Einmal Hölle und zurück …

… das gehört für Helen fast schon zum normalen Tagesablauf. In „Göttlich verloren“ muss Göttersproß Helen erneut zeigen was in ihr steckt. Jede Nacht wandelt sie, anstatt zu schlafen, in der Unterwelt umher, um eine Lösung bzw. Erlösung für die Nachkommen der griechischen Götter zu finden.

Einmal Hölle und zurück …
Die alten Griechen sind in „Göttlich verloren“ quicklebendig und wahrlich keine Relikte … © Marco Alhelm/ aboutpixel.de

Eine alte Schuld

Während Helen aus Nantucket im ersten Teil „Göttlich verdammt“ durch die Tatsache, dass sie eine leibhaftige Halbgöttin ist, ihr tägliches Leben außer Kontrolle geraten sah, ist es in „Göttlich verloren“ das nächtliche Leben, das der Heldin entgleitet. Um sich und die anderen Götterkinder vor den Furien und deren Fluch zu bewahren steigt sie des Nachts in die Unterwelt, um als Deszenderin (Nachfahrin und – in die Unterwelt – Absteigende) den seit dem Trojanischen Krieg bestehenden Zwist zwischen den vier Häusern Scion, den Nachfahren der damals Beteiligten, z u schlichten. 

Und nebenbei soll sie, die wiedergeborene schöne Helena, sich auch noch von Lucas (Taufname Paris … muss man mehr sagen?!), ihrer großen Liebe, fernhalten. Schließlich ist der ihr Cousin, wie sie weiß, seit ihre lange verschollene Mutter aufgetaucht ist und die Umstände von Helens Geburt beleuchtet hat. Um die Sache spannender zu machen, kommt an dieser Stelle ein derzeit äußerst beliebtes Element der Jugend- und All-Age-Literatur dazu: der andere Kerl. Er heißt Orion (sein Vorfahr Aenaes war ein Sohn der Aphrodite, er weiß also optisch zu punkten) und steht ihr bei den Kämpfen in der Unterwelt bei. Bald ist Helen verwirrter denn je und nicht nur in der Unterwelt lauert Gefahr …

Einmal Hölle und zurück …

Die Götter müssen verrückt sein

Wenngleich sich die Geschichte lange zieht und die Handlung bisweilen eher stereotyp erscheint weiß Josephine Angelini mit ihrem Roman den Leser festzuhalten. Besonders die immer wieder eingestreuten Ausflüge in die griechische Mythologie erheben das Werk aus der Maße. Allerdings dürfte der gänzlich Unkundige sich zwischen all den Namen und Gestalten etwas verloren fühlen. Vor allem beim Hörbuch. Denn die gedruckte Variante weißt als Begleitmaterial Stammbäume & Co. auf. Das macht Tanja Gekes allzeit sympathische Erzählweise aber durchaus wett. Während es vom Buch heißt, dass die beobachtende Erzählperspektive den Leser allzu sehr auf Distanz hält, hat man beim Hörbuch diesen Eindruck selten. Keine große Literatur, aber gute Unterhaltung.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Josephine Angelini. Göttlich verloren (Hörbuch, 6 CDs, gelesen von Tanja Geke)
24,95 Euro. Oetinger Audio

  

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