Echt monströs

Womit beschäftigt sich ein Dr. phil. hauptberuflich? Natürlich mit der Monsterjagd. Jedenfalls im Roman „Der Monstrumologe“ von Rick Yancey. Vielleicht ja eine Möglichkeit, wenn die liebe Verwandtschaft mal wieder fragt: Und was willst du damit später machen? …

Echt monströs

Im Dienste der Wissenschaft

Zwischen Beruf und Berufung zieht Dr. Pellinore Warthrop kaum eine Grenze. Sein Leben spielt sich in Wechsel von manischen Jagd- und Forschungsphasen und Zeiten totaler Depression, in denen er kaum das Bett verlässt, ab. Als Assistent dient dem sogenannten Monstrumologen dabei der 12-jährige Will Henry. Der hat den Posten nach dessen Tod von seinem Vater quasi geerbt und muss sich nun Gefahren und Eindrücken stellen, die selbst Erwachsene das Fürchten lehren. Eines Nachts bekommen die beiden Besuch von einem Grabräuber, der auf Diebestour eine grausige Entdeckung gemacht hat: einen toten Anthropophagen. Ein menschenähnliches Ungeheuer ohne Kopf, das Augen und ein riesiges zahnbewehrtes Maul im Rumpf trägt. Außerdem ernährt sich die Spezies ausschließlich von Menschen, vermehrt sich rasant und sollte eigentlich in Nordamerika gar nicht vorkommen. Jetzt gilt es schnell zu Handeln, damit die örtliche Bevölkerung nicht dem dem Rudel der Monster anheimfällt. Im Kampf gegen die äußeren Monster treten nach und nach auch vielfältige innere Dämonen der Protagonisten zu Tage. Ob Sie beide Kämpfe gewinnen können?

Echt monströs

Klassisch und spannend

Das klassische Repertoire des angloamerikanischen Schauerromans wird dabei zwischen Friedhof, Geheimlabor und Irrenhaus gekonnt abgerufen. Dabei bleibt der Handlungsbogen aber stets unvorhersehbar und überraschend. Rick Yancey gelingt es so, über das bloße Zitat des Vergangenen hinaus, einen eigenen Mythenschatz zu kreieren, der in sich bestechend schlüssig wirkt, dabei aber spannend und unterhaltsam. Nichts für Zartbesaitet und Menschen mit schwachen Nerven. Ansonsten aber allein schon wegen der liebevollen Aufmachung ein Highlight. Zeichnungen des monstrumologischen Handwerkszeuges zieren viele der Seiten und bisweilen gibt es auch ganzseitige Zeichnungen des Geschehens, in fast kinderbuchartiger Stilistik. Was von den Schilderungen im Text freilich schnell wieder konterkariert wird.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Rick Yancey. Der Monstrumologe
14,99 Euro. Bastei Lübbe

Weiter geht’s in:
Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo, Der Monstrumologe und die Insel des Blutes (jeweils 14,99 Euro. Bastei Lübbe)

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