Flaneur deluxe

Wenn unsereins durch eine Stadt spaziert, nimmt er/sie in der Regel viele Gebäude als solche wahr, fällt uns vielleicht gerade so der Verfall oder ein besonders hübsches Eck auf. Wie das bei der Autorin Valeria Luiselli aussieht, lest ihr in „Falsche Papiere“.

Es gibt Bücher, die erzählen eine Geschichte und es gibt Bücher, die noch dazu ehrliche Gedanken des Autors enthalten. Die den Leser verändert hinterlassen. Dazu gehört Valeria Luisellis „Falsche Papiere“. 

Es ist kein belletristischer Roman, keine Fantasygeschichte. Die Frau Luiselli flaniert in Essays durch die Städte der Welt, die Gedanken der Menschen und ihre eigenen Grübeleien. Von den Formen der Stadt zu den relingos des menschlichen Lebens. Mit Leichtigkeit bringt sie ihren Leser in schwere Überlegensnot und vergleicht Städte und Menschen miteinander, als wäre es das Naheliegendste überhaupt. So manches Mal lässt man das Buch sinken und denkt wieder und wieder über einen einzelnen Satz nach, doch nicht immer erschließt sich die Bedeutung.

Obwohl es an sich unabhängige Essays sind, sind sie inhaltlich logisch angeordnet. Man muss schon sagen – Valeria Luiselli ist eine literarische Hausnummer, die definitiv nicht immer oder gar leicht zu verstehen ist. Aber sich angenehm liest und wie gesagt zur Abwechslung mal nicht in eine fiktive Welt entführt, sodass man die Realität kurz vergessen kann. Sie regt zum Nachdenken an und darin besteht der große Spaß und Nutzen für den Leser.

Ein Buch, das man nach einem Jahr vielleicht noch einmal hervorholen sollte, um vergessene Passagen neu zu entdecken und unbekanntes und unerkanntes Terrain zu erschließen.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Valeria Luiselli. Falsche Papiere.
Verlag Antje Kunstmann. 16,99 Euro.

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