Ein Leben für die Kommunikation

Frank hat seine Kinder eingeladen – zum ersten Mal nach dem Tod der Mutter – als keiner kommt, macht er sich auf den Weg um die vier zu Hause zu überraschen. Dabei findet er heraus, dass man die Menschen, die man liebt nicht immer so gut kennt, wie man glaubt und dass man auch als Pensionär noch erwachsen werden kann.

Von kleinen und großen Lebenslügen

Eigentlich war die Kommunikation sein Geschäft. Frank (Robert de Niro) hat ein Leben lang Telefonleitungen isoliert, um seinen Kinder alles zu ermöglichen. Nicht eben ein gesundheitsfördernder Job. Nebenbei hat er irgendwie den Zugang zum Nachwuchs verloren. Die Kommunikation mit den in alle Winde der USA verstreuten Kindern hat die Mutter übernommen. Die ist nun tot und Frank allein. Er hat Angst seine nicht mehr ganz so Kleinen verloren zu haben und lädt sie ein. Doch keiner kommt. 

Obwohl er zeit(arbeits)lebens für störungsfreie Telefonleitungen gesorgt hat, stößt er beim Versuch mit den eigenen Kindern zu kommunizieren an seine Grenzen. Wenn sie überhaupt an den Apparat gehen, dann heißt es nur knapp „Es geht allen gut“. Das reicht Frank auf Dauer nicht, er will wissen wie seine Kinder leben und wie es ihnen wirklich geht. Entgegen ärztlichem Rat macht der alte Knabe sich also auf den Weg sie zu Hause zu besuchen. 

Immer wieder begegnen einem in „Everybody’s fine“ Menschen, die ohne Wurzeln einem ungewissen Ziel entgegen taumeln. Die moderne Gesellschaft, die von jedem fordert allzeit flexibel zu sein, hat den Familienbindungen nicht unbedingt gut getan. Nur die Telefonleitungen halten oft den Kontakt aufrecht und über Telefon, das würde jeder Körperspracheexperte bestätigen, lügt und vertuscht es sich einfach leichter als von Angesicht zu Angesicht. 

Ein reinigendes Gewitter

Für Frank sind seine vier noch immer seine kleinen Kinder, so werden sie im Film immer wieder auch bildlich gezeigt. Ihm ist lange nicht klar, dass es seine Ansprüche waren, die sie von ihm entfremdet haben. Letztlich muss er erst ein Kind verlieren, um drei zurückzugewinnen. 

Rosie (Drew Barrymore), Amy (Kate Beckinsale), Robert (Sam Rockwell) und David hatten einfach immer zur Mutter den besseren Draht und oft das Gefühl, dass ihr Vater ohnehin nur die guten Nachrichten hören will. Und das, obwohl er selbst sich nicht so wichtig nimmt. Als Rosie ihn fragt: „Hattest du denn nie Ziele für dich selbst?“ Antwortet Frank schlicht: „Ich wollte immer nur ein guter Vater sein.“ Als ihm nun klar wird, dass er das – trotz beste Absichten – nicht unbedingt war, muss er sich neu auf den Nachwuchs einlassen und lernen auch die Schwächen der Kinder zu akteptieren.

Rezension "Everybody's fine"

Eine nette Familiengeschichte, durchaus nicht ohne Tiefgang, die zu bewegen weiß. Die Rolle des rastlosen Vaters ist de Niro wie auf den Leib geschrieben. Auch die Erzählweise, die Anfangs vor allem aus Andeutungen besteht und die volle Dramatik erst im Verlauf offenbart ist durchaus reizvoll. Deutlich mehr als banale Unterhaltung. Mit einer ganzen Hand voll großartiger Darsteller und vielen großartigen Dialogen ist es der Film von 2009 auf jeden Fall wert, dass Studiocanal ihn noch einmal heraus bringt. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Everybody’s fine

Regie: Kirk Jones
Darsteller: Robert de Niro, Kate Beckinsale, Drew Barrymore, Sam Rockwell

Im Verleih von Studiocanal

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