Ein Psychologe auf Abwegen

Wenn es eins gibt, was den Psychologen Sebastian Bergman interessiert, dann sind es Frauen. Das macht ihn bei seinen Polizeikollegen nicht immer beliebt. Dabei trägt er ein Geheimnis mit sich herum, das ihn auch bei seinem neuen Fall beschäftigt.

In seinem dritten Fall muss sich der Psychologe Sebastian Bergman gleich um mehrere Tote kümmern, die in den Bergen von Jämtland vergraben und durch Zufall von zwei Wanderinnen entdeckt wurden.

Vater-Tochter und die Anderen

Dabei hat er eigentlich gar keine allzu große Lust dazu, in der einsamen Gegend an einem eher uninteressanten Fall zu arbeiten. Wäre da nicht die Liebe zu seiner Tochter Vanja, die als Polizistin ebenfalls an dem Fall arbeitet und nichts von ihrem leiblichen Vater ahnt. Um sich ihr anzunähern und Zeit mit ihr zu verbringen, schließt er sich der Ermittlungstruppe an. Während der Fall immer weitere Kreise zieht, die sogar bis in die Politik reichen, erfährt Vanja plötzlich, dass der Mann, den sie für ihren Vater hält, in wirtschaftskriminelle  Machenschaften verwickelt ist und von einer geheimnisvollen Frau verraten wurde. Und dann wird sie auch noch für die lang ersehnte FBI-Ausbildung abgelehnt. Das scheint nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

Zur gleichen Zeit kämpft eine junge Afghanin darum zu erfahren, warum und wohin ihr Ehemann vor einigen Jahren spurlos verschwand. Doch die Wahrheit ist am Ende oft bitter.

Charaktere im Vordergrund

In diesem Romanen von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt stehen die Charaktere der Krimi-Serie und ihre Beziehungen im Vordergrund. Unter diesem Aspekt leidet die eigentliche Handlung über den Kriminalfall leider ein bisschen. Die Verstrickungen sind zum Teil etwas verworren und unglaubwürdig. Der Fokus liegt eher auf der Beziehung zwischen der Hauptfigur Sebastian Bergman und seiner Tochter sowie den anderen Figuren. Die Charaktere sind dafür sehr anschaulich und interessant gezeichnet. Vor allem Sebastian polarisiert einerseits durch seine versteckte Vaterliebe zu Vanja, andererseits durch sein rücksichtsloses Verhalten gegenüber Frauen im Allgemeinen. So scheint es ihm bis kurz vor Schluss sogar recht zu geschehen, dass er an eine psychopathische Liebhaberin gerät, die sich für sein schäbiges Verhalten rächen will – wie gesagt, verständlich bis kurz vor Schluss.

Das Ende ist mit einem funktionalen Cliffhanger ausgestattet – der nächste Band wird mit Spannung erwartet.  Durch die übergreifende Rahmenhandlung empfiehlt es sich unbedingt, die Serie von Beginn an der Reihe nach zu lesen. Schade ist nämlich, dass viele detaillierte Rückblicke auf frühere Fälle so viel verraten, dass die Spannung fehlt, diese im Nachhinein zu lesen. 
(MTS, academicworld-userin)

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Die Toten, die niemand vermisst.
Rowohlt. 14,99 Euro.

                

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