Everlight – (K)ein ewiges Leben

Seraphina lebt schon seit 600 Jahren – allerdings immer auf Kosten Anderer. Damit soll jetzt Schluss sein. Der Roman „Everlight“ von Avery Williams zeigt, was es heißt, ewig zu leben.

Auch Untote haben’s nicht immer leicht! Bild: Oliver Haja_pixelio.de

Liebesgeschichte mit Haken

“Sterben ist das Tapferste, Menschlichste, was ich in den sechshundert Jahren getan habe.” (Seite 32)

Seraphina und Cyrus lieben sich, doch was als bezaubernde Liebesgeschichte beginnt entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem Fluch. Vor 600 Jahren sollte Seraphina sterben doch Cyrus gab ihr ein Elixir, das sie am Leben hielt, allerdings im Körper einer Anderen. Seitdem hat sie, ebenso wie Cyrus, jedes Mal den Körper gewechselt, sobald der Alte nicht mehr zu gebrauchen war. Weil Seraphina aber keine Körper mehr stehlen und für den Tod von anderen verantwortlich sein will, flieht sie, um ihrem Leben ein endgültiges Ende zu setzen. Doch dann kommt alles anders als erwartet.

Schwieriger Gewissenskonflikt

Wahrscheinlich hat so manch einer sich schon einmal gewünscht ewig leben zu können oder zumindest den Zeitpunkt des Todes selber zu bestimmen bzw. das Leben verlängern zu können. Und selbst wer nicht diesen Wunsch verspürte, hat sicher schon einmal über das Thema nachgedacht. Welch Wunder wäre es auch, ewiges Leben. Welche Macht könnte man damit erlangen. Doch will man dafür wirklich den Tod von anderen Menschen in Kauf nehmen? Seraphina will eben dies irgendwann nicht mehr. 600 Jahre Leben nehmen, um selber leben zu können, sind ihr mehr als genug und sie beschließt, ihr Leben zu beenden. Wenn man sich plötzlich dem Tod gegenüber sieht und die Wahl hat weiterzuleben oder zu sterben, wofür würde man sich selber entscheiden? Aber wie lange kann man es mit sich selber und seinem Gewissen vereinbaren, Anderen dafür das Leben zu nehmen? Ein Gewissenskonflikt, von dem man sich sehr gut vorstellen kann, wie zermürbend er sein muss.

Als Seraphinas Selbstmordversuch dann völlig anders verläuft als erwartet lernt sie plötzlich etwas kennen, was sie in den ganzen 600 Jahren ihres “Weiterlebens” nicht hatte: Familie, Geborgenheit, Liebe, Alltag. Sie geht zur Schule, hat Freunde und verliebt sich und sie beginnt, doch noch an ein glückliches Leben zu glauben.

Wenig Hintergrundwissen

Obwohl mehrere Charaktere in dem Buch vorkommen, liegt der Fokus ganz klar auf Seraphina. Sie ist eher ruhig und zurückhaltend, meistens beugt sie sich dem Willen von Cyrus und macht ihre Gefühle und Gedanken mit sich selber aus. Es ist schade dass man sehr wenig aus ihrem früheren Leben erfährt. Das Buch beginnt kurz vor ihrem Tod und danach erfährt man nur Bruchstücke, hauptsächlich wieso sie ihre Mutter vermisst. Von Cyrus erfährt man noch weniger, gerade das ist sehr schade. Da immer wieder erwähnt wird, er habe sich erst über die 600 Jahre so negativ entwickelt, wäre es doch interessant gewesen zu erfahren, wie diese Entwicklung aussah. Sind Dinge vorgefallen die ihn verändert haben? Wie sind seine Gefühle dazu? Wurde er einfach nur machtgierig? Das sind leider Fragen, auf deren Antworten man in diesem Buch verzichten muss.

Flüssiger Schreibstil

Der Schreibstil ist dafür gut und flüssig, sodass sich das Buch leicht lesen lässt. Die Kapitel sind recht kurz und das Buch ist insgesamt nicht sehr dick, manchmal wäre mehr Ausführlichkeit schön gewesen.

Obwohl die Geschichte einiges verspricht, bleibt die Spannung größtenteils aus. Natürlich ist es interessant zu verfolgen, wie sich Seraphinas Pläne vom Selbstmord zum glücklichen Teenagerleben ändern. Aber mehr als interessant eben auch nicht. Es gibt auch keinen großen Showdown, sondern ein recht plötzliches aber scheinbar endgültiges Ende. Damit lässt Everlight den Leser mit ziemlich vielen Fragen zurück. 

Fazit:
Es ist ein nettes Buch für zwischendurch, hat jedoch einige Schwächen.

Jennifer Ewerlin, academicworld-userin

Avery Williams. Everlight: Das Buch der Unsterblichen.
Knaur HC Verlag. 14,99 Euro.

 

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