Ein Anwalt lässt nicht locker

Zuerst wider Willen, dann mit vollem Kampfgeist wirft sich Tom Hanks als Unterhändler Donovan in den Schlund des bürokratischen Ungetümes der DDR. Um einen Gefangenenaustausch zu erwirken nimmt der Versicherungsanwalt es mit Einschüchterungen, politischer Undurchsichtigkeit und dem Großmachtgehabe Ostdeutschlands auf. Wortwitz trifft auf die Schrecken des kalten Krieges.

Unterhändler Donovan beim Gespräch in der verschneiten DDR. Bild: Fox
Unterhändler Donovan beim Gespräch in der verschneiten DDR. Bild: Fox

Im an wahre Begebenheiten angelehnten Politdrama „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ von Steven Spielberg verkörpert Tom Hanks die Rolle des Anwalts Jim Donovan, der in die Wirren des kalten Krieges vor und während des Baus der Berliner Mauer gesogen wird. Donovan, eigentlich Versicherungsanwalt, übernimmt die Pflichtverteidigung des sowjetischen Spions Rudolf Abel, einem Schöngeist und Maler, mit dem ihn bald eine tiefe Freundschaft verbindet.

Der Film beginnt mit der Eingangsepisode der Verteidigung des Mandanten, wird aber nach dem ersten Drittel vom Gerichtsdrama zum Politthriller: Das CIA wird auf Donovan aufmerksam und rekrutiert ihn als privaten Unterhändler, der die Freilassung des amerikanischen Aufklärungsfliegers Gary Powers erwirken soll, der bei einer Spionagemission über sowjetischem Boden abgeschossen wurde. Donovan beginnt, bewaffnet mit seiner Wortgewandtheit, seinem trockenen Charme und vor allem mit seiner absoluten Hartnäckigkeit, sich durch das Gewirr der bürokratischen Apparate der Weltmächte zu kämpfen. 

Die Kritik

Spielberg modelliert eine dunkle Kulisse der DDR, in der es immer finsterer Winter zu sein scheint, als würde ewige Nacht über der Deutschen Demokratischen Republik hängen – ein Mordor in Ostdeutschland. Die Szenen der deutschen Vergangenheit sorgen für kalten Schauer: Mauerbau, Grenzkontrollen, die letzten verzweifelten Übertrittsversuche vor der Grenzschließung, Schüsse, die auf dem Todesstreifen fallen. Überall herrscht die Atmosphäre der allgemeinen Verunsicherung. Die Regierungsapparate des Ostens sind absolut undurchschaubar, das Sinnbild kafkaesker Intransparenz. Andauernd macht es die Polizeiwillkür notwendig seine Papiere vorzuzeigen, die einerseits von immenser Wichtigkeit sind, andererseits jederzeit umgangen werden können, sobald es nur der Obrigkeit dient. Spielberg zeichnet das Bild der kleinen DDR, die versucht, sich vor den Sowjets zu behaupten und ein Spieler auf der Weltbühne zu werden. Der Unterhändler Donovan versucht dabei gegen die Absurdität der Amtsapparate anzukommen. Seine sich immer wiederholenden Phrasen und Sprachmanierismen nimmt er dabei durch den kompletten Film mit und wird dadurch – ebenso wie Rudolf Abel – ein Charakter mit großem Wiedererkennungswert.

„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ betreibt trotz der düsteren Inszenierung der DDR keine Schwarzweißzeichnung. Die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen. Auf beiden Seiten gibt es die „Guten“, die angesichts der geschichtlichen Entwicklung völlig überfordert sind und versuchen, die letzten Reste politischer Stabilität zusammenzuhalten. Letztendlich lässt einen der Film die ganze Zeit über im Unklaren, was man eigentlich empfinden soll: Tom Hanks als Jim Donovan ist witzig und man lächelt gerne mit ihm sowie man auch unwillkürlich lachen muss angesichts der Verworrenheit und Unbeholfenheit des aus den Fugen geratenen bürokratischen Gebildes der DDR. Allerdings werden gut verteilt heftige Szenen von Polizeigewalt, Folter und Erschießungen an der Mauer eingestreut, die einen ganz schnell wieder zur Ernsthaftigkeit ermahnen.


Florian Deichl (academicworld.net)

BRIDGE OF SPIES – der Unterhändler

Seit dem 26. November im Verleih von Fox Entertainment im Kino!

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