Ein Sumpf der Widersprüche

„Der Sumpf“ von John Katzenbach ist nun keine Neuveröffentlichung. Das Werk erschien bereits 1992 und wurde auch schon Mitte der 90er Jahre verfilmt. Ein Revival für eine neue Generation?

Unschuldig im Gefängnis zu sitzen ist eine furchtbare Vorstellung. Unschuldig in der Todeszelle zu sitzen, muss noch deutlich schlimmer sein. Doch wem kann man glauben? Möchte nicht jeder versuchen, am Leben zu bleiben und würde er nicht auch gnadenlos dafür lügen?

Der Reporter Matt Cowart erhält einen Brief von einem jungen Mann, der angeblich schuldlos im Todestrakt sitzt. Eine spannende Zeit voll von Intrigen, Manipulation, Neid und Ungewissheit beginnt. Und nicht nur der Leser, sondern auch der Reporter und die Ermittler dürfen sich fragen, was eigentlich die Wahrheit und was nur eine gute Lüge ist.

Den Einstieg in das Buch ist sehr gelungen. Nach und nach bekommt man Rückblicke, die den Fall und die daraus resultierende Wut erklären, die zum Schreiben des Briefes geführt hat. Cowart steht vor der schwierigen Entscheidung, sich der Sache entweder anzunehmen oder das Schreiben zu ignorieren. Doch was ist, wenn der Student Ferguson wirklich unschuldig ist? Könnte er sich das jemals verzeihen? Er hat keine andere Wahl: Matt Cowart reist an den Ort des Geschehens zurück. Dort befragt er verwickelte Personen, erfährt interessante Neuigkeiten und verstrickt sich immer tiefer in den ominösen Fall. Was geschah wirklich?

Mehr als nur eine spannende Geschichte

Die gesamte Recherchearbeit ist unglaublich spannend gestaltet. Immer wieder werfen sich neue Fragen auf, man bekommt neue Einblicke und Hinweise, wird verwirrt und verunsichert. Man weiß eigentlich nie, woran man glauben soll, wer die Wahrheit erzählt und wer die Fakten zu seinem Vorteil verdreht. Welche Charaktere haben vielleicht einfach persönliche Interessen, die sie verfolgen und das möglicherweise skrupellos? Zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, gestaltet sich immer schwieriger, je tiefer man in die Geschichte eintaucht und umso mehr gegensätzliche Hinweise man erhält.

Gleichzeitig stürzt sich die Presse auf die ungeklärten Fälle und macht es nicht unbedingt einfacher, sich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Es wird hier sehr deutlich, wie viel Macht und Wirkung Zeitung und Fernsehen haben können und wie einschüchternd dies sein kann.

Die Erzählweise

Durch die Erzählweise in der dritten Person ist es möglich, dass der Leser durch die Perspektiv- und Ortswechsel ein sehr komplexes Bild von der Handlung und den Personen bekommt. Die detailreichen Beschreibungen von den Schauplätzen ermöglichen es, sich die Umgebung gut vorzustellen. Besonders gefallen haben mir auch die unterschiedlichen Charaktere, die im Buch aufeinander treffen und teilweise sehr gegensätzliche Vorstellungen von Ermittlungen und Verlauf der Fälle haben. Oft kommt es dann ganz anders als man denkt oder hofft, man kann sich also nur überraschen lassen.

Zurück in die Vergangenheit

Interessant war auch der Einblick in die Möglichkeiten der polizeilichen Ermittlungen von Anfang der 90er Jahre, die bei mir nicht so präsent waren. Die Technik hat sich in der heutigen Zeit extrem entwickelt, wodurch die damaligen Fälle vielleicht auch anders und schneller hätten gelöst werden können. Jedoch kann man sich nur mit den Mitteln helfen, die einem zur Verfügung stehen und dann das Beste daraus machen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und bildhaft. Das Buch lässt sich zwar flüssig lesen, zwischendurch gibt es jedoch immer mal wieder kleinere Passagen, die scheinbar nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun haben und das Buch unnötig umfangreich machen. Das Ende kann dann trotz einiger Längen wieder überzeugen.

Das Fazit

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, der Wechsel zwischen ereignisreichen, spannenden Passagen mit den etwas ruhigeren Abschnitten sorgt für Abwechslung. Der Inhalt regt zum Nachdenken an, vor allem da die Thematik auch im heutigen amerikanischen Rechtssystem noch aktuell ist.

Dana Puhlmann (academicworld.net-userin)

Der Sumpf. John Katzenbach.
Droemer-Knaur. 9,99 Euro.


Stand Oktober 2013
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