Elsemarie Maletzke: Eine Liebe in Florenz

Für die Liebe ist es niemals zu spät. Die wahre Geschichte der Dichter Elizabeth Barrett und Robert Brwoning wunderbar erzählt von Elsemarie Maletzke

„Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.“

Befreiung durch die Liebe

Als die Dichter Elizabeth Barrett und Robert Brwoning einander begegnen, ist sie schon fast 40 Jahre alt und lebt ein zurückgezogenes Leben, umgeben von ihren Geschwistern und streng bewacht von ihrem despotischen Vater. Krankheiten und Schicksalsschläge haben im Laufe der Jahre eine Einsiedlerin aus ihr gemacht, die Gesellschaften meidet und Besucher abweisen lässt. Doch der sechs Jahre jüngere Brwoning gibt sein Ziel, der bewunderten Schriftstellerin gegenüber stehen zu dürfen, nicht auf. Er überwindet nicht nur die räumliche Barriere, er dringt auch bis zu ihrem Verstand, ihrem Herzen und ihrer Seele vor. Durch ihn fasst sie den Mut, sich aus ihrem selbst errichteten Gefängnis zu befreien und gemeinsam fliehen sie nach Italien.

 

Verwebung vermeintlicher Gegensätze

Die wahre Liebesgeschichte des Dichterpaars Barrett und Brwoning ist ihren fiktiven Schwestern in Stärke und Tiefe jeder Zeit ebenbürtig. Und sie ist durch hunderte von Briefen überliefert, die Elsemarie Maletzke in „Eine Liebe in Florenz“ in einer Art Kollage zusammen setzt und durch eigene Wörter und Passagen verbindet. Dabei geht die Autorin recht eigenwillig vor, wechselt die Zeiten, passt ihre Sprache mal dem Stil der Briefe des 19. Jahrhunderts an, um im nächsten Moment zu auffallend zeitgenössischen Formulierungen zu greifen. Aber was theoretisch befremdlich anmuten mag, funktioniert in der Praxis. Die Verwebung des vermeintlich Gegensätzlichen verdichtet sich zu einer Reihe von Szenen, die historisch korrekt und gleichzeitig lebendig und zeitnah einen tiefen Eindruck hinterlassen.


Grenzgänger zwischen Roman und Sachbuch

All dies macht das Buch zu einem Grenzgänger zwischen Roman und Sachbuch, ist lehrreich und unterhaltsam zugleich. Die Geschichte beschränkt sich auch nicht auf die gemeinsame Zeit des Paares, sondern erzählt beider Leben von der Geburt bis zum Tod, allerdings mit Schwerpunkt auf Elizabeth.

Die wissenschaftliche Seite wird durch Quellenangaben, an die man sich genauso schnell gewöhnt, wie an die eckigen Klammern, die Auslassungen in den Briefen kennzeichnen, sowie eine ausführliche Bibliographie gestützt. Einige Fotos mehr wären schön gewesen und hätten den Rahmen sicher nicht gesprengt.

Fazit:
„Eine Liebe in Florenz“ ist ein Buch, das neugierig macht auf Mehr. Es ist eine kleine Biografie, ein Stück italienischer Historie, aber vor allem ist es die Geschichte einer Liebe, die ihresgleichen sucht.

 

195 Seiten
Insel Verlag; (20. Februar 2011)

7,50 Euro

 

 

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