Einer geht noch?

Viele Tanzfilme haben die gleiche Handlungsstruktur und irgendwann ist scheinbar jede Tanzszene nur noch eine Kopie. Was kann man also von dem fünften Film der bekannten STEP UP-Reihe halten? Academicworld hat ihn sich zu Gemüte geführt.

Die wichtigste Frage vorab liegt vermutlich allen auf der Zunge: Muss es wirklich noch einen fünften Tanzfilm aus der Step Up Reihe geben? Seit dem ersten Film mit Channing Tatum in der männlichen Hauptrolle sind immerhin nunmehr acht Jahre vergangen. 

Damals war der Film vor allem auch dank der Arbeit von Star-Choreografin Anne Fletcher ein Hit. In dem darauffolgenden Kinofilmen ging es grundsätzlich immer um das gleiche Thema: Gute Crew, böse Crew, wichtiger Wettbewerb, der unbedingt gewonnen werden musste. Wäre bei Step Up 5 alles beim Alten geblieben, wäre der Film womöglich Anwärter auf die schlechteste Auszeichnung des Jahres. Zum Glück gab es aber jemanden hinter der Kulisse, der sich vermutlich genau das gedacht hat. Es gibt also keinen Einzelgänger, dessen Eltern gestorben sind und er/sie nun in eine neue Stadt ziehen muss. Bei dem Tanz nicht über die Einsamkeit hinweg tröstet und er/ sie sich nahtlos in einer neuen Crew integrieren kann.

Auch im fünften Step Up ist wieder heiße Dance Action angesagt - mal abseits der Straße. © Constantin Film Verleih
Auch im fünften Step Up ist wieder heiße Dance Action angesagt – mal abseits der Straße. © Constantin Film Verleih

In Step Up All in, dem fünften seiner Art, treffen wir vielmehr auf alte Bekannte, deren einstige Happy Ends aus vorherigen Filmen nun nicht mehr ganz so rosarot schimmern. Beziehungen sind zu Bruch gegangen, Verletzungen mussten durchgestanden werden und auch mit dem Leben nach der Sturm- und Drangzeit des Schullebens kommen nicht alle gut klar.

Das merkt vor allem auch Sean (Ryan Guzman), als seine Crew ihn sitzen lässt. Seine Freundin hat ihn schon vor einer Weile verlassen – sie tourt erfolgreich in einer Dance Company durch die Welt. Er möchte einen letzten Coup planen, um seine Tanzkarriere in Bewegung zu bringen. Schützenhilfe erhält er von niemandem geringeren als Moose (Adam Sevani), der sich durch quasi bisher alle Tanzfilme der Welt getanzt hat. Mit ihm schafft Sean es tatsächlich, eine neue Crew mit dem geneigten Zuschauer bekannten Persönlichkeiten zu füllen. Doch es braucht mehr als nur Mitglieder, um ein echtes Team zu werden. Für Sean und „seine Crew“ führt es geradezu in die absolute Katastrophe – so leicht ihnen das Tanzen fällt, so schwer lebt es sich in der Realität.

Drei bekannte Gesichter, drei unterschiedliche Charaktere. Ob das gut geht? © Constantin Film Verleih

Darüber reflektieren die Charaktere in ganzen Dialogen (!) – auch das ist eine erfreuliche Weiter- entwicklung. Nicht zuletzt ist es fast eine Kritik an den vorherigen Filmen, wenn der männliche Hauptdarsteller lernen muss, wie ätzend sein Erfolgswunsch / -denken wirklich ist. Für sein Team und für sich selbst auch, denn er beraubt sich selbst des größten Geschenks – dem Spaß am Tanz. Genau das steht auch bei den Tanzszenen im Vordergrund, die so zahlreich sind, dass es mit der großen Moral von der Geschicht‘ nicht übertrieben wird. Liegt nicht in der Natur des Filmgenres, von daher lagen die Produzenten hier erst gar nicht in der Pflicht.

... auch eine bewährte Crew braucht frische Mitglieder. Selbst, wenn man sie dort findet, wo man sie zunächst so gar nicht vermutet. © Constantin Film Verleih
… auch eine bewährte Crew braucht frische Mitglieder. Selbst, wenn man sie dort findet, wo man sie zunächst so gar nicht vermutet. © Constantin Film Verleih

Fazit: Es gibt also die eigentliche Handlung, die die Richtung des Films vorgibt. Sie gerät jedoch allmählich in den Hintergrund und macht Raum für grandiose Tanzszenen und einige Dialoge, die nicht rein aus Plattitüden bestehen. Dabei geht die Story an sich aber nicht vollkommen unter und es entsteht eine angenehme Balance. Die Welt mag zwar nicht auf STEP UP: ALL IN gewartet haben, aber wo er schon mal da ist, kann man sich davon durchaus gut unterhalten lassen. (Und sich bitte nicht von diesem nichtssagenden, völlig über-überarbeiteten Poster abschrecken.)

Bettina Riedel (academicworld.net)

STEP UP: All in

Darsteller: Ryan Guzman, Adam G. Sevani, Briana Evigan, Mari Koda, Martin und Facundo Lombard
Regie: Trish Sie

Constantin Film Verleih

Ab dem 7. August im Kino

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