaus zeigt Harmon zu welch kuriosen Ergebnissen übertriebene political correctness führen kann, dass kontroverse Themen auch sehr unkorrekt behandelt werden können und, dass Hintergrundstudiogelache („canned laughter“) kein Muss in einer Sitcom ist.

Einzige Wermutstropfen sind die manchmal zu vorhersehbaren Plots, die was-haben-wir-daraus-gelernt-Episodenschlussworte und gelegentlich hanebüchenen Anlässe sich zu verkleiden, streiten und wieder zu vertragen.

Die Rasselbande vom Greendale Community College ©Sony Pictures

Am Ende verträgt man sich, immer
Bei „Community“ geht es eigentlich um das Eingestehen, dass man auf dem Community College gelandet ist, aus seinem Scheitern das Beste machen muss und natürlich um Freundschaft, als wichtiges aber fragiles Gut.

David Santin (academicworld.net)

Fakten: Community

Idee: Dan Harmon
Produzenten: Dan Harmon, Russo brothers
Darsteller: Joel McHale (Jeff), Gillian Jacobs (Britta), Danny Pudi (Abet), Yvette Nicole Brown(Shirley), Alison Brie (Annie), Donald Glover (Troy), Chevy Chase (Pierce)
Ausstrahlung: In den Vereinigten Staaten wurden bereits zwei Staffeln gesendet, seit 22 September 2011 läuft die 3.Staffel.


Stand: Oktober 2011

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