Er wird dich kriegen…

Hanna Winters zweiter Thriller „Stirb“ verspricht Hochspannung bis zum Schluss. Zart besaitete Leser sollten sich die Lektüre jedoch gut überlegen. Warum wird ein Mensch zum Killer? Woher kommt sein Antrieb und nach welchem Muster erfolgt die Wahl der Opfer? Diesen Fragen wird in diesem fesselnden Roman auf den Grund gegangen. Am Ende steht die Erkenntnis: Jeder kann zum Opfer werden.

Cover zu „Stirb“

Nach der Trennung von ihrem Exmann bemüht sich Lara Simons ihr Leben mit ihrer Tochter Emma in den Griff zu bekommen. Mit der Eröffnung ihres eigenen Cafés erfüllt sie sich einen lange gehegten Traum und alles scheint doch noch ein glückliches Ende zu nehmen. Doch auf dem Heimweg von ihrer Einweihungsparty wird sie brutal überfallen. Nur mit Glück entkommt sie den Fängen des Täters, der sich für dutzende Morde in Berlin verantwortlich zeigt. Doch damit beginnt die Leidenszeit von Lara erst richtig. Der Täter scheint durch die Flucht erst richtig angestachelt worden zu sein. Er verwüstet das Café und hinterlässt eine unzweideutige Nachricht: „Ich kriege dich, Nutte“. Ab diesem Zeitpunkt geht der Horror erst richtig los. Laras Exmann und dessen Freundin werden ermordet und Emma schwer verletzt. Lara bleibt nur die Flucht.

Ein neues Leben

Sechs Jahre später lebt Lara zurückgezogen mit ihrer Tochter auf Rügen ein beschauliches, glückliches Leben. Im Rahmen des Zeugenschutzprogrammes wurden sie mit einer neuen Identität ausgestattet und konnten so die Vergangenheit hinter sich lassen und einen Neuanfang wagen. Doch die Angst bleibt. Da geschieht ein Mord in der Nachbarschaft und die Anzeichen verdichten sich, das der Täter von damals Lara aufgespürt hat. Erneut beginnt für sie und ihre Tochter ein Kampf ums Überleben. Wird es ihnen gelingen diesem brutalen Mörder zu entkommen?

Harte Kost

Hanna Winters Thriller „Stirb“ spielt mit der Angst vieler Menschen, aus reiner Willkür Opfer eines Verbrechens zu werden. Von einem auf den anderen Tag ändert sich plötzlich alles. Es gelingt der Autorin von der ersten Seite an den Leser in ihren Bann zu ziehen. Geschickt wechselt die sie innerhalb der Geschichte immer wieder die Perspektive und vermittelt so einen Blick in die Psyche des Täters. Der Leser erfährt viel über dessen Beweggründe und seine persönliche Entwicklung hin zum erbarmungslosen Mörder. Dennoch bleibt bis zum Schluss unklar, wer tatsächlich der Täter ist.

Der Roman wartet mit spannenden Wendungen auf, die überraschen und zum Weiterlesen zwingen. Was jedoch gelegentlich verstörend wirken kann, ist die explizite Gewaltdarstellung. Die Beschreibung der „Folterkammer“ und die Blicke in die Abgründe der menschlichen Seele gehen einem an die Nieren. Das jedoch sollte den geneigten Thriller-Leser kaum Kopfzerbrechen bereiten.

Plötzlich ist alles anders

Sehr interessant ist auch die Figur der Lara Simons. Sie ermöglicht einen Blick darauf, was es bedeutet sein altes Leben von einem auf den anderen Tag komplett hinter sich zu lassen, um unter einem neuen Namen und einer neuen Identität ganz von vorne anzufangen.

Fazit: Mit „Stirb“ ist Hanna Winter erneut einen Thriller gelungen der „Bestsellerpotential“ hat. Kaum einer wird sich der spannenden Story entziehen können. Und auch wenn das Finale in dem Buch letztendlich etwas überzogen wirkt, ist der Roman für Thrillerliebhaber auf jeden Fall als Pflichtlektüre zu empfehlen.

(Thomas Hepp, academicworld-User)

     
Hanna Winter: Stirb
8,99 Euro. Ullstein

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