Duales Leben

Schon mal euch selbst dabei zugeschaut, wie man verrückt wird? Zugegeben, jeder Mensch hat einen Hauch Chaos im Kopf. Aber Fay (Game of Thrones – Sophie Turner) scheint eine mysteriöse Doppelgängerin zu haben, die sie langsam in den Wahnsinn treibt …

Der Blick in den Spiegel führt nicht zu ihrem Selbst. © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Der Blick in den Spiegel führt nicht zu ihrem Selbst. © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

Fay hatte eine tolle Kindheit. Einzelkind, verliebte Eltern, Sommer am Strand … Dann wird ihr Vater mit einer lebensgefährlichen Krankheit diagnostiziert. Was als Schock beginnt, lässt ihre Welt in Krümeln zurück: Ihre Mutter hat eine Affaire und Fay muss ihrem Vater dabei zuschauen, wie er geistig und körperlich verfällt.

Als wäre das nicht genug, gibt es da diese Mitschülerin, die sie hasst. Pausenlos fliegen spitze Bemerkungen und zu allem Übel fängt sie an, Fay nachzumachen: Ihre Kleidung, ihren Haarschnitt. Dass Fay die Hauptrolle im Schulspiel bekommen hat, bringt das Fass für sie zum Überlaufen. Immer wieder wird sie von Leuten angesprochen, die glauben, sie gesehen zu haben. Nicht nur glauben, sie sind felsenfest davon überzeugt. Bis auch Fay selbst sie sieht. Und sie sieht aus wie ihr exaktes Spiegelbild …

Tu es nicht, Britney! Ups, falscher Film. © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Tu es nicht, Britney! Ups, falscher Film. © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die Kritik
Natürlich spielt der Film mit dem großen Kopfkino – was wäre, wenn es mich noch ein weiteres Mal gäbe? In „Another Me“ wird das noch ergänzt durch die Thematik „sich selbst plötzlich ändern und ein anderes Leben beginnen.“ Das könnte faszinierend sein, wenn da nicht das kleine Horror-Element wäre: Wer ist die mysteriöse Doppelgängerin, die optisch exakt wie Fay aussieht? Die Lösung ist einigermaßen übernatürlich. Leider wird sie ab der Mitte des Films jedem klar. Wie es aber so weit kommen konnte, dass sich die Doppelgängerin derart manifestiert, um mit der realen Welt interagieren zu können, bleibt offen.

Dafür wird etwas anderes unnötig im Detail und leider ohne logischen Hintergrund offenbart: Als Fay begreift, wer oder was die Doppelgängerin sein könnte, wird ihr gesagt, sie dürfe „ihr“ nicht in die Augen sehen. Aha. Wieso? Warum? Und woher weiß die betreffende Person das? Und das ist genau die Szene, in der ein andernfalls interessanter Film in sich zusammenfällt. Abgesehen davon, dass man es so oder so nicht als Horrorfilm bezeichnen könnte. Grundsätzlich hat „Another Me“ mehr was von einem Thriller mit übernatürlichen Elementen.

Johnnyboy hat leider einigen Herzschmerz zu verdauen. Aber das steht ihm geradezu exzellent, findet ihr nicht auch? © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Johnnyboy hat leider einigen Herzschmerz zu verdauen. Aber das steht ihm geradezu exzellent, findet ihr nicht auch? © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

Die Schauspielleistung ist absolut positiv hervorzuheben. Sophie Turner hat das Leiden eines Teenagers in Game of Thrones schließlich schon lang genug geübt und Jonathan-Rhys Myers darf den verliebten Lover von Fays Mutter geben – inklusive Tränenszene. Fast möchte man ihn direkt selbst trösten. Diese beiden Schauspieler halten den Film lange über Wasser und es ist ein Vergnügen, ihnen zuzusehen.

Dennoch bleibt das Fazit: Wäre in das Ende noch etwas mehr Energie und Sinn gesteckt worden, wäre es ein wirklich interessanter Film. So kann er leider nicht richtig überzeugen.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Another Me

Regie: Isabel Coixet
Darsteller: Sophie Turner, Geraldine Chaplin, Jonathan Rhys Meyers

Seit dem 22. Januar als DVD, BluRay und VoD im Vertrieb der 20th Century Fox Home Entertainment im Handel erhältlich.

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