Feuerteufel in Florida

„Glutopfer“ ist nach „Selbstauslöser“ das zweite von Michael Lister im Hoffmann-und-Campe-Verlag veröffentlichte Buch. Nach einer nahezu in Echtzeit erzählten Hatz um Leben und Tod geht es nun in „Glutopfer“ um einen Serienkiller, der Florida in Atem hält. Das ist leider nicht halbwegs so innovativ und dicht wie der erste Roman des Amerikaners – der Mainstream hat Einzug in Listers Schaffen gehalten.

Feuerteufel in Florida

Ein Feuerteufel geht um

Inhaltlich geht es, wie oben bereits skizziert, um einen Serienkiller, der als Feuerteufel Menschen bei lebendigem Leib verbrennt und diese offenbar im Zuge eines Rituals opfert. In einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen Detective Sam Michaels und der externe Berater Daniel Davis dem Serienkiller auf die Schliche zu kommen und dem Wahnsinnigen bei seinen Taten zuvor zu kommen – allerdings spielt der Feuerteufel auch ein Spiel mit den Ermittlern …

Durchschnittliches Machwerk

Insgesamt hinterlässt „Glutopfer“ bei mir den Eindruck eines aus verschiedenen Versatzstücken zusammengebastelten Werks, das leider einige Logiklöcher und Brüche aufweist. Zudem verzichtet Michael Lister in „Glutopfer“ größtenteils auf die bei „Selbstauslöser“ angewendete prägnante Verknappungsprosa (die für einige Rezensenten aber auch ein Manko des Buchs war). So verliert das Werk etwas den charakteristischen Sound und wird beliebig. Die Einzigartigkeit des ersten Buchs bestand in meinen Augen neben seiner teilweise an Comics erinnernden Sprache in der inszenatorischen Dichte, die den Leser förmlich in die Seiten zog. Erst nach dem nächtlichen Überlebenskampf in der Flora Floridas konnte zumindest ich „Selbstauslöser“ zur Seite legen und durchatmen. „Glutopfer“ vermag zu keinem Zeitpunkt so zu fesseln, wie es das Vorgängerbuch tat. Diese Geschichte könnte auch aus der Feder jedes x-beliebigen amerikanischen Thrillerautors stammen und auch an jedem beliebigen Platz in den Vereinigten Staaten angesiedelt sein.

So bleibt bei mir nach der Lektüre dieses Romans der Eindruck, dass Michael Lister mit diesem Buch im Mainstream angekommen ist – durchschnittliche Kost, die nicht viel falsch macht, aber eben auch die schriftstellerische Klasse des Vorgängerbuchs vermissen lässt.

Marius Müller (academicworld.net-User)

Michael Lister. Glutopfer
19,99 Euro. Hoffmann und Campe
 

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