Film-reif

Alain Bonnard ist nicht nur Inhaber eines kleinen, feinen Pariser Programmkinos, sondern er erlebt auch eine Liebesgeschichte, die aus allen Ecken und Enden nach Film riecht – in Nicolas Barreaus „Eines Abends in Paris“.

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Die Brücken von Paris sind für Mélanie ganz spezielle Orte. © Katharina Wieland-Müller/pixelio.de

Zufälle, wie sie nur der Film schreibt

Seit Wochen kommt sie jeden Mittwoch in sein kleines Pariser Kino, immer allein und immer in Reihe 17 – die junge Frau im roten Mantel. Bis auf ein wenig Small Talk hat der zurückhaltende Romantiker Alain, der für den Weiterbetrieb des Kinos seines Onkels einen gut bezahlten, aber langweiligen Anzugträger-Job in den Wind geschrieben hat, noch keinen rechten Draht zu ihr gefunden. Dabei geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Von seinem deutlich aktiveren, aber eben auch unverbindlicheren Freund Robert angestachelt, fasst er sich „eines Abends in Paris“ ein Herz und spricht seine liebste Besucherin an. Und siehe da, sie geht gerne mit ihm nach dem Mittwochsfilm noch etwas Essen. Es wird ein wunderbarer Abend, der in Küssen endet.

Tags darauf scheint sich auch beruflich bei Alain eine Glückssträhne anzubahnen, als er vor seinem Lichtspielhaus spätnachts eine berühmte Hollywood-Schauspielerin mit Pariser Wurzeln und den genialen amerikanischen Regisseur Allen Wood (Woddy Allen lässt hierbei – wenig überraschend bei dieser Namenswahl – häufiger mal grüßen) trifft. Die wollen sein Kino nämlich unbedingt für den gemeinsamen Film als Drehort. Das sickert schnell zur Presse durch. Der Rummel tut Alains Kino gut und auch mit den beiden Stars versteht er sich prächtig, aber leider kommt die schöne Mélanie plötzlich mittwochs nicht mehr ins Kino … Also macht sich Alain auf die Suche nach ihr.

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Süß, aber nicht klebrig

Nicolas Barreau liefert hier einen wirklich netten kleinen Roman über die große Liebe ab. Falsche Fährten und verzwickte Verwicklungen erschweren Alains Suche nach der schönen Mélanie. Oft darf es dann auch fast eine Nummer zu viel sein, aber durch den zwar romantischen, aber doch eher nüchternen Erzähler Alain bleibt die Geschichte auf „Normalmaß“. Eine nette kleine Geschichte für alle, die Paris lieben – und die Liebe, es aber nicht zu schmalzig mögen. Und für Filmfans sowieso, denn erst bei diesen kommen Alains viele Anspielungen und Verweise wirklich zum Tragen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Nicolas Barreau. Eines Abends in Paris
9,99 Euro. Piper Verlag

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