Erfolg in Serie

Das Erzählformat der Stunde ist seriell. Lange galten Fernsehproduktionen als minderwertig. Doch längst haben die Meisterwerke für den kleinen Bildschirm uns eines besseren belehrt. Eine Hommage an die amerikanischen „Qualitätsserien“ hat nun US-Fernseh-Kritiker Alan Sepinwall verfasst.

Erfolg in Serie

Auch Revolutionen fangen klein an

Seit 20 Jahren sieht Alan Sepinwall beruflich fern. Er gilt als Amerikas bekanntester TV-Kritiker und glühender Verehrer der neuen Serienwelten. Nach unzähligen Rezensionen und Blog-Einträgen ist daraus nun auch ein Buch erwachsen. „Die Revolution war im Fernsehen“ heißt es. Darin dekliniert Sepinwall zwölf Serien durch – vom, wenigstens hierzulande, weniger bekannten Gefängnisdrama „Oz“, das 1997 auf HBO an den Start ging, über die „Sopranos“ bis hin zu den noch nicht abgeschlossenen Werbern der „Mad Man“. Sepinwall macht das mit mindestens eben so viel Begeisterung wie Insider-Informationen und Überblick. Nein, man muss nicht jede Serie gesehen haben, um folgen zu können oder sich mitreißen zu lassen, aber wo man selbst die passenden Bilder vor Augen hat, klingen natürlich noch ganz andere Aspekte mit an. Und natürlich versteht man mit gewissen Einblicken auch die Analysen der TV-Erzählungen, die Sepinwall mit einfließen lässt, besser.

Und worauf Sepinwall nicht alles eingeht. Wer hat’s erfunden? Wie und warum kam zu welchem Sender? Wonach wurden die Darsteller gecastet? Wie sind die Dreharbeiten gelaufen? Wie flexibel war eigentlich die Planung der Handlungsverläufe? Bei allen 12 enthaltenen Beispielen hat er zu all diesen Punkten entweder direkt für dieses Buch oder schon früher detaillierte Gespräche mit Autoren, Produzenten und Hauptdarstellern geführt. Fast exemplarisch stehen diese Beispiele für den Wandel der sich im Genre der Fernseh-Serie vollzogen hat. Egal ob verwerflich handelnde Helden (zuerst in Oz), komplexe Handlungsbögen (etwa in The Wire) oder Echtzeitmodelle (in 24), ob Kampf gegen Teenie-Nöte in Vampirform (bei Buffy) oder inhärente Mythologien (in Lost) – jeder aus diesem hervorragenden Dutzend hat etwas Neues in die Palette der Serienschöpfer eingebracht. Und doch, das zeigt Sepinwall deutlich, konnten all diese Formate nur durch eine besonders gelungene Kombination aus Timing, Innovation und harte Arbeit ihren Weg zu den Zuschauern finden.

Kenntnisreich und enthusiastisch führt der Autor uns durch die Welten von Tony Soprano, Don Draper und all den anderen ungewöhnlichen Helden, die unseren Fernsehabend in den letzten Jahren so viel anspruchsvoller und herausfordernder gemacht haben.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Alan Sepinwall. Die Revolution war im Fernsehen
24,80 Euro. LUX Books

Share.