Die spannende Suche nach dem Heiligen Gral geht weiter

„Der Wanderer“ ist der zweite Band von Bernard Cornwells Trilogie „Die Bücher vom Heiligen Gral“, der Buchreihe zum Hundertjährigen Krieg, in dem der junge Bogenschützte Thomas von Hookton sich auf die spannende Suche nach dem Gral begibt und dabei viele Abenteuer erlebt.

Die Suche nach dem Heiligen Gral bleibt spannend. Bild: Paul Marx_pixelio.de

Gral gesucht, aber (noch) nicht gefunden

Nachdem Thomas im ersten Band „Der Bogenschützte“ in großen Schlachten in Frankreich gekämpft hat, reist er nun in sein Heimatland England. Er wurde vom König beauftragt, den Gral zu suchen, der sich im Besitz seiner Familie befunden haben soll. Thomas macht sich auf die Suche nach einem alten Mönch, der seinen Vater gekannt hat, trifft aber erst nach dessen Tod im Kloster ein. Der Mönch wurde ermordet und schnell wird klar, dass Thomas nicht der einzige ist, der nach dem großen Schatz sucht – mitten im Krieg, in dem vielfältige Gefahren lauern.

Interessante Darstellung der Einzelschicksale

Obwohl oder gerade weil mir im „Bogenschützten“ inmitten der teils langatmigen, blutigen Kriegsschilderungen die persönlichen Schicksale oft zu kurz kamen, war ich gespannt, wie Thomas‘ Reise weitergeht und ob er seine Suche, die er bisher nicht wirklich ernst nahm, diesmal mit größerem Erfolg durchführt. Zunächst schienen sich meine Hoffnungen, mehr über die einzelnen Personen und ihre Wege zu erfahren, nicht zu bestätigen. Cornwell führt wieder seitenweise Strategieüberlegungen und Schlachtbeschreibungen aus, wobei sein bildhafter Schreibstil zwar ermöglicht, sich auch die blutigsten Szenen genau vorzustellen, doch wirken seine Vergleiche teilweise recht makaber: „[…] die Klinge grub sich in einen feindlichen Helm und spaltete Eisen, Lederfutter, Kopfhaut und Schädel so leicht wie ein rohes Ei“ (S. 132) oder „[…] hatte Sir Geoffrey seine Peitsche knallen lassen und damit dem Mann das linke Auge aus der Höhle gerissen wie eine Haselnuss aus ihrer Schale“ (S. 143).

Doch dann gibt es einen Schicksalsschlag in Thomas Leben, der es ihm zunächst unmöglich macht, weiter zu kämpfen und so gibt es in der Geschichte lange Abschnitte, die sich intensiv mit den Charakteren und ihren inneren Konflikten beschäftigen.

Auf seiner Reise muss Thomas viele Kämpfe überstehen. Bild: Marc Albrecht-Hermanns/pixelio.de

Vorhersehbar, aber nicht langweilig

Wie auch im ersten Band gelingt es Thomas schnell, sich Freund und Feind im eigenen wie auch im gegnerischen Lager zu schaffen und natürlich treffen die Kontrahenten trotz der riesigen Armeen im Laufe des Buches bei den verschiedensten Gelegenheiten immer wieder aufeinander. Dies macht die Geschichte streckenweise vorhersehbar, aber die Grundhandlung ist keinesfalls langweilig und Cornwell baut immer wieder überraschende Ereignisse und Wendungen ein.

Thomas ist erwachsener geworden und wo zuvor noch Leitfertigkeit und Desinteresse vorherrschten, entwickelt er nun einen starken Willen, seine Ziele zu verfolgen. Über das Buch hinweg wird seine Entwicklung nachvollziehbar geschildert, was den jungen Protagonisten, der durch seine „mich geht das alles nichts an“-Haltung zuvor negativ auffiel, auch sympathischer macht.

Daneben gibt es interessante Charaktere, die sehr vielseitig und komplex dargestellt sind, wobei Cornwell auch sehr einseitige – nur böse – Figuren schafft, die als Thomas‘ Gegenspieler fungieren. Etwas enttäuschend war, dass Figuren, von denen man zu Beginn dachte, sie würden eine entscheidende Rolle spielen, sehr schnell starben, auch wenn dies Thomas Entwicklung entscheidend vorangetrieben hat.

Historisch genau, aber ausufernd

Der Schreibstil ist, wie bereits erwähnt, sehr detailliert und anschaulich. Das Buch liest sich allerdings dadurch teilweise etwas schwierig, da Cornwell dazu neigt, lange, verschachtelte Sätze für seine Beschreibungen zu nutzen und die Schlachtbeschreibungen, wenn er zwischen den Flanken und den Kämpfenden springt, etwas verwirrend sein können. Aber auch „Der Wanderer“ überzeugt wieder durch seine historische Genauigkeit, was Personen, Zeit und Orte, aber auch die technischen Möglichkeiten und Waffen angeht, sodass Cornwell ein eindrucksvolles Bild der Zeit mit ihren guten und schlechten Seiten schafft.

Das Ende macht diesmal deutlich, dass Thomas seine Suche ernsthaft fortsetzen wird. Allerdings geben die Personenkonstellation am Ende des Buches sowie der Titel des Folgebandes, „Der Erzfeind“ bereits deutliche Hinweise darauf, was der Hauptplot des letzten Bandes auf der Suche nach dem heiligen Gral sein wird. Auf die Umsetzung und den genauen Handlungsverlauf darf man aber trotzdem gespannt sein!

Anja Zenker (academicworld.net-Userin)

Bernard Cornwell. Der Wanderer.
Rowohlt Verlag. 9,99 Euro.

Share.