Eine Nonne ist eine Nonne ist eine …

Joanna ist eine Nonne, die eigentlich keine mehr ist: Im England von Henry VIII werden reihenweise Klöster aufgelöst und der Zerstörung anheim gegeben. Mit ihren Brüdern und Schwestern vertrieben, versuchen sie nun, ihre Existenz geordnet zu bekommen. Was funktionieren würde, wären da nicht diese geheimnisvollen Prophezeiungen über Joanna …

England, 1538. Das Kreuz und die Krone befinden sich in einem scheinbar unlösbaren Streit. Klöster werden aufgelöst, ganze Glaubensgruppen auf die Straße gesetzt. Ihrer Heimat beraubt, versucht Joanna mit ihren Glaubensbrüdern und –schwestern sich ein Leben außerhalb des Klosters aufzubauen. Doch dann kreuzen Menschen ihren Weg, die um die geheimnisvollen Prophezeiungen über Joanna selbst wissen. Deren sind es drei, die, sobald die Nonne sie vernommen hat, den Lauf der Dinge rund um Kreuz und Krone endlich entscheidend ins Rollen bringen sollen. Bisher hat sich Joanna ihrem Schicksal verweigert, doch kann sie wirklich für immer wegsehen?

Offensichtlichkeit, die.

Natürlich nicht. Von daher weiß der Leser mehr oder minder gleich, wie die erste Hälfte des Buches in etwa abläuft. Die Handlung verläuft unspektakulär bis hin zu unlogisch. Zum Beispiel stehen die bösen Häscher des Königs vor der Tür und werfen die Familie Joannas in den verhassten Turm, was einem Todesurteil gleich kommt. Sie, die ihrer Familie von Außen helfen könnte, stellt sich den Häschern in den Weg und ist überzeugt, dass sie so die Verhaftung aller vermeiden kann. Dass die Joanna stattdessen einfach mitnehmen, ist dann die ganz große Überraschung.  

Inkonsistenz, die.

Was dagegen wirklich überrascht, sind die Inkonsistenzen in Namensgebung und Titeln. Diese mögen nur Details sein, stechen dafür umso mehr ins Auge. Wenn beispielsweise eine spanische Hofdame in englischen Adel einheiratet und das Kind auf „Gertrude“ getauft wird. Oder der französische Adelstitel Marquise für eine weitere spanische Hofdame genutzt wird, wo der englische Titel eigentlich margrave oder margravine (zu Deutsch: Markgraf) lautet… Oder von Lady Maria gesprochen wird, obwohl es nun mal Lady Mary wäre oder die Prinzessin Maria.

Menschlich ist Joanna, so sehr sie  Nonne ist, auch nicht: Da gibt es diesen Glaubensbruder und auch außenstehende Männer scheuen sich nicht, ihr ihre Schönheit zu bestätigen. Das verwirrt die Gute und versetzt sie in einen religiös-gerechtes Entsetzen obschon dieser wiederkehrenden Bekundungen. Als wäre die Reaktion der Männer etwas vollkommen absurdes. Insgesamt versucht die Autorin etwas zu angestrengt, Joanna als übertrieben rechtschaffene Gläubige darzustellen. Das macht den Charakter etwas unverständlich und demonstrativ naiv. Dazu konnte ich persönlich einfach keine Bindung aufbauen, sodass das Buch eher uninteressant wirkte.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Nancy Bilyeau. Die Prophezeiung der Nonne.
14,90 Euro. dtv Premium.

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