Eine Welt von vielen

Er ist ein Schneider, der auf die 65 zugeht. Ein Missgeschick in einem Chemielabor macht seinem Vorruhestand einen gewaltigen Strich durch die Rechnung: Plötzlich findet er sich in einer vollkommen neuen Welt wieder.

„Neu“ muss es wohl eher heißen. Die Menschen sehen etwas anders aus, sprechen eine andere Sprache und die Welt selbst scheint gehörig aus den Fugen geraten zu sein. Da führt ein Wissenschaftler ein ebenso fremdartig anmutendes Experiment mit ihm durch – daraufhin kann er sich mit der Zeit assimilieren. Was ist passiert?

Er ist über fünfzigtausend Jahre in die Zukunft gesprungen. Die Welt ist radioaktiv verseucht, trotzdem kommen die Erdenmenschen damit klar. Mittlerweile wurden unzählige weitere Galaxien entdeckt, die mit menschenähnlichen Wesen bevölkert sind – die Galaktische Ära ist angebrochen. Die Erde ist das ungeliebte Stiefkind – politisch, sozial und wirtschaftlich komplett außen vor. Was könnte da helfen? Richtig, Revolte Numero vier.

Die Kritik

Der schiere Wahnsinn. Zum einen sollte angemerkt sein, dass das Buch 1949 verfasst wurde. Damit könnte man es gut und gerne als Großväterchen der heutzutage vorherrschenden Dystopie-Reihen bezeichnen.

Natürlich sollte man sich vor Augen halten, welchen Hintergrund der Autor gerade erlebt hatte: Die Atombomben haben gerade einen Weltkrieg beendet, Millionen von Menschen fanden einen grauenvollen Tod. Die politischen Beziehungen müssen erst vorsichtig aufgebaut werden. In der Mitte ein bis auf die Knochen zerstörtes Deutschland. Einige Parallelen dazu findet man also auch im Buch wieder. Trotzdem beschreibt er die Zukunft. Die, wie wir nun wissen, etwas anders laufen würde – eine derart starke Radioaktivität würde wohl zu mehr führen als nur Haarausfall.

Die Wortwahl von Asimov ist kräftig. Er spricht nicht von Politikern, sondern „dem höchsten Minister und seiner Clique“. Sie zeigen die Gesellschaft so, wie er sie empfindet: Als ein Haufen Jugendlicher, die darum kämpften, die Cooleren zu sein. Die um Anerkennung streben und dabei das Leben vieler anderer gerne mal in Schutt und Asche legen.

Es ist ein bisschen irritierend, wie Asimov die Zukunft zeichnet und damit aus unserer Perspektive Recht behalten hat. Das, was bisher noch nicht eingetreten ist, malt eine düstere Zeit. Hoffen wir, dass es eine literarische Vision bleibt. Andererseits: Wir selbst werden es unter Garantie nicht erleben 😉 Sehr interessantes Buch, wirklich gut geschrieben und spannend bis zum Schluss. Dabei immer hochwertig, anregend für Gedankenwanderungen und trotzdem sehr verständlich und nicht ‚abgespact‘.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Isaac Asimov. Ein Sandkorn am Himmel.
8,99 Euro. Heyne Verlag.

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