Einsam, zweisam, dreisam …

Mit „Drei“ hat Regisseur Tom Tykwer den Versuch gewagt, eine ganz eigene Liebeskonzeption zu etablieren. Was dabei herausgekommen ist? Ein mehrfach preisgekröntes erotisches Drama mit einem ganzen Schwung von Denkanstößen. Jetzt auch auf DVD und Blu-ray.

Einsam, zweisam, dreisam ...
Eigentlich schon zu spät: die Hochzeit. © X-Verleih

Hanna und Simon

Schon seit zwanzig Jahren sind Hanna (Sophie Rois) und Simon (Sebastian Schipper) ein Paar. Die beiden starken Charaktere aus dem Dunstkreis von Kunst und Kultur – sie ist Moderatorin einer Kunstsendung, er verwirklicht künstlerische Entwürfe baulich – haben zwar nie geheiratet, doch der Weg zum „alten Ehepaar“ blieb ihnen nach vielen Krisen nicht ganz erspart.

Obwohl sie sich ganz offensichtlich gerne haben, ist die Leidenschaft auf der Strecke geblieben. Als der Tod ins Leben hereinbricht. Nicht nur dass Simons Mutter an plötzlich und unerwartet an Krebs erkrankt und stirbt – auch er selbst sieht sich mit dieser fatalen Diagnose konfrontiert. Diese beiden Ereignisse wirken als Katalysator für das Geschehen und zeigen ganz deutlich: So wie bisher kann es nicht bleiben.

Einsam, zweisam, dreisam ...
Treffpunkt Schwimmbad © X-Verleih

Und dann kam Adam

Schon die „Drei“ hat ja als magisch-mystisch-religiöse Zahl einen deutlichen Anklang in Richtung Christentum – und damit wohl überkommener Moral-, Geschlechter- und Beziehungsbilder. Dass dann der Dritte im Bunde Adam heißt, gleich dem ersten Menschen, kann kaum Zufall sein. Wie sein Namensvetter wägt dieser Adam sich anfangs im Paradies, als er gleich zwei Menschen kennenlernt, in die er sich spontan verliebt. Lange hatte er auf wirkliche Liebe gewartet – sich dabei auf kein einzelnes Geschlecht beschränkt.

Zunächst Hanna, dann Simon, kreuzen Adams Weg und anschließend sein Bett. Obwohl er bei beiden weiß, dass sie nicht ungebunden sind, ist ihm nicht klar, dass sie zusammenleben. Die Konfrontation scheint unausweichlich. Doch vorher macht eine Nachricht das Ganze noch viel komplizierter.

Kunst als (Selbst-)Zweck?

Ein wenig gar verkünstelt und verspielt wirkt der Film an einigen Stellen. Trotzdem bleibt die erzählerische Kraft beeindruckend. Still und stilvoll, aber doch auch wuchtig und kraftvoll kommt sie daher, die Geschichte von Dreien, die sich lieben. An expliziten Szenen wird nicht gespart, die Darsteller nicht geschont, der akademische Anspruch durchgängig aufrechterhalten. Eine regelrechte Beziehungsutopie bastelt der Regisseur sich da am Ende zusammen. Sehenswert – nicht nur der Preise wegen.

 

Drehbuch & Regie: Tom Tykwer

Darsteller: Sophie Rois, Sebastian Schipper, Devid Striesow, Annedore Kleist,  Angela Winkler, Alexander Hörbe, Winnie Böwe, Hans-Uwe Bauer

 

 

 

 

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