Eine Frau im Wandel

Elsa Fa‘alua, Kind einer tropischen Inselwelt. Träumt wegen ihren deutschen Wurzeln vom Leben in einer neuen Heimat. Henning, Sohn eines Reeders, könnte der richtige Kandidat sein. Schnell ist klar: Ist er nicht. Doch was tun mit diesem Leben?

Elsa ist eine reichlich naive junge Frau aus Samoa. Ihre halbdeutsche Herkunft gereicht ihr im Jahr 1932 auf der Südseeinsel Port Rabaul im gesellschaftlichen Leben nur zu Nachteilen, die auch ihre königliche Hälfte nicht ausgleichen kann. Ungewollt, ungeliebt und ohne Eltern wuchs sie im königlichen Palast heran. Als sie Henning kennenlernt,  Sohn eines deutschen Reeders, glaubt sie ihre Zeit gekommen. Das junge Liebespaar heiratet schnell und Elsa glaubt fest daran, dass sie bald nach Deutschland umsiedeln werden. Doch die Ehe kriselt von Anfang an und trotz überbordender Naivität kann sich Elsa der Wahrheit nicht mehr verschließen, als Henning sie eines Morgens plötzlich verlässt. 

Allein im Tropenregen

Auf sich allein gestellt und von ihrer königlichen Familie verlassen, weiß sie sich nicht anders zu helfen und gibt dem Werben von Titus Warwick nach. Der Engländer ist unfassbar reich und lebt bereits mit den beiden Frauen Paulette und Iolana zusammen. Derer beider wird er bald überflüssig, doch Elsa will er heiraten. Das leider nicht aus Liebesgründen. Da die drei Frauen in der Zwischenzeit untrennbar befreundet sind, wundert es keinen, als Titus nach der Eheschließung plötzlich stirbt und Elsa sein Erbe antritt. Doch Titus bleibt nicht der letzte Mann im Leben von Elsa und schon längst nicht der einzige, der einen unnatürlichen Tod finden wird. Über die Jahre entwickelt sich Elsa von der schüchternen und naiven Prinzessin zu einer erwachsenen, klardenkenden und teils zynischen Frau. Doch wird sie am Ende ihr Glück finden?

Die Kritik

So wie die Person unterliegt auch das Buch einem stetigen Wandel. Zu Beginn erinnert die Erzählung an eine gewisse Sendung, in dem ein Kreuzfahrtschiff quer durch die tropischen Bereiche segelt: Hier ist die Welt in Ordnung, Wehwehchen werden weggepustet und auch die Bösewichte sind eigentlich total kuschelig. Doch zunehmend wird das Leben härter und auch wenn die Hauptperson unfassbar verblendet weiter agiert, schummelt sich doch langsam etwas Klarheit in die Gedanken von Elsa. Man weiß nicht so recht, was man von ihr halten soll. Einerseits die kindliche Naivität, andererseits die bewusste Entscheidung zu einer Art Prostitution und schließlich auch Mord. Man identifiziert sich keinesfalls mit ihr, aber man ‚gewöhnt‘ sich an sie.

Gelegentliche Oberflächlichkeit

Nicht so gut gelungen finde ich Elsas Zeit in Nazideutschland. Das ist deutlich zu harmlos dargestellt und könnte dem Buch noch mehr Tiefe geben. Stattdessen ist es eine fast belanglose Episode. Abzug gibt es außerdem für das Ende. Zu glatt, zu positiv, zu gut. Ein bisschen wie der Anfang des Buchs, als alles erschien wie aus einem Inseltraum.

Für die Sommerferien ein geeignetes Buch. Dadurch, dass es in die „Lebenskapitel“ von der Hauptperson eingeteilt wurde, lässt es sich aus der Hand legen und wieder aufnehmen, ohne dass man groß den Faden verliert. Nicht gerade einer der fesselndsten Romane dieser Welt und keine literarische Perle, aber ein bisschen wie das Urlaubsfeeling, das man zwischen anderen Werken und dem Alltag immer wieder einmal gut gebrauchen kann.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Sarah Benedict. Das Haus der blauen Schmetterlinge.
Blanvalet. 9,99 Euro.

Share.