Franz Xaver Roth: Böser Mann – Provinzkrimi

Das scheint ja ein nettes Örtchen zu sein, dieses Leuterding. Drei Morde in einer Woche sind wirklich aller Ehren wert.

Böser Mann Cover

 

Der Autor hat sich eine wirklich gute Geschichte einfallen lassen und mich positiv überrascht. Sein Schreibstil wirkt locker und leicht. Er ist mit einem gewissen Witz versehen, der mal ironisch und mal sehr trocken anmutet, doch es gibt auch Stellen, die ernsthafter behandelt werden und nachdenklich stimmen. Mundartliche  Begriffe sind natürlich bei einem bayrischen Provinzkrimi ein Muss. Sie wurden aber wohl dosiert und gut verständlich eingebaut. Außerdem verleihen sie dem Roman einen gewissen Charme.

Übersichtlichkeit bleibt gewahrt

Die Zahl der Handlungsorte ist überschaubar und alle sind so gut und detailreich beschrieben, dass nie Orientierungsschwierigkeiten auftraten. Die Atmosphäre, die von den einzelnen Orten, als auch von der Handlung selbst ausging, war nahezu greifbar.

 

 

Charaktäre mit Tiefgang

Besonders gut hat mir der gesellschaftliche Querschnitt gefallen. Alle Personen erscheinen wunderbar plastisch und authentisch. Allen voran natürlich der Hammer-Eck-Wirt Luginger, der auch direkt zum Hilfs-Kommissar wider Willen ernannt wurde. Daneben findet man einen bunten Strauß an Angestellten, Stammgästen, Halbkriminellen und  Klatschtanten, es geht um Hilfsbereitschaft, Liebe, Seitensprünge, Erpressung, Drogen, Prostitution und dergleichen mehr.

Miss Marple kämpft gegen Vorurteile an

Abgesehen vom Wirt Luginger, war ich vornehmlich von drei Personen sehr angetan. Zum einen von dem Afrikaner Sammy, der auch direkt als Hauptverdächtiger gilt, und Lugingers Mutter, die zwar gebrechlich erscheint, jedoch geistig voll auf der Höhe ist und sich als Miss Marple betätigt. Beiden Charakteren wird relativ viel Raum gegönnt und es wird so manches Klischee offen gelegt, als auch widerlegt. Besonders gut fand ich in diesem Zusammenhang die Darstellung der Diskrepanz dessen, was „vorne gesagt, und hinten gedacht“ wird. Auch wenn diese Vorurteile mit einem leichten Augenzwinkern behandelt wurden.

 

Manchmal wird der rote Faden vermisst

 
Die dritte Person ist die Kommissarin Clara Weibel, die mit der Aufklärung des Falles betraut wurde. Auch wenn ich sie als Person mochte, schien mir hier manches leider nicht ganz schlüssig. Sie nimmt Aussagen der vermeintlichen Zeugen und Bewohner mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit auf, auch wenn sie weiß, dass diese nicht oder nur zum Teil der Wahrheit entsprechen können. Als sich Sammy nach München absetzt hätte ich zudem erwartet, dass sie den Hauptverdächtigen jetzt vermutlich wegen Fluchtgefahr in U-Haft nimmt, doch nichts geschieht.

Sie zeigt ohnehin eine große Toleranz in manchen Dingen, die ich nicht unbedingt nur der Tatsache zuschreiben kann, dass sie über große Erfahrung verfügt. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich auf diesem Gebiet keine weitreichende Kenntnis habe. Somit mag dieses Vorgehen durchaus gerechtfertigt sein, auch wenn es mir befremdlich vor kam.

Fazit: Wer einen „reinen“ Krimi erwartet, der eventuell auch noch gewaltbetont sein sollte, der wird enttäuscht sein. „Böser Mann“ ist für meine Begriffe ein gut gemachter Gesellschaftsroman mit kriminalistischem Hintergrund und unerwarteten Wendungen. Ich fühlte mich gut unterhalten, lediglich die Spannungsbögen hätten gerne etwas dauerhafter sein können.

(Autorin: Tanja Geyer; academicworld-Userin)

 

 

288 Seiten

Albrecht Knaus Verlag (Juli 2011)

EUR 14,99

 

 

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