Experiment missglückt

Nach den Erfolgen von „Becks letzter Sommer“ und „Spinner“ nimmt Benedict Wells den Leser in seinem neuesten Roman „Fast Genial“ mit auf eine Reise quer durch Amerika. Auf der Suche nach seiner Herkunft erkennt Well´s Hauptfigur Francis Dean schnell, dass die Wahrheit nicht immer leicht zu ertragen ist. Seit August 2011 ist „Fast genial“ im Handel erhältlich.

Benedict Wells: Fast Genial

Leben im Trailerpark

Der 17-jährige Francis Dean lebt mit seiner zunehmend depressiven Mutter in einem trostlosen Trailerpark in New Jersey. Sein Leben scheint bereits zu diesem frühen Zeitpunkt vorgezeichnet. So fristet Francis perspektivlos, antriebslos und ohne Aussicht auf Besserung sein Dasein zwischen kaputten Existenzen, Losern, Verrückten und Drogenabhängigen. Ein Entkommen scheint unmöglich, da sich Francis seiner hilfsbedürftigen Mutter verpflichtet fühlt, die immer wieder von Anfällen geplagt in der Psychiatrie unterkommt. Verantwortlich für die Misere macht er in erster Linie seinen Stiefvater Ryan, der ihn und seine Mutter seiner Meinung nach sitzengelassen hat.

Böses Erwachen  

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch seiner Mutter findet Francis einen Brief in ihren Unterlagen in dem sie ihm offenbart, dass er das Produkt eines genetischen Experimentes sei bei dem mithilfe des Spermas von Nobelpreisträgern und anderer Genies eine überlegende Klasse Mensch geschaffen werden sollte. Francis ist zunächst geschockt von dieser überraschenden Wendung. Doch schon bald reift in ihm der Entschluss, seinen wahren Erzeuger kennenzulernen. Er hofft dadurch seinem Leben wieder einen Sinn geben zu können.

Zusammen mit seinem besten Freund Grover und der labilen Anne-May, die sich ihrerseits aufgrund suizidaler Züge unter psychiatrischer Beobachtung befindet, in die sich Francis aber, wie er sich bald eingestehen muss, jedoch unsterblich verliebt hat, begibt er sich ohne konkrete Anhaltspunkte auf die Suche nach seinem leiblichen Vater. Erhofft er sich doch Antworten von diesem Mann, die seinem Dasein eine Berechtigung verleihen.

Suche ohne Happy End

Auf ihrer Reise quer durch Amerika sammeln Francis, Grover und Anne-May viele wertvolle Erfahrungen über das Leben und über sich selbst. Sie genießen ihre neu gewonnene Freiheit doch zu bald schon neigen sich ihre Finanzreserven dem Ende zu. Auch die Suche nach Francis leiblichem Vater bringt nicht den erwarteten Erfolg. Letztlich gelingt es ihm zwar diesen auszumachen. Doch die erste Begegnung mit seinem Vater verläuft ernüchternd. Entpuppt sich dieser doch als Schwindler, der nur mithilfe einer List einen Platz als Samenspender ergatterte, um ein entsprechendes Honorar einzustreichen. Francis bleibt enttäuscht und ohne die erhofften Antworten zurück. Es bleibt die Erkenntnis zurück, dass er wohl genauso ein Loser ist, wie sein richtiger Vater. In dieser aussichtslosen Situation entschließt sich Francis einer inneren Stimme zu folgen und sein Glück in Las Vegas zu suchen. Am Ende heißt es: „Alles oder nichts“.

Ein Buch über die Suche nach der eigenen Identität

Benedict Wells gelingt mit „Fast genial“ ein weiterer Roman, der es zu Recht auf die Bestsellerlisten in Deutschland geschafft hat. Sein Werk über die Suche nach der eigenen Identität verbunden mit der unbändigen Hoffnung dabei auf etwas Großes und Bedeutendes zu stoßen, steht exemplarisch für die Frage vieler Menschen nach dem „Woher kommen wir?“ und dem „Warum?“.

Detailliert und gekonnt schildert er durch die Wahl seiner speziellen Protagonisten ein Milieu, das von Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit geprägt ist, ohne jedoch dabei den üblichen Klischees zu verfallen und schafft damit Identifikationsfiguren für viele Menschen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Darüber hinaus greift er mit der „Samenbank der Genies“ eine interessante Thematik auf, die auf einer wahren Begebenheit beruht.

Mit seinem leicht verständlichen und flüssig zu lesenden Schreibstil gelingt es Wells mühelos den Leser bei der Stange zu halten. Man fiebert jederzeit mit den Hauptfiguren mit und kann sich immer wieder von nicht vorherzusehenden Wendungen überraschen lassen.

Fazit: Toller, kurzweiliger Roman, in dem Wells durch einen sehr bildhaften und angenehmen Schreibstil überzeugt und den man in einem Schwung gut durchlesen kann.

(TH, academicworld-User)

Benedict Wells. Fast genial
19,90 Euro. Diogenes Verlag


Stand: November 2011

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