Digital Native 2.0

Fast foward einige Jahre: Menschen tragen sogenannte Adware mit sich herum, eine ins Gehirn gepflanzte Ergänzung ihrer Wahrnehmung – virtuelle Realität deluxe. Das hilft alles nichts, als Pittsburgh in einem Terroranschlag vollkommen vernichtet wird. Ein Horrorszenario über das Hinterbliebensein.

John Dominic Blaxton ist kein typischer Versicherungsvertreter: Seine Arbeit als quasi Ermittler führt ihn in das digitale Pittsburgh. Das wurde aus unzähligen Kameraaufnahmen zu einem digitalen Datenarchiv wieder „zum Leben erweckt“. Hier drin sucht er nach Menschen und verfolgt für die Versicherungen, wie sie gestorben sind – natürlicherweise vor oder durch den Terroranschlag. So stößt er auf Hannah, deren Leiche kurz vor der Detonation aus dem Flussschlamm freigespült wird.

Die hätte allerdings nicht nur im Flussbett vergraben bleiben sollen, sondern auch im Datenarchiv Pittsburghs. Er wird gegen seinen Willen von dem Fall abgezogen und gerät in einen Strudel: Sein Drogenproblem verschlimmert sich und wird aufgedeckt, sein Job ist weg. Da kommt Waverly daher, ein Typ, dessen Tochter in Pittsburgh gestorben sein soll – John soll sie darin aufspüren und Waverly die (digitalen) Erinnerungen an sie wieder geben. Ein Job, der ihm bald nicht nur an die Nieren gehen wird, sondern auch das Leben kosten könnte …

Die Kritik

Ein absoluter underdog, der allein durch sein Cover und seine geringe Präsenz in Buchläden wenig Aufmerksamkeit erhält. Allerdings verdient das Buch so viel mehr! Denn Sweterlitsch schreibt gut, intelligent, aber nicht prätentiös. Er entwirft ein Szenario, das nicht schon tausendfach verwendet wurde, wie beispielsweise: Mädchen, 16, entdeckt plötzlich, dass sie etwas besonderes is. Haha. Wer davon seine Zuckerschnute voll hat, sollte unbedingt zu Sweterlitsch greifen. Wer ein futuristisches Szenario lesen will, für das er heutige mini Tech-Kenntnisse braucht, auch. Wer einfach mal ein neuartiges Buch lesen will, erst Recht!

Neben diesen Argumenten spricht auch die Handlung selbst für das Buch. Der Hauptprotagonist ist zutiefst menschlich und stellt sich nicht immer super schlau an. Über den Verlaufs glaubt der Leser, seine wahre Geschichte zu verfolgen. Am Ende merkt man jedoch, dass das alles etwas anders strukturiert war und nichts wirklich so war, wie es schien. Doch wie hängen die verschiedenen Ereignisse nun zusammen? Hier hat sich der Autor vorab wirklich alles gut überlegt und enthüllt nach und nach eine bizarr anmutende und faszinierende Geschichte. Ganz nebenher kritisiert er in Ansätzen die Gesellschaft und ihre politischen Verwicklungen, beziehungsweise Einflussnahme der Reichen auf die Politik – ohne, dass es zu polemisch wird oder zu schwerfällig beim Lesen. Ein intelligentes, kurzweiliges und Tech-lastiges Lesevergnügen!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Thomas Carl Sweterlitsch. tomorrow & tomorrow.

Heyne. 14,99 Euro.

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