Eine Welt in Flammen

Das Mädchen, das in Flammen steht, hat in Panem eine Rebellion entfacht – wenn auch nicht ganz freiwillig. Das kann sich Präsident Snow natürlich nicht gefallen lassen. Was er dagegen unternimmt, zeigt der zweite Teil der Reihe „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ ab dem 21. November im Kino.

Eine Welt in Flammen
Katniss muss erneut ihrem schlimmsten Albtraum ins Auge sehen. © Studiocanal

Das Poster-Girl der Revolution

Wider alle Wahrscheinlichkeit hatten Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) die Hungerspiele überlebt. Nun könnten sie sich in ihrem neuen Leben als große Helden eigentlich gemütlich einrichten. Leider ist es aber so, dass es – wie Haymitch (Woody Harrelson), ihr Mentor es ausdrückt – bei den Spielen zwar Überlebende gibt, aber niemals Sieger. So schreckt Katniss fast jede Nacht schreiend aus schrecklichen Alpträumen auf und Peeta geht nicht besser. Er muss auch noch damit fertigwerden, dass die große Liebe – zumindest bei Katniss – leider nur Show für die Kameras war. Genau die sind aber bereits wieder im Anmarsch – steht doch die große Tour der Sieger durch alle Distrikte an.

Präsident Snow (Donald Sutherland) gibt dafür eine klare Marschroute vor: Wenn Katniss ihn nicht von der großen Liebesgeschichte überzeugen kann, sieht es schlecht um alle aus, die ihr wichtig sind. Leider macht die Rundreise alles nur noch schlimmer. Die Menschen in den Distrikten, haben Katniss‘ kleinen Trick mit den giftigen Beeren als rebellischen Akt aufgefasst und befinden sich zunehmend in Aufruhr. Auf einigen Stationen kommt es zu offenen Protesten. Da kann auch die anvisierte Hochzeit der vermeintlichen Turteltäubchen nicht mehr viel retten. 

Eine Welt in Flammen
Zwei Kerle – zwei Leben. © Studiocanal

Neben knallhartem Durchgreifen fällt Snow nur noch ein Ausweg ein: Katniss muss sterben. Am besten öffentlich und in Schande. Kurzerhand werden alle bisherigen Regeln außer Kraft gesetzt. Zur 75. Auflage der Hungerspiele werden die Kandidaten aus den bisherigen Siegern ausgewählt. Da Katniss die einzige Frau ist, die jemals für Distrikt 12 gewonnen hat, bleibt ihr keine andere Wahl, als sich den Schrecken der Arena erneut zu stellen. Und diesmal geht es für Peeta und sie gegen erwiesenermaßen tödliche Gegner, die zudem noch echt miese Laune haben, weil ihr sicheres Leben Geschichte ist …

Auf in die 2. Runde

Nicht nur für Katniss, auch für den Zuschauer handelt es sich bei „Catching Fire“ ja um die zweite Runde – Vergleiche sind also angebracht. Der deutlich zweigeteilte Film räumt diesmal – übrigens der Buchvorlage durchaus entsprechend – den eigentlichen Spielen weniger Platz ein. Das tut der Dramaturgie aber keinen Abbruch. Wenn hier die Folgen aus dem ersten Teil mehr als deutlich werden – die Sieger werden als Besiegte, als geschlagene und gepeinigte Kriegsheimkehrer präsentiert – tut das vor allem der erzählerischen Tiefe gut.

Bereits Bekanntes wurde angemessen gekürzt, um den Rahmen nicht komplett zu sprengen. Schließlich sind auch so noch 147 Minuten zusammen gekommen. Trotzdem gelingt es dem Film, der literarischen Vorlage treu zu bleiben und auch gerecht zu werden. Da zahlt es sich wohl aus, dass Autorin Suzanne Collins auch am Drehbuch stark beteiligt war. Die suggerierte Nähe aus dem Vorgänger – immer dicht dran mit der wackeligen Handkamera – wurde abgelöst durch stark ästhetisierte Panorama-Aufnahmen (vor allem von Katniss in Action). 

Eine Welt in Flammen

Die Qualität des hervorragenden Ensembles dürfte ohnehin längst außer Frage stehen. Neben der in jeder Szene überzeugenden Lawrence übertreffen sich besonders Stanley Tucci, als überkandidelter Moderator und Elizabeth Banks, als schrille Betreuerin von Distrikt 12, noch einmal selbst in ihren Persiflagen auf die geistlose Superstar-Kultur unserer Tage. Noch stärker als im ersten Teil wird auch der krasse Gegensatz zwischen der dekadenten, quasi mit Brot und Spielen ruhig gestellten Welt des Kapitols und den hungernden und geknechteten Bewohnern der Distrikte herausgestellt. Eine kleine Reminiszenz an die Königshöfe des Absolutismus dürften sowohl die offen gereichten Abführmittel als auch die übertriebenen Kostümierungen sein. Auch damals war die Revolution des Volkes ja nur mehr eine Frage der Zeit. Gerade das Regenwald-Ambiente der Kampfarena ruft aber auch Erinnerungen an modernes TV-Grauen wie das Dschungelcamp hervor. Schließlich handelt es dich bei den Hungerspielen in der Welt von Panem letztlich um nichts anderes, als eine auf die Spitze getriebene Show à la Big Brother.

Gisela Stummer & Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Tribute von Panem – Catching Fire (The Hunger Games – Catching Fire)

Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Donald Sutherland, Stanley Tucci, Philip Seymour Hoffman, Lenny Kravitz

Ab 21. November im Verleih von Studiocanal in den deutschen Kinos

Website: www.tributevonpanem.de/ 

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