Einsam, zweisam, dreisam

Oliver Stone weiß einfach, wie gutes Kino gemacht wird. Egal, ob er dabei politische Botschaften vermittelt oder historische Führungsfiguren porträtiert. Es gelingt ihm immer eine perfekte Mischung zu finden, aus der ein stimmiges Gesamtkunstwerk entsteht. Sein neuester Coup – der Drogen-Thriller Savages – ist ab dem 14. Februar auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Rezension Savages
Diese drei kann keiner trennen, auch kein Drogenkartell; © 2003 – 2013 Universal Pictures Germany. Alle Rechte vorbehalten.

Laguna Beach, ein idyllisches Nest im kalifornischen Süden, wird zum Schauplatz erbitterter Revierstreitigkeiten zwischen verfeindeten Drogenclans aus Mexico. Denn um neue Gebiete für sich zu erschließen, zieht es sie über die amerikanische Grenze. Hier versorgen die Freunde Ben und Chon ihre Kunden mit dem besten Marihuana aller Zeiten. Dank einer Eigenkreation von Ben, der neben einem Abschluss in Betriebswirtschaft an einer Elite-Uni auch über einen Abschluss in Botanik verfügt, bieten die beiden einen Reinheitsgrad an, der in dieser Branche Seltenheitswert hat.

Man schlägt kein Angebot des Baja-Kartells aus

Schnell wird das mexikanische Baja-Kartell auf die beiden und ihr erfolgreiches Geschäft aufmerksam. Um von dem Wissen und dem Netzwerk der beiden zu profitieren, bieten Vertreter des Kartells den beiden einen Deal an. Doch Ben und Chon wollen sich nicht abhängig machen und lehnen ab. Das bleibt nicht ohne Folgen. Das Kartell, das von Elena Sánchez (Salma Hayek) mit eiserner Hand geführt wird, schlägt in Gestalt des Killers Lado (Benicio Del Toro)zurück und entführt Ophelia (Blake Lively), die Freundin von Ben und Chon. Beide lieben das Mädchen abgöttisch und würden alles für sie tun. Die Situation scheint aussichtslos. Doch Elena Sánchez unterschätzt, zu was die Liebe befähigt. Schon bald beginnt ein Kampf, in dem es nur wenige Überlebende geben wird. Und auch am Ende ist nichts, wie es scheint

Don Winslow – legendärer Autor

Echte Fans von Don Winslow haben lange darauf gewartet.  Und das Warten hat sich gelohnt. Nach der Verfilmung „Kill Bobby Z“ wurde nun mit „Savages“ ein zweiter Roman des erfolgreichen Autors verfilmt. Die Buchvorlage „Zeit des Zorns“ bildet den Auftakt einer Reihe, in deren Mittelpunkt die ungewöhnliche Dreiecksbeziehung zwischen den Protagonisten Ben, Chon und Ophelia steht, die in die Mühlen eines generationenübergreifenden Kampfs um die Vorherrschaft in der Drogenszene von Kalifornien geraten.

Neid kommt auf

Stone ist es gelungen aus der Romanvorlage einen Film zu schaffen, der in einem genau die Empfindungen hervorruft, die auch während der Lektüre entstanden sind. Zu gerne wäre man an der Stelle von Ben und Chon und würde dieses Leben, diesen Lifestyle genießen. Möglicherweise muss sich Stone hier den Vorwurf gefallen lassen, dass er die beiden etwas kritiklos beziehungsweise idealisiert darstellt. Allerdings ist dem wohl entgegen zu halten, dass der Zuschauer durchaus in der Lage sein sollte ein eigenes Unrechtsempfinden aufzubauen.  Dazu kommt, dass der Neidfaktor erheblich abebbt, sobald das Baja-Kartell seine ersten blutigen Spuren hinterlässt. Spätestens dann ist man froh, dass man doch nur zuhause vor dem Fernseher sitzt und von einem Leben an der kalifornischen Küste träumt.  

Del Toro und Hayek überzeugen

Savages bietet bis zum Schluss beste Unterhaltung. Aus dem guten Cast stechen Benicio Del Toro und Salma Hayek hervor. John Travolta dagegen bleibt weitgehend blass. Del Toro gibt dem Killer Lado Charakter. Er ist grausam, eiskalt und unterdrückt seine Familie, dennoch hat er mit ganz gewöhnlichen Problemen zu kämpfen und kuscht vor Elena Sánchez. Die wird phänomenal von Hayek dargestellt. Man nimmt ihr die Drogenkönigin, die das Erbe ihres verstorbenen Mannes angenommen hat und mit eiserner Hand regiert, sofort ab. Es ist besonders interessant zu sehen, wie ihre Beziehung zu Ophelia nach und nach wächst. Sie wird immer mehr zum Tochterersatz, da sich diese von ihrer Mutter abgewandt hat.

Gelegentlich fehlt die Tiefe

Vor der traumhaften Kulisse von Kalifornien wirkt der Film sehr authentisch. Besonders wirkungsvoll und verstörend sind als Kontrast dazu die brutalen Verstümmelungen der Gegenspieler des Baja-Kartells. Mittels des Einsatzes von schwarz-weiß-Sequenzen, die in bunte Farbsequenzen übergehen, wird eine eigene Dynamik erzeugt, die den Zuschauer mitreißt. Man bekommt beinahe den Eindruck, dass man an der Seite von Ben und Chon um das Leben von „O“ kämpf. Leider bleiben am Ende des Films einige Fragen offen.

Auch das Angebot von zwei alternativen Enden überzeugt nicht restlos. So bleibt der Eindruck zurück, dass nicht alle Potenziale restlos ausgeschöpft wurden. Speziell die Wandlung der Protagonisten Ben und Chon sowie die Beziehung von Ophelia zu ihrer Mutter kommen leider etwas kurz. Das ist aber wohl auch der Länge des Films geschuldet, der mit 131 Minuten schon relativ lang ist. Dennoch hätte man sich etwas mehr Einblicke in das Gefühlsleben dieser Figuren gewünscht. So bleibt der Eindruck zurück, dass sich einem die Figur des Killers Lado noch am ehesten erschließt.

Fazit:
Schöne Menschen, tolle Körper, Action satt, eine atemberaubende Kulisse und gute Schauspieler – Oliver Stone ist ein exzellenter Drogen-Thriller gelungen, den auch Tarantino-Fans toll finden dürften.

Thomas Hepp (Academicworld)
   
Savages

Darsteller: Taylor Kitsch, Aaron Johnson, Blake Lively, Benicio Del Toro, John Travolta

Regie: Oliver Stone

Im Verleih von Universal Pictures

Ab dem 14.02.2013 im Handel erhältlich.

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