Ein Epos, uns zu finden …

… ein Epos, uns zu binden. Manchmal erzählen Autoren eine einfache Geschichte. Doch manchmal erschaffen sie eine Welt, in die man ein- und so schnell nicht wieder auftauchen möchte. Mit seiner Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ (verfilmt als Serie „Game of Thrones“) erdachte sich George R.R. Martin einen unglaublichen Epos mit nicht enden wollender Faszination. Mit „Das Urteil der Sieben“ liefert er seinen Lesern nun einen Einblick in die Vorgeschichte dieser Welt.

Darum geht es

Es gibt eine Welt, in der der Norden durch eine tausende Fuß hohe Mauer aus Eis geschützt wird. Eine Welt, in der sich Könige aus reinem Willen erheben und durch das Schwert fallen. Eine Welt, in der jeder Schritt deines Weges zu einer Schwertklinge an deiner Kehle führen könnte.

Es ist die Welt, in der ein Lied von Eis und Feuer gesungen wird, Winter ewig währen und Helden so schnell fallen, wie ihre Sterne aufsteigen. Eine Welt voller Macht, Magie und Intrigen.

Hier lebt der Knappe eines Heckenritters: Dunk, seines Zeichens blöd wie eine Burgmauer. Ja, das ist quasi sein Mantra, sein immer wiederkehrender Hinweis an sich selbst, nicht zu idealistisch durch diese Welt zu streifen. Nachdem er seinen Herrn beerdigt hat, muss er zusehen, woher die nächste warme Mahlzeit für ihn kommt. Kurzerhand erhebt er sich selbst zum Ritter: Ser Duncan der Große. Über einige Umwege kommt er bald zu einem eigenen Knappen: Ei. Doch Ei steht eigentlich für Aegon und er ist auch nicht ganz der, für den er sich anfangs ausgibt. Dafür aber ein treuer Freund und Begleiter. Gemeinsam ziehen Sie durch die Lande und kommen dabei vom Regen (wenn vorhanden) in die Traufe: Anlässlich einer Hochzeit versammeln sich Rebellen bei einem Ritterturnier zum Schlag gegen die Krone – wie können Dunk und Ei sicher durch die raue See der Intrigen navigieren?

Schreibstil

GRRM schafft es, wie immer eigentlich, seiner Sprache einen gewissen Wohlklang zu verleihen. Dieser Wohlklang ist es, der seiner Erzählung so viel Authentizität verleiht. Hier stürzen sich Charaktere nicht hektisch und möglichst brachial in viele sinnfreie Kämpfe – Mr. Martin gibt seinen Charakteren genug Zeit und Freiraum für Ihre Handlungen. So können diese ineinander fließen und ein komplexes Netz aus Gefühlen, Berechnung, Drama und Heldentum bilden. Seine Plots umfassen dann auch gern einmal mehrere Jahrhunderte. George R. R. Martin fordert also nichts weniger von seinen Lesern, als den Willen, seinem Werk die angemessene Zeit zu schenken. Man liest ihn nicht „einfach runter“, man genießt ihn wie einen guten Rotwein.

Der Autor

George R. R. Martin. Mit diesem Namen verbindet die Leserschaft großartige Abenteuer, fesselnde Handlungen, Liebe, Gewalt und Drama. Er ist der Meister des Epos selbst, denn auch Homer und seine Odyssee können sich für die nächsten Jahrtausende getrost in der Höhle des Zyklopen verstecken.

Gibt es bei einem Werk von dieser Perfektion noch Verbesserungspotenzial? Sicher. Vom Zeitverlauf her dauert es nämlich noch rund 100 Jahre, bis das Lied von Eis und Feuer beginnt. Fülle er diese Jahre! Bei George R. R. Martin kann es einfach nur gut werden.

In „Das Urteil der Sieben“ vereinigen sich übrigens die drei vorherigen Einzelbände „Der Heckenritter“ aus dem Jahr 1999, „Das verschworene Schwert“ wurde 2005 auf Deutsch veröffentlicht und „Der geheimnisvolle Ritter“ im Jahr 2013.

Zum Schluss noch ein kurzes Training für die Lachmuskeln: Why does George R.R. Martin not have a Twitteraccount? He killed all 140 characters!

In diesem Sinne,

valar morghulis

Bettina Riedel (academicworld.net)

George R. R. Martin. Das Urteil der Sieben.
14,99 Euro. Penhaligon.


Stand Oktober 2013
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