Die zwei Leben der LEA

Am Tag die strebsame Studentin, in der Nacht verruchte Tänzerin in einem edlen Pariser Nachtclub. Die junge Léa wagt den Spagat – doch sie spielt ein Spiel, das sie nicht gewinnen kann. Seit 2. November ist das französische Drama im Handel erhältlich.

Rezension Léa - Die strippende Studentin
Léa zieht die Männer in ihren Bann; ©Pierrot Le Fou

Alles für Oma

Lea kümmert sich liebevoll um Ihre zunehmend demente Großmutter. Um die Kosten für beide begleichen zu können, arbeitet sie neben ihrem Studium nachts als Kellnerin. Doch sie strebt nach Höherem. Als sie an der Politischen Hochschule in Paris angenommen wird, scheint für sie ein  Traum wahr zu werden. Schweren Herzens sucht sie für ihre Oma einen Pflegeheimplatz, da sie Studium und Pflege nicht mehr länger unter einen Hut bekommt. Die Kosten dafür tanzt sie nachts in einem Nachtclub wieder rein. Dort wandelt sie sich von der schüchternen Streberin zum begehrenswerten Vamp. Doch zunehmend wird sie von der Glitzerwelt verschlungen – eine Welt, in der nichts ist, wie es scheint.

Suche nach dem Sinn

LEA – die strippende Studentin – liest man den Titel des französischen Films von Bruno Rolland erwartet man nicht unbedingt das große Kino. Vielleicht erhofft sich der ein oder andere Zuseher sogar in erster Linie schöne Körper und viel nackte Haut. Doch würde man dem Film damit unrecht tun. Ist er doch viel mehr als das. Der Regisseur zeichnet das Bild eines jungen Mädchens auf der Suche nach sich selbst. Sie pflegt ihre Oma und ist dabei auf sich alleine gestellt, da sich ihr Vater eine neue Familie gesucht hat. Um keinen Preis würde sie etwas von ihm annehmen.

Starrkopf

Die Figur der Léa ist das eigentliche Highlight des Films, auch wenn sich die Tänzerinnen mit Sicherheit nicht verstecken müssen. Ihre Selbständigkeit und Unanhängigkeit ist der Figur sehr wichtig – schnell stellt man aber fest, dass alles nur Fassade ist. Sie legt sich eine zweite Persönlichkeit zu, die nachts aufersteht und die Männer verrückt macht. Eigentlich ist sie aber nur ein verletztes Mädchen, dem alles über den Kopf wächst – die das aber nicht wahrnehmen will. Die Fassade beginnt schnell zu bröckeln. Der Spagat aus Studium und ihrem Job als Tänzerin in dem Stripclub lässt sich immer schlechter miteinander vereinbaren. Aber will sie das überhaupt? Das ist eigentlich die zentrale Frage des Films.

Man versteht im Laufe des Films immer weniger, was Léa eigentlich antreibt. Wenn ihr das Studium so wichtig ist, warum lässt sie dann das Tanzen nicht, auch als sie das Geld nicht mehr benötigt? Warum isoliert sie sich zunehmend von ihrer ganzen Umwelt? Was sucht sie in dieser Welt aus Sex und Schein? Auch das Ende des Films beantwortet diese Frage nicht und lässt einen unbefriedigten Zuschauer zurück. Man versteht nicht, warum sie plötzlich alles hinschmeißt und sogar ihre Oma im Stich lässt. Ziellos schlendert sie umher, auf der Suche nach – ja nach was eigentlich? Das weiß sie wohl selbst nicht.

Düstere Grundstimmung

Léa – die strippende Studentin ist kein Wohlfühlkino. Es ist ein düsterer Film über Liebe, Glück und die Suche nach dem Sinn. Doch auch er kann abschließend nicht beantworten, was der Sinn eigentlich ist. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Er zeigt ferner, wie junge Frauen dem Reiz des schnellen Geldes erliegen können und wie schwer es ist wieder aus diesem Strudel herauszukommen. Das stimmt nachdenklich. Es gelingt dem Film damit die unterschiedlichsten Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen. Mitgefühl, Respekt und Anteilnahme auf der einen Seite, aber auch Unverständnis und Ärger auf der anderen. Zu zwiespältig ist diese Hauptfigur, die man daher auch nicht uneingeschränkt als sympathisch empfindet. Dennoch lohnt sich der Film. Er zeigt einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf das Leben, ohne ins klischeehafte abzudriften. Abgerundet wird das ganze durch einen schönen, melancholischen Soundtrack.

Fazit: Typisches, französisches Drama, das gut unterhält und einen nachdenklichen Zuschauer zurücklässt.

LEA – Die strippende Studentin

Regie: Bruno Rolland
Darsteller: Anne Azoulay, Ginette Garcin, Eric Elmosnino

Seit 02.11.2012 im Handel erhältlich.

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