Eine etwas andere Rebellion

Jack Reacher ist immer noch unterwegs. Gerade hat er die Mitte der USA erreicht. Eigentlich auf dem Weg nach Virginia, wird er gleich an seinem ersten Abend in eine dubiose Geschichte verwickelt, die sich Stück für Stück folgenschwer und tödlich entfaltet.

Nebraska, der Staat der endlosen Maisfelder. Einst verschwand hier ein kleines Mädchen spurlos, der Fall wurde nie geklärt. Die Verdächtigen des vermeintlichen Verbrechens sind Duncans, eine Familie vor Ort. In all den Jahren ist sie seither zur heimlichen Macht des Countys aufgestiegen. Alles in Butter für die Duncans, bis so richtig schwere Gewitterwolken heraufziehen: Jack Reacher ist gerade per Anhalter angekommen.

Wirbelsturm per Anhalter

Eigentlich ist er nur auf der Durchreise. Er, der Mann ohne Gepäck, nur mit etwas Bargeld und einer zusammenklappbaren Zahnbürste in der Hosentasche. In der Bar des Motels, in dem er übernachten wird, betrinkt sich gerade der einzige Arzt des Orts. Gerade jetzt geht ein Notruf ein und Reacher bekommt gerade noch mit, dass der Arzt das Opfer nicht behandeln will. Jack, der ehemalige Militärpolizist, nimmt sich der Sache an – und kreiert damit einen Wirbelsturm, der den kompletten Ort aus den Angeln heben wird. Denn das Opfer ist niemand anderes als Eleanor Duncan, deren Ehemann Seth es dem Doktor verboten hat, sie nach seiner Misshandlung zu behandeln.

Zu viele Köche …

Reachers Anwesenheit und seine Aufmerksamkeit gegenüber seiner Umwelt setzen die Duncans allmählich unter Druck. Unfähig, ihn und seine Absichten einzuschätzen, sehen sie ihr kriminelles Geschäft in Gefahr. Ihre Kunden werden ebenfalls nervöser und so kommt es, dass einige nervöse Finger am Abzug mehr rund um die Familie Duncan erscheinen. Doch was ist deren 

Die Kritik

Jack Reachers Fälle sind immer einfach, aber fesselnd. Sie bestechen geradezu durch ihren klassischen Krimicharakter. Lee Child beweist mit jedem weiteren Roman, dass es keine tiefenpsychologische Erklärungen und abartige „menschliche Monster“ braucht, um einen spannenden Krimi zu schreiben. Im Vergleich zum Vorgänger „61 Stunden“ ist der Fall in „Wespennest“ aber um einiges härter. Die Abgründe der Menschheit, das Thema Selbstjustiz und die Abhängigkeit in einer Parallelgesellschaft sind nur drei Beispiele einer vielschichtigen Erzählung.

Absolut positiv ist, dass Reacher ursprünglich gar kein Interesse an dem alten Verbrechen vor zig Jahren hat. Man merkt zwar schon, dass es im Fokus des Plots stehen muss. Aber letztendlich rückt es erst recht spät in den Vordergrund. Damit sorgt der Autor für eine ordentliche Spannungskurve. 

Der Titel ist passend gewählt, denn sobald der finale Stich ins Wespennest der Erzählung gestochen wird, entfaltet sich die Lösung rapide und ist so viel weitläufiger als ursprünglich vermutet.

Witzig auch: Endlich kommen Smartphones vor. Der gute Reacher hat es ja nicht so mit Technologie und ein simples Handy kann den harten Kerl schon mal überfordern. Das macht den Charakter ja schon so ein bisschen putzig. Und gibt unserem Superhelden den Makel, den einfach jeder Held braucht – oder kennt ihr einen, der keine Achillesferse hat? Daraus ergibt sich natürlich eine Frage: Stößt Jack Reacher irgendwann auf einen Endgegner, der um diese Schwäche weiß?

Bettina Riedel (academicworld.net)

Lee Child. Wespennest.
Blanvalet. 19,99 Euro.

P.S.: Was wir zu den Vorgängern „61 Stunden“ und „Underground“ sagen, lest ihr in den jeweils hinterlegten Links!

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