Die USA an sich

Was kann man über Neu England erzählen? So einiges!

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Die bunten Wälder jetzt im Herbst sind wirklich wunderschön: Die Ahornbäume bekommen hier ein leuchtendes Rosa-Orange, was es in Europa gar nicht gibt. Wenn die Sonne darauf fällt, hat man das Gefühl, alles ist nur noch Farbe. Dazwischen kleine mit weißen Holzpanelen verkleidete Häuschen, mit grünen Fensterläden und einer Veranda davor, auf denen jetzt zu Helloween Kürbisse mit Gesicht aufgereiht sind. Und im Vorgarten gibt es auf dem gepflegten Rasen ein paar aufgeblasene Gespenster aus Plastik (die werden nach Helloween dann direkt durch Santakläuse ersetzt.)

Hin und wieder ein See, auf dem Blätter schwimmen und kleine Boote mit Anglern im aufsteigenden Dunst. Und in jedem Dorf mindestens einen „Dunkin Donut“. Und im Herbst gibt es da sogar Donuts mit Pumpkin-Geschmack. Also eigentlich schmecken die nach Zucker und etwas Zimt, aber sie sehen sehr orange aus, mit bunten Streuseln auf dem Zuckerguss.

An der Küste von Maine kann man riesige Hummer essen (sogenannte „3 Pound Lobster“). Es gibt in jeder Menge Schnick-Schnack-Läden jede Menge Schnick-Schnack zu kaufen (Tassen mit Sprüchen drauf wie: „Do the neighborhood thing! I mean it! God.“ Oder Kühlschrankmagneten mit Hummerwitzen: Ein Hummer im Kochtopf ruft mit seinem winzigen Hummertelefon seinen Freund an und in einer Sprechblase steht: „Listen John, I might be a little late, I´ve got a situation here…“).

Es laufen hier sehr viele amerikanische Touristen mit Fleecepullovern und Dreiviertelhosen herum, denn Amerikaner machen gerne Urlaub im eigenen Land und das gerne in Fleesepullovern und Dreiviertelhosen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man sich beim Hummeressen so schrecklich einsaut und Fleesepullover und Dreiviertelhosen verzeihen das sehr gut. Nur die Augen verzeihen den Dreiviertelhosen sehr schlecht – meine jedenfalls (besonders wenn nach der weißen, „stumperten“ Waden-Socken und Gesundheitsschuhen folgen).

Aber der gemeine Amerikaner ist ja sehr tolerant: Leben und leben lassen. Es ist nur erstaunlich, wie bei all den Kulturen aus aller Welt, die sich in diesem Land versammeln, ausgerechnet die Dreiviertelhose so an Durchsetzungskraft gewonnen hat. Aber sonst ist Neu England sehr schön. Passiert halt nicht sehr viel hier…

Meine letzte Woche bricht jetzt an. Es ist inzwischen Herbst geworden hier. Man gewöhnt sich an das „Fremdsein“. Ich muss jetzt seit Wochen mit immer neuen Straßenplänen, Hotelzimmernummern, Restaurantsuchen und Internetzugängen hantieren, täglich Herausforderungen vom Grippemedikament (doofe Klimaanlagen) bis zur Kreditkartensperre (ungewöhnliches Käuferverhalten – automatische Sperre: Big brother is watching you!) bewältigen, dass ich wohl nach meiner Rückkehr ein Gefühl haben werde, wie nach dem Verlassen eines Schwimmbeckens: Der Widerstand ist weg.

Wie genau diese Reise die Sichtweise und mein Leben verändert hat, weiß ich noch nicht. Erst Mal hat sich auf jeden Fall meine Einstellung zu Hummern verändert. Und zu Dreiviertelhosen. In den nächsten 6 Monaten kann ich auf beides ohne Probleme verzichten.

Von Katharina Ohana

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