Ein stürmisches Leben

Elizabeth Hunter ist vor allem eines: selbstbestimmt. Kein Wunder, dass ihr das Alter nicht behagt. Weil ihre Kinder sich der mütterlichen Kontrolle längst entzogen haben, wird das Aufeinandertreffen am Sterbebett kein leichtes. Nach dem gleichnamigen Buch „Im Auge des Sturms“ von Literatur-Nobelpreisträger Patrick White.

Ein stürmisches Leben
Auch Elizabeth konnte nicht alle Stürme des Lebens unbeschadet überstehen. © Polyband/WVG

Liebe, Leid und Egoismus

Die Liebe war nie ein großes Thema für Elizabeth Hunter (Charlotte Rampling). Das Leben, ja, das liebt sie, aber an konkrete Personen – noch nicht einmal ihre eigenen Kinder – hat sie ihr Herz nie gehängt. Jetzt aber liegt die einstige Schönheit im Sterben und ihr Geist wabert zwischen der stürmischen Vergangenheit (vor allem den Erlebnissen um einen heftigen Sturm) und der erniedrigenden Gegenwart hin und her. Hier kümmern sich in einem Vorort von Sydney Krankenschwestern, Hausmeister, Gärtner und anderes Personal sowie und ein Anwalt um Elizabeth. Sie hat all diese Menschen spielend im Griff, als sie die einst ausgewanderten Kinder zu sich bestellt.

Während sich Basil (Geoffrey Rush) in London als bekannter, aber nicht begüterter Schauspieler durchkämpft, ist Dorothy (Judy Davies) in Frankreich von ihrer verkorksten Ehe nichts geblieben als der Titel „Prinzessin“. Das reiche Erbe der Mutter lockt sie also ans andere Ende der Welt. Nicht etwa der drohende Verlust der Mutter als drohende emotionale Krise. Im Grunde leben die beiden für sich, nun aber werden sie durch die Umstände in eine ungewohnte Intimität gezwungen. Das Ziel von Basil und Dorothy scheint klar: Australien und die Vergangenheit zusammen mit einem ansehnlichen Erbe endgültig zu verlassen. Das will aber hart erkämpft sein. Unerwartet Avancen, eine noch im Sterben herrische Mutter und der ganze Ballast der Erinnerungen bringen die beiden aus dem Gleichgewicht. 

Ein stürmisches Leben
Zum Schluss kommen sogar die Kinder …. allerdings vor allem wegen des Erbes.

Jede unglückliche Familie …

… ist auf ihre ganz eigene Art und Weise unglücklich. Das hat uns schon Leo Tolstoi wissen lassen. Die Art und Weise der Familie Hunter hat dabei viel mit Egoismus und Lieblosigkeit zu tun. Erleben möchte man das so nicht, filmisch ist das aber durchaus unterhaltsam und amüsant. Vor allem, wenn es so gekonnt und bissig inszeniert und gespielt wird, wie in „Im Auge des Sturms“. Vor allem Charlotte Rampling als 55- (in den Erinnerungssequenzen) und 75-jährige Elizabeth liefert eine beeindruckende Leistung ab. Zumindest der Zuschauer bleibt hier alles andere als unglücklich zurück.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Im Auge des Sturms

Regie: Fred Schepisi
Darsteller: Geoffrey Rush, Charlotte Rampling, Judy Davis

Im Vertrieb von Polyband/WVG auf DVD im Handel

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