Ein Cowboy ermittelt

David Spandau ist nicht gerade das, was man ein Glückskind nennen würde. Der wenig erfreulichen Kindheit entwachsen versuchte er sich eine Zeit lang als Stuntman in Hollywood, heiratet Dee, die Tochter seines Chefs und scheint leidlich zufrieden mit dem Leben. Da muss er nach einer Verletzung am Set die beruflichen Segel streichen, verliert bald die Frau und anschließend fast sich selbst.

Endstation Detektiv

Die Glitzerwelt der Filmstudios glaubte er hinter sich gelassen zu haben, doch sein neuer Arbeitgeber Walter Coren jr., der das Ermittlungsbüro seines erfolglosen Vaters übernommen und zu einem florierenden Unternehmen gemacht hat, versorgt ihn regelmäßig mit Aufträgen, die ihn zurück in die Welt der Stars und Sternchen führen. Völlig unbeeindruckt vom dort herrschenden Rummel versucht er sich in eine Wild-West-Traumwelt zu flüchten, um dem Schmerz der gescheiterten Ehe zu entfliehen.

Daniel Depp wirft in seinem Krimi einen schonungslosen Blick auf die Traumfabrik und zeigt dort mehr gescheiterte als geglückte Existenzen. Ein vermeintlicher Routineauftrag bringt Spandaus Alltagstrott ins Wanken. Er soll einem der Shooting-Stars des Filmgewerbes, Bobby Dye, Personenschutz geben, da dieser in letzter Zeit Morddrohungen erhalten hat. Schnell stellt sich heraus dass das längst noch nicht die ganze Geschichte ist. Wegen einer unschönen Geschichte musste sich der hoffnungsvolle Jungschauspieler mit dem zwielichtigen Kriminellen Richie Stella einlassen, der diese Abhängigkeit nun weidlich auszunutzen gedenkt.

Gewaltig, gewaltiger, gewalttätig

Zwischen dem Bodyguard und dem Hollywood-Star entwickelt sich fast so etwas wie Freundschaft, weil  Bobby Dye in Wirklichkeit ein zwar äußert begehrter, aber auch sehr einsamer Mann ist, der die Schattenseiten des Ruhmes ebenso spürt wie die Vorteile seines Prominentenstatus. Je weiter Spandaus Ermittlungen voranschreiten, desto schneller und unaufhörlicher dreht sich die Spirale der Gewalt. Als Spandau seinen Freund Terry McQuinn, einen erfahrenen Ex-Soldaten mit irischen Wurzeln und einer Vorliebe für Tolkien, hinzuzieht  überschlagen sich die Ereignisse. Ein geplanter gewaltsamer Racheakt weitet sich unerwartet zu einem brutalen Blutbad aus, das mehrere Personen das Leben kostet. Der Leser bleibt ebenso erschrocken und ernüchtert zurück wie David Spandau.

Daniel Depp liefert hier eine an Gewalt nicht arme Gesellschaftssatire auf die Scheinwelt Hollywood ab, die sich gewaschen hat. Da bleibt kein Stein auf dem anderen und keine Welt unerschüttert. Die Figuren sind wunderbar plastisch und glaubwürdig gezeichnet – trotz aller Exzentrik. Da merkt man dem Autor den Drehbuchschreiber deutlich an.

 

336 Seiten

Goldmann Verlag (18. April 2011)

8,99 Euro

 

 

 

 

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