Feiern, Flirten, Fürchten

Evie O’Neill hat sich in der heimatlichen Provinz noch nie wirklich zu Hause gefühlt. Seit sie eine besondere Gabe entwickelt hat, ist das nicht besser geworden. Da kommt es ihr gerade recht, dass die Eltern sie zu Onkel Will nach New York verbannen wollen. Denn dort steppt der Bär. Die 20er Jahre sind aber schnell aufregender als gedacht, denn Evie ist nicht die Einzige, die über mysteriöse Kräfte verfügt.

Feiern, Flirten, Fürchten

Übernatürliche Abenteuer in den 20er Jahren

Eigentlich weiß sie selbst nicht so genau, warum sie das ganze überhaupt losgetreten hat. Auf einer Party hat die quirlige Evie O’Neill ihre speziellen Fähigkeiten als Partytrick eingesetzt. Und damit dummerweise den reichsten Erben ihrer Kleinstadt in Ohio brüskiert, weil sie seine Affäre mit einem Dienstmädchen offenbart. Evie kann nämlich Gegenständen die Geheimnisse ihrer Besitzer entlocken. Um dem Skandal in der Heimat zu entgehen, schicken die Eltern sie zum Onkel nach New York. Das kommt Evie gerade recht. Denn erstens ist ihr das Kleinstadtleben ohnehin viel zu langweilig und zweitens kann sie so endlich wieder Zeit mit ihrer Kindheitsfreundin Mabel Rose verbringen. Dass sie freilich noch am Bahnhof vom charmanten Gauner Sam Lloyd um ihr Taschengeld gebracht wird, hätte sie nicht gedacht. Das ist aber noch nicht das letzte, was sie von Sam gesehen hat.

Die Unterbringung bei Onkel Will bringt allerdings auch mit sich, dass Evie sich in dessen Museum für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes engagieren soll. So unspektakulär sich das auch am Anfang gestattet, als ein grausamer Ritualmord die Stadt erschüttert sind das Museum und sein Leiter schnell als Experten gefragt. Und bald stecken auch Evie, Mabel, Sam und Wills nur auf den ersten Blick langweiliger Assistent Jericho mitten in den Ermittlungen, nicht ahnend, dass es sich beim Mörder um eine gefährliche Macht handelt, die ihrer aller Gaben fordert. Auch der dunkelhäutige Laufbursche und Hobbydichter Memphis, sein Bruder sowie das Showgirl Theta Knight und ihr bester Freund Henry geraten in die Gefahrenzone und erweisen sich als besonders begabte Individuen …

Setting sensationell, Handlung ausbaufähig

Libba Bray gelingt es ganz wunderbar ihr schillerndes Setting in Szene zu setzten. Schnell und begeistert stürzt sich der Leser zusammen mit Evie in die 20er Jahre. Das atmosphärisch dichte Zeitkolorit würzt die Autorin dann mit einer ordentlichen Prise Gruselstory und Spannung. Einziger Wermutstropfen: Gerade Hauptfigur Evie ist über weite Strecken der am wenigsten stark entwickelte Charakter. Aber vielleicht macht da der im Englischen schon 2015 erscheinende Nachfolgeband Boden gut. Zu wünschen wäre es, denn die Tür zur hier geschilderten Epoche würde man gerne noch einmal öffnen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Libba Bray. Diviners. Aller Anfang ist böse.
19,95 Euro. dtv.

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