Die Russen sind zurück

Das waren sie auch schon immer, denn sie wurden in jungen Jahren in Amerika eingeschleust. Jetzt leben die Spione so unauffällig wie möglich direkt unter uns. „The Americans“ – feinstes Spionagedrama aus dem Kalten Krieg und jetzt auf DVD zu haben.

Washington in den 80er Jahren unter der Reagan Administration. Elizabeth und Phillip Jennings sind KGB Offiziere, die im zarten Alter von 22 in die USA geschleust wurden, um sich dort als durchschnittliches amerikanisches Ehepaar auszugeben. Nach Außen leben sie ein ganz normales Leben, sogar zwei Kinder haben sie mittlerweile bekommen. Diese ahnen so gar nichts von dem geheimen Leben ihrer Eltern. 

Eine völlig normale Familie? Immerhin gibt es Brownies für die neuen Nachbarn. ©2012 Craig Blankenhorn
Eine völlig normale Familie? Immerhin gibt es Brownies für die neuen Nachbarn. ©2012 Craig Blankenhorn

Eigentlich sind sie also zwei Agenten, die nur des Scheins wegen im Team arbeiten. Doch nach all den Jahren entwickeln sie sich zu einem echten Ehepaar – mit allen emotionalen Höhen und Tiefen des Alltags. Allein dadurch evolviert die Serie von der ersten Sekunde an immer weiter und konzentriert sich nicht nur auf das packende Für und Wider des geheimen Agentenlebens. Das zeigt sich beispielsweise in den Gewissensbissen, die die Eltern gegenüber ihren Kinder zunehmend aufbauen. Doch das Leben als Agent ist herausfordernd und irgendwie kann man sich des anderen nie ganz sicher sein. Vor allem, wenn er/ sie um der großen Sache willen durchaus mal mit einer Zielperson in die Kiste darf/ soll/ muss.

So richtig kompliziert wird das Leben von Phillip und Elizabeth, als im Haus gegenüber ein FBI-Agent einzieht. Der macht aus seinem Job kein riesiges Geheimnis. So erfahren die beiden, dass er auch noch in der Counter Intelligence arbeitet. Jetzt sind sie es, die den Feind in der unmittelbaren Nachbarschaft haben. Kann es noch brenzliger werden?

... doch weder ist ihre Identität echt, noch ihre Ehe. ©2012 Craig Blankenhorn
… doch weder ist ihre Identität echt, noch ihre Ehe. ©2012 Craig Blankenhorn

In der Tat, das kann es. Denn die Beziehungen zwischen Russland und den USA kühlen immer stärker ab, während die Feindschaft immer höher kocht. Phillip und Elizabeth müssen immer größere Risiken eingehen. Es kommt, wie es kommen muss: Jeder verdächtigt jeden, der Verrat droht von allen Seiten. Zwischendrin fliegen die Kugeln, werden Morde vertuscht und Bomben gezündet. Die Treffen sind heimlich, die Liebschaften verboten und die Lösungen der Probleme oft gewaltbehaftet. Das sorgt kräftig für Abwechslung und fesselt den Zuschauer. Auch ein Tages-Marathon mit „The Americans“ ist möglich, ohne sich irgendwann zu langweilen – sehr selten und sehr gut!

Was der Serie unglaublich gut tut, ist, dass sie keine der Seiten als explizit gut oder als böse darstellt. Es ist eben nicht alles schwarz oder weiß. Genau das machte den Kalten Krieg aus – keiner weiß etwas Bestimmtes und man agiert in absoluter Unsicherheit. Der Zuschauer empfindet das als extrem spannend.

Auch die Optik ist glaubhaft: Von den Details wie den unglaublich witzigen Festnetztelefonen der 80er-Jahre bis hin zu riesigen Mustern auf den Tapeten. Von den Kleidungsstilen bis zu den Autos und der damaligen Technik – ein Kultfaktor für sich, den die Serie sehr gut aufgreift.

Übrigens: Ein besonderes Schmankerl ist der Soundtrack, der von niemand geringerem als Nathan Barr stammt. Seine Musik kennt ihr unter anderem von Serien wie „True Blood“.

Fazit? Lasst den Regen kommen, wir haben THE AMERICANS im Home-Entertainment-Programm.

Bettina Riedel (academicworld.net)

THE AMERICANS, Staffel 1

Darsteller: Keri Russell, Matthew Rhys, Noah Emmerich, Holly Taylor, Keidrich Sellati

Seit dem 18. Juli im Handel
Im Vertrieb der Twentieth Century Fox

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