Ensemble der Kuscheltiere

Was passiert, wenn Stoffüberzogene Helden von anno dazumal Pleite gehen? Sie rächen sich an der Moderne. Da vermischen sich ein Kasper, viel Koks, eine Entführung und ein Gretchen zu einer Betrachtung über den ewigen Clash ‚Vergangenheit vs. Zukunft‘. Wie die Ko-Existenz trotzdem funktionieren kann inklusive.

Kalles unfreiwilliger Entzug © Universum Film GmbH
Kalles unfreiwilliger Entzug © Universum Film GmbH

Ein neues Theater, modern eingerichtet mit vielen Besuchern an jedem Abend. Hier residiert Kalle, Eisbär mit großer Klappe und dickem Dialekt. Er ist der Star-Comedian der abendlichen Shows und füllt die Kassen. Doch sein Leben ist nicht nur Glamour pur – seine Drogenabhängigkeit setzen ihm immer stärker zu und seine wahre Liebe hat er auch noch nicht an seine Seite. Was tun mit diesem Leben?

Ein altes Theater, das Ensemble von einem bekannten Gesicht geführt: Das Kasperle mit seinem Seppel, dem Gretchen und auch der alten Oma spielen hier vor leeren Stühlen. Keine Besucher, keine Einnahmen. Der Schuldenberg wächst und die Bank stellt Kasperle vor eine schwere Entscheidung: Das Theater aufgeben oder irgendwoher schnell mal 50.000 Euro bekommen. Gewitzt, wie Kasperle ist, fällt ihm gleich eine Lösung ein: Kalle entführen und ordentlich Lösegeld verlangen! Dass das eigentlich nur schief gehen kann, ist allen außer ihm klar. Aber muss es immer nur einen Sieger geben?

Ein Maulwurf'n in seiner natürlichen Umgebung. © Universum Film GmbH
Ein Maulwurf’n in seiner natürlichen Umgebung. © Universum Film GmbH


Die Kritik

Die erste Frage, die sich der Zuschauer stellt ist, ob sich hinter dem großschnäuzigen Kalle eine Anspielung auf Mario Barth versteckt – der Dialekt, die „Witze“ … das käme schon hin. Kicher-würdig wäre es allemal, wobei Eisbär Kalle eindeutig hübscher ist. 

Aber wie wirkt so ein Film, in dem Handpuppen in eine reelle Umgebung gesetzt werden? Gut. Die Figuren werden definitiv nicht plump platziert und gespielt, sondern sehr gekonnt. Es fällt kaum auf, dass es sich um Handpuppen handelt und so fügt sich die realistische Szene mit den Stoffcharakteren zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Schräg, aber witzig!

Heimlicher Star ist und bleibt der nuschelnde Maulwurf mit seinem krassen Gegensatz, dem sich ach so akzentuiert artikulierendem Frosch Falkenhorst. Ein wenig fehlen einem aber die Unterhaltungen der beiden miteinander, aber auch so kommen Maulwurf’n Liebhaber auf ihre Kosten. Bis zu einem gewissen Punkt am Ende, der einigermaßen negativ überrascht hat und so gar nicht zum Lachen bringt.

Insgesamt eine süß gemachte Unterhaltung, die nicht nur die Kleinen zum Lachen bringt – die Großen lachen mit und erleben mit dem Kasperle einen kleinen Flashback in die eigene Kindheit. Jaaa, wir sind alle da! 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Geld her oder Autsch‘n

Seit dem 21. Februar auf BluRay und DVD im Handel
Regie: René Marik
Darsteller: Christoph-Maria Herbst, Dorka Gryllus

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