Fitz-Killing Me Softly

Die Sonne lacht über die Welt und die Welt über Kanada? Der geografische Riese wird ja gerne mal verspottet, insbesondere in Serien à la HIMYM. Jetzt? Schlägt Kanada zurück! Mit einer geradezu genialen Serie über einen ruchlosen Gebrauchtwagenhändler. Glaubt ihr nicht? Lest weiter.

Foto: just bridge tv
Foto: just bridge tv

Detroit, die Stadt der Automobilindustrie. Die Fitzpatricks sind Teil davon, betreiben aber ’nur‘ einen Gebrauchtwagenhandel. Hier arbeitet Richard ‚Fitz‘ Fitzpatrick unter seinem Vater als Verkäufer. Ein Job, für den er wie gemacht zu sein scheint: Er kennt keine Skrupel, vor allen Dingen nicht, wenn es darum geht, einen Deal zu schließen. Fitz ist ein Spieler, ein mit offenen Karten spielender Frauenheld. Wie es sich für Gebrauchtwagenhändler gehört, ist er außerdem in schmierige Geschäfte verwickelt und versucht jede Situation zu seinem Vorteil zu nutzen.

Ein Autounfall ändert sein Leben jedoch schlagartig. Eine Kundin, die dem Charme des Autohändlers verfallen ist, liegt nach einer Probefahrt im Koma. Ihre Tochter Ali, zufälligerweise Anwältin mit einem Hang zu Bad Boys, versucht seitdem hartnäckig, Fitz dafür ins Kittchen zu bringen. Unterstützt wird sie von einer psychisch ‚herausgeforderten‘ Pfadfinderin, die Fitzie warum auch immer aufs Korn genommen hat.

Damit aber nicht genug. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus trifft Fitz am Arbeitsplatz auf Larry, ein schlaksiger Gutmensch, der als Verkaufsprofi sofort die Sympathien von Fitz‘ Vater Ken genießt. Gegensätzlicher könnten Larry und Fitz nicht sein. Nach einigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden erläutert Larry, dass er Fitz‘ Gewissen ist, all seine düsteren Geheimnisse kennt und in seinem Leben aufgetaucht ist, um seine zweifelhaften Moralvorstellungen wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Und damit ist Larry kein Problem, das Fitzie mit etwas Koks, Scotch und einer erfolgreichen Nacht lösen kann …

Die Kritik

Der Humor ist schwärzer als schwarz – we love! So manches Mal versteckt sicht klein Fitzie dahinter, daher kann man ihn gar nicht vollständig verteufeln. Vollkommen frei von Skrupeln ist er auch nicht, denn er in seiner Welt lebt nach eigenen, ziemlich kruden, aber trotzdem: Moralvorstellungen. Kleiner Tipp: Achtet auf die Wahl seiner Unterhosen. Ja, im Ernst. Sein Gift der Wahl: Scotch.

Gut gelungen ist, dass diese Serie nicht ausschließlich um The Fitz geht. Er ist nur einer von mehreren, ziemlich speziellen Charakteren. Seine Schwester beispielsweiser, gerade frisch getrennt, mit Sohn, auf der Suche nach der großen Liebe und dem nächsten Verdienst. Eine eigenwillige Frau, die immerhin damit klar kommen musste, als eine Fitzpatrick aufzuwachsen – die wohl funktionalste dysfunktionale Familie, wie ihr feststellen werdet. Ihr Gift der Wahl: Tequila.

Der Vater der beiden ist ein kleines Mysterium. Er wirkt vor allem im Hintergrund und hat die Jahre davor dafür gesorgt, dass seine Kinder schlagkräftig sind – indem er sie immer wieder selbst (verbal) herausfordert. Seine Frau hat er damit längst in die Flucht geschlagen. Sein Leben ist deswegen noch lange nicht vorbei, aber es braucht einen Gutmenschen wie Larry, der eine sanfte Seite in ihm zum Vorschein bringt. Sein Gift der Wahl: Bourbon.

Es ist keine Serie, die sich um ein total dramaaaatisches Ereignis dreht. Sie ist einfach ein Ausschnitt aus dem verrückten Leben der Fitzpatricks. Charmant, ein bisschen ekelig bisweilen, abgefahren, explosiv, sanft (Fitzie ist irgendwann mal ein kleines bisschen verlieeehieeeeebt <3) – in anderen Worten: Extrem unterhaltsam.

Fazit: Absolute Empfehlung für alle, die super unterhalten werden wollen. CALL ME FITZ ist wohl einer der Underdogs des Jahres, der definitiv ein Podest im Rampenlicht verdient hat!

Bettina Riedel (academicworld.net)

CALL ME FITZ
13 Episoden à 27 Minuten

Darsteller: Jason Priestley, Erni Grunwald, Peter MacNeill
Regie: Sheri Elwood

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