Endzeitstimmung in Los Angeles

Eine zerstörte Stadt, ein drohendes Unheil, zwei rivalisierende Gruppen, die die Apokalypse voraussagen und ein Mädchen, das schon mehrfach vom Blitz getroffen wurde. Jennifer Bosworth’ „Die Auserwählte“ ist ein Endzeit-Fantasyroman über die junge Mia Price, die gegen den nahenden Weltuntergang ankämpfen muss.

Los Angeles wurde von einem Erdbeben zerstört. Die Stadt liegt in Trümmern, die Versorgung der Menschen läuft nur schleppend. Die Panik der Menschen wird weiter geschürt, als ein selbsternannter Prophet ein weiteres Unwetter und den damit verbundenen Weltuntergang ankündigt. Dessen Gruppe weißer Jünger sowie die rivalisierende Gruppe der Suchenden buhlen um Mia Prices Aufmerksamkeit, denn sie, die von Gewittern magisch angezogen wird, gilt als Schlüsselfigur der bevorstehenden Katastrophe. Für welche Seite wird Mia sich entscheiden?

Geheimnisvoll und mystisch

Der Klappentext klingt nach einer sehr spannenden Geschichte und das Buch beginnt auch  vielversprechend. Der Leser lernt die Hauptperson Mia kennen, die versucht ihre Familie – ihre Mutter ist nach ihrer Verschüttung im Erdbeeben schwer traumatisiert – zu versorgen. Die schwierigen Lebensumstände erzeugen eine bedrückende, dunkle Atmosphäre, die dem Buch etwas geheimnisvolles, mystisches verleiht. Die Ich-Perspektive gibt dabei Einblicke in Mias Gefühlswelt und zeigt die zerstörte Welt in ihrer subjektiven Wahrnehmung.

Die Geschichte ist durchaus interessant und enthält sowohl emotionale als auch actionreiche und dramatische Momente. Eine durchgehende Spannung kann allerdings nicht erzeugt werden und gerade am Ende wird das Potenzial der Idee nicht ausgeschöpft.

Blasse Charaktere – mit einem Lichtblick

Im Grunde dreht sich das Buch, das als dreitägiger Countdown bis zum Unwetter angelegt ist, nur um das Bemühen der rivalisierenden Seiten, Mia von ihrer Position zu überzeugen. Ihrerseits reagiert diese aber auf alles und jeden sehr abweisend und lässt keinen wirklich zu Wort kommen, um dessen Motive zu erfahren, sodass auch dem Leser die Absichten der beiden Gruppen teils verschlossen bleiben.

Als dritte Partei kommt ein Junge, Jeremy, dazu, der sie vor allen Seiten beschützen will. Und obwohl sie von seiner „negativen Vergangenheit“ (so sei es mal beschrieben, um Spoiler zu vermeiden) weiß, vertraut sie ihm nahezu blind – was für mich als Leser aufgrund der Vorgeschichte unverständlich ist. Dabei ist Jeremy fast noch der spannendste Charakter, da seine Absichten lange völlig im dunklen bleiben und es auf ihn bezogen einige Überraschungen gibt. Insgesamt bleiben die Charaktere aber eher blass, was natürlich auch an der subjektiven Erzählperspektive und Mias Verschlossenheit sowie ihrer selbstgewählten Isolation von ihren Mitmenschen liegt.

Schade ist auch, dass man kaum etwas über Mias Welt und die Zeit erfährt, in der sie lebt. Kleine Details, wie zum Beispiel, dass die Tower Bridge von einem Reichen als Sehenswürdigkeit in die Staaten verlegt wurde, geben nur einen winzigen Einblick.

Bildhafte Sprache

Der Erzählstil ist sehr angenehm. Die Sprache ist flüssig und den jugendlichen Charakteren angepasst. Die Beschreibungen sind überwiegend bildhaft, sodass man sich die zerstörte Stadt und das schwierige Leben dort gut vorstellen kann. Positiv dabei zu erwähnen sind auch die Einblicke, die man in das Leben nach der Katastrophe erhält. Trotz Mias eingeschränkter Sicht erfährt man doch einiges über das Schicksal verschiedener Schichten und wie der Prophet versucht, ihren Kummer zu nutzen, um sie mit falschen Verpsrechungen auf seine Seite zu ziehen.

Fazit

„Die Auserwählte“ um die 17-jährige Mia Price ist ein Jugendfantasyroman, der sein Potential leider nicht ausschöpft. Nach einem spannenden Einstieg wird das Zerren um Mias Gunst, die sich prinzipiell gegen alles wehrt, etwas langatmig, bis sich dann im Finale die Ereignisse geradezu überschlagen. Ein übertrieben kitschiges Happy End, das nicht zur Restgeschichte mit seiner eher düsteren Atmosphäre passt, lässt den Leser mit einem unbefriedigten Gefühl zurück.

Anja Zenker (academicworld-Userin)

Jennifer Bosworth. Die Auserwählte
Goldmann Verlag. 12,99 Euro

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