Faszination unter Feinden

Wer den Film mochte, sollte sich auch das Buch nicht entgehen lassen. „Out Of Sight“: Stylish, cool und hart. Elmore Leonard at its best.

Rezension: Out of Sight
Eine explosive Beziehung: Cop und Gangster © S. Media/pixelio.de

Eine prägende Begegnung

Zwei Autos vor einem hohen Zaun. Eine junge hübsche Frau steigt aus einem der beiden Wägen aus. Sie wartet auf jemanden. Plötzlich hört sie Geräusche. Unterhalb des Zauns tauchen plötzlich dreckverschmierte Gesichter auf, orientieren sich kurz und suchen das Weite. Ein Gefängnisausbruch! Gerade will sie Alarm schlagen, da taucht aus dem engen Gang ein Mann mit der Kappe und dem Hemd eines Wächters auf. Sie leuchtet ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht und ist fast geblendet von den strahlendblauen Augen. 

Das ist er, der Moment, der das Leben von Karen Sisco, Deputy US Marshall und Jack Foley, Gewohnheits-Bankräuber mit Abneigung gegen Waffen, für immer verändert. Eine unheimliche Faszination für das Gegenüber entwickelt sich aus dieser kurzen Begegnung, die darin endet, dass der fliehende Jack sich mit Karen in den Kofferraum ihres Wagens verfrachtet. Dort kommen die beiden sich nicht nur räumlich näher. Die Funken sprühen – auch noch bei den nächsten Begegnungen und nie weiß man so genau ob das nächste Treffen jetzt eigentlich befürchtet oder herbeigesehnt wird. 

Wenn Krimi Style hat

Natürlich kann man sie nicht ganz ausblenden die Bilder aus der gelungenen Verfilmung von Steven Soderbergh, aber das macht auch nichts. Film und Buch ergänzen sich zu einem großen Ganzen, einer stylishen Vision eines Krimis, der fesselt, obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert. Auch wenn weder Karen, noch Jack Figuren sind, die dem Leser besonders nahe gehen, entsteht durch die ausdrückliche Distanz, die der Autor um seine Charaktere legt, eine gewisse Faszination, ein Interesse, dass dann über diesen Umweg doch wieder ein Mitfühlen auslöst. Kühl und kühn schildert Leonard emotionalste Augenblicke. 

Rezension: Out of Sight

Die Milieus, die er vor dem inneren Auge des Lesers entstehen lässt, malt er bis ins letzte Eckchen so farbig und detailreich, das man förmlich selbst am Gefängnisgitter oder in der Untergrund-Boxarena steht. Dabei fließen dann noch die bisweilen fast schon existenzialistischen Überlegungen der gescheiterten Existenz Foley ein. Ein Mann, der darüber nachsinnt, ob es in seinem Leben eigentlich einen Moment gab, in dem er die Kurve noch einmal hätte kriegen können. Im Grunde ist er ein netter Kerl, nur leider überfällt er zum Zwecke des Broterwerbs ständig Banken …

Gisela Stummer (academicworld.net)

Elmore Leonard. Out Of Sight
8,99 Euro. Suhrkamp 

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