Eine Welt für Sterne

Die Insel Nantucket im Jahre 1845. Auf ihr lebt Hannah, unverheiratet, Quäkerin und Astronomin. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, bis Isaac Martin und ein Komet ihren Weg kreuzen.

Hannah ist eine Quäkerin, die mit ihrer religiösen Gemeinschaft auf der Insel Nantucket wohnt. Die Wirtschaft dort wird hauptsächlich durch den Walfang befeuert, doch obschon dort aufgewachsen und noch dazu eine Frau, hat sich Hannah der Astronomie verschrieben. Ihre Hilfsmittel sind spärlich, ihre Kenntnisse hauptsächlich autodidaktischer Natur. Trotzdem will sie eine der ersten Frauen sein, die einen noch unbekannten Kometen am Himmelszelt entdeckt.

Eines Tages klopft Isaac Martin an ihrer Tür, um ihrem Vater einen Chronometer zur Reparatur zu überbringen. Doch anstatt danach zu gehen, wird er ihr Schüler. Hannah bringt dem dunkelhäutigen Isaac alles bei, was ihr über die Navigation mithilfe der Astronomie bekannt ist. Doch ist sie nicht nur Lehrerin – der Umgang mit Isaac, die gesellschaftlichen Konflikte, die ihr daraufhin begegnen als auch eigene Erkenntnisse über die damalige Welt führen sie bald zu einer Entscheidung und einer Entdeckung, die ihr Leben für immer verändern werden.

Die Kritik

Was sich entspannt, ist mitnichten eine rosarote Romanze und ein Happy End ist auch nicht in Sicht – wohl aber eines, das das Bild einer starken Frau zeichnet, die sich in der damaligen Welt behauptet. Anstatt klischeehaft die aufkeimende Liebe einer streng religiös erzogenen Frau aus dem vorletzten Jahrhundert zu einem dunkelhäutigen Mann zu dramatisieren, geht es um die Frau und ihr wissenschaftliches Streben an sich. Geradezu erholsam weit abseits der üblichen Mainstream-Wünsche nach einem glücklichen Ende.

Die Heldin ist alles andere als ein perfekter Charakter. Auch sie hat Fehler und das gibt dem Roman ein ganz eigenes Authentizitätsgefühl. Es ist auch nicht zu verachten, wenn man beim lesen eines Romans noch etwas wissenschaftliches Wissen ansammelt, und das so ganz nebenbei verpackt in eine Story, die sich flüssig liest.

Insgesamt mal ein historischer Roman über eine starke Frau, die sich zur Abwechslung mal nicht die Haare abschneiden muss und als Mann verkleidet durch Welt reist. Hannah lässt ihre Haare so, wie sie sind, trägt weiterhin ihre Kleider und Röcke und zeigt dem Autorenpaar Iny Lorentz, was ein wirklich guter historischer Frauenroman ist.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Amy Brill. Die Frau, die Sterne fing.
Kindler Verlag. 22,95 Euro.

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