Ein Realist, der Mut macht

Das Handbuch für STARTUPS – Schritt für Schritt zum erfolgreichen Unternehmen ist kein Buch im klassischen Sinne. Es ist ein Wegweiser und Begleiter, ein Nachschlagewerk und treuer Berater für Menschen, die unternehmerisch etwas Eigenes auf die Beine stellen wollen.

Wer Das Handbuch für STARTUPS zum ersten Mal in die Hand nimmt und durchblättert, wird sich vermutlich über die vielen Stichpunkte, gekennzeichneten Blöcke und Grafiken wundern. Doch man sollte sich nicht abschrecken lassen! Die deutsche Version des amerikanischen Standardwerks (Steve Blank/ Bob Dorf: The Startup Owner’s Manual) ist zwar kein Buch zum „mal eben Durchlesen“, bietet dafür aber umso mehr Praxis- und vor allem Realitätsbezug. Zum einen gründet es sich auf die Lean Startup-Methode, die ein flexibles Vorgehen hinsichtlich des Businessplans ermöglicht. „Ein Startup ist nicht die kleine Version eines großen Unternehmens“ lautet dabei der Grundsatz, der sich mit Freiräumen zur Anpassung des Geschäftsmodells an den Markt als wesentlich „umsetzbarer“ erweist, als das starre Befolgen eines festen Rahmens im Falle des klassischen, festen Businessplans.

Zum anderen zeigt das Buch auf, wie wichtig Vorbereitung und damit verbunden eine Testphase, beziehungsweise unter dem Stichwort „Customer Development“ das Einholen von Feedback aus der Wirklichkeit für Startups ist. Dabei liefert das Handbuch nicht nur eine Auflistung davon, WAS getan werden muss, sondern begleitet den Leser beim WIE. Planen, ausprobieren, scheitern, daraus lernen, neu planen: Dies sind die Schritte, die es nicht nur beschreibt und an Praxisbeispielen aufzeigt, sondern zu denen es regelrecht ermutigt und durch die es den lern- und optimierungswilligen Gründer führt.

„Es ist keine Krise, wenn man merkt, dass eine Hypothese falsch ist“

Das Geschäftsmodell mit der Realität abzugleichen zwingt von Anfang an zum Kundenkontakt, der wiederum Feedback liefert und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt. Eigentlich ganz logisch – oder? Das Handbuch für STARTUPS pocht allerdings regelrecht auf diesen Umstand. Ob nötig oder nicht, der motivierte Gründer wird mit ihm an der Seite jedenfalls nicht vergessen, sich dahingehend zu vergewissern. Die oben erwähnten Grafiken und Stichpunkt-Listen bringen auf den Punkt, woran zu denken und was zu beachten ist. Wer sich unsicher ist, kann sich vermutlich ganz leicht daran entlang hangeln. Tipps und Checklisten sorgen quasi für Echtzeit-Rat und dafür, dass man auch mit dem Kopf voller Ideen noch auf dem Boden bleibt. „Kostenstruktur“, „Umsatzströme“, „Nutzerversprechen“, das sind Begriffe, die sich nicht unbedingt jedem Gründer von selbst erklären und deren Wichtigkeit vielleicht nicht auf Anhieb jedem Kreativen durch den Kopf schießen, wenn er daran denkt, seine Ideen zu vermarkten. Lehrbuch, Berater, mahnender Zeigefinger hinsichtlich des Kundenkontakts, bereitwilliger Bereitsteller von Beispielen, in der deutschen Version übrigens von den Herausgebern angepasst – das alles vereint das Buch in sich. Übersichtlichkeit, eine wirklich durchdachte Struktur und eindeutig benannte Kapitel ermöglichen schnelles Nachschlagen und ermöglichen es dem Leser, sich gut zurecht zu finden.

Ein Plus ist außerdem das Kapitel zum Aufbau eines digitalen Startups; anhand eines Praxisbeispiels unter Verweis auf die Kapitel des Buches wird Schritt für Schritt eine Web-Gründung rundum beleuchtet. Kein Aspekt kommt hier zu kurz, vom „wie fange ich bloß an?“ bis zur Kommunikation mit dem Team und natürlich dem Kundenkontakt nimmt das Handbuch den Leser professionell an die Hand. 

Obwohl es sich vornehmlich um ein Fachbuch ohne psychologische Zielsetzung handelt, fühlt man sich nach der Lektüre bestärkt, sich als Unternehmer selbstständig zu machen. Ein sachlicher, informativer und Mut machender Begleiter, der uneingeschränkt zu empfehlen und seinen Preis vielfach wert ist!

Agnes Bauer (academicworld.net-userin)

Das Handbuch für STARTUPS. Steve Blank, Bob Dorf.
39,99 Euro. O’Reilly.

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