Film noir in Fernost

„Shanghai“ nimmt den Zuseher mit auf eine eindringliche Reise in die Abgründe der Stadt, die am Anfang noch als „Paris des Ostens“ deklariert wird, am Ende aber mehr einer Hölle auf Erden gleicht. Ab 24. Februar auf Blu-ray und DVD.

Kultureller Schmelztiegel

Optisch opulent und mit geballter asiatischer Starriege (Ken Watanabe, Chow Yun-Fat, Gong Li) zieht Mikael Håfström einen in die Abgründe Shanghais in Mitten der japanischen Besetzungszeit und genau eine Woche vor dem Angriff auf Pearl Harbour. Die Stadt gleicht in diesem Moment einem (kulturellen) Schmelztiegel kurz vor dem Überkochen: Jeder intrigiert und spioniert gegen jeden, ständig verschwinden Menschen, wilde Schießereien auf offener Straße, geheime Spielhöllen und und und. Genau in diesem Moment trifft der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) in der Stadt ein. 

Soames, dessen Tarnidentität die eines nazifreundlichen Journalisten ist, hat keine Eingewöhnungszeit. Noch bevor er sich mit ihm treffen kann wird sein bester Freund (Jeffrey Dean Morgan) ermordet – und Paul soll herausfinden von wem. Schnell findet Paul sich in angenehmer, wie zweifelhafter Gesellschaft wieder, als er auf einem Botschaftsempfang mit Hilfe seiner Geliebten, der deutschen Diplomatengattin Leni Müller (Franka Potente) die Bekanntschaft von Gangsterboss Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) und dessen Frau Anna (Gong Li) macht. 

Derweil wird nicht nur für Paul selbst, sondern auch für die ganze Stadt Shanghai die Lage immer bedrohlicher. Alles scheint kurz vor dem Abgrund noch einmal innezuhalten, als der Agent sich in die schöne Anna verliebt und doch ist auch dieses Gefühlsintermezzo nicht frei von verborgenen Intrigen, denn Anna arbeitet heimlich für den chinesischen Widerstand und der gefährlich mächtige japanische Geheimdienstoffizier Tanaka (Ken Watanabe) ist ihr auf den Fersen.

Der Hauch der Geschichte

Lakonisch, mit stets bitterem Unterton führt die Erzählstimme durch die sich stetig radikalisierende Lage in der Stadt. Dabei wird nicht nur die Lage in Fernost kritisch beleuchtet, sondern auch der amerikanische Traum: „Geburt, Schule, Yale, Krieg – die große amerikanische Tradition,“  so schildert Paul sein Leben. Mit dem Krieg ist er als Journalist spielender Agent zwar zunächst nicht leibhaftig konfrontiert, doch im Graubereich zwischen Freund und Feind, den ein Geheimdienstler nun einmal bevölkert ist ein glückliches Leben eben eher Glückssache.

Rezension "Shanghai"

Ein Hauch von „Casablanca“ durchweht die Szenerie. In genau dieser Gesellschaft sieht der Film sich auch selbst: ein klassischer Film der besten Art und Weise. Ein bisschen Film noir, ein wenig Gangsterstreifen, etwas tragische Lovestory und ein atemberaubendes Set-Design lassen die Vergangenheit wieder auferstehen – sei es die filmische oder die tatsächliche. Ein echter Geheimtipp für Fans der guten alten Kinozeit.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Shanghai
Regie: Mikael Håfström
Darsteller: John Cusack, Ken Watanabe, Chow Yun-Fat, Gong Li, Franka Potente, Jeffrey Dean Morgan, u.v.a.

Von Senator Home Entertainment

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