Die Magie der Bücher

Jeder begeisterte Leser kennt die Anziehungskraft schöner Bücher. In Kai Meyers „Die Seiten der Welt“ verbergen sich in den Umschlägen ganze Welten.

Die Magie der Bücher

Kidnapper, Clowns und andere Katastrophen

Furia Faerfax ist eine ziemliche Leseratte, aber das Buch, nach dem sie sehnsüchtig sucht, ist ein ganz spezielles: ihr Seelenbuch. Denn nur mit einem eigenen Seelenbuch kann Furia eine echte Bibliomantin werden. Und nur dann stehen ihr die Kräfte zur Verfügung, die den Büchern innewohnen. Unter dem abgelegenen englischen Landsitz der Familie erstrecken sich schier unendliche Katakomben aus römischer Zeit – gefüllt mit der gigantischen Bibliothek der Familie. Nahezu verborgen vor der Außenwelt wachsen hier Furia und ihr Bruder Pip, der panische Angst vor Clowns hat, bei ihrem Vater auf. 

Hier hat sich die Familie, seit Jahrzehnten auf der Flucht vor der Adamitischen Akademie, die alle Mitglieder der Familie töten wollen, eingerichtet. Doch bei einem Buchsprung (mittels zwei identischer Ausgaben eines Buches können Bibliomanten von einem Fleck der Welt zu einem komplett anderen „springen“) mit ihrem Vater gerät das geordnete Leben aus den Fugen. Sie werden angegriffen, ihr Vater kommt ums Leben und zurück zu Hause muss Furia feststellen, dass man das Haus gestürmt und das Personal ermordet hat. Sie kann zwar zunächst mit Pip fliehen, verliert ihn aber unterwegs. Und alles nur wegen eines mächtigen Buches. Furia kann sich nicht einmal vorstellen welches. Völlig auf sich allein gestellt schlägt sie sich über London durch nach Libropolis – eine Stadt wie ein Traum für alle Bücherliebenden. Jedes einzelne Geschäft dort hat sich dem Handel mit dem gedruckten Wort – oder zumindest entsprechendem Zubehör – verschrieben. Allerdings hat hier die Akademie das Sagen und Furia ist als Faerfax nun einmal der erklärte Feind. Immerhin trifft sie bald auf auf Cat und Finnian, die auf ihre Art gegen die Akademie rebellieren und ihr zur Seite stehen. Die eigene Agenda allerdings immer im Hinterkopf, machen sich die drei auf in den Kampf.

Die Welt, die Kai Meyer innerhalb der Seiten dieses Buches entfesselt ist von Grund auf faszinierend, schillernd und voller liebevoller Details. Wie Ypsilonzett, der Buchstabenhaufen aus zerfallenen Büchern, der mit Furia kommuniziert und sie vor dem gefährlichen Schimmelrochen warnt. Allein die Kraft der Bibliomantik muss jeden Freund des gedruckten Wortes begeistern. So hinreißend wie die Welt sind ihre Figuren leider nicht ganz geworden. Aber dafür entschädigen die spannende, verschachtelte Handlung und die wunderbaren Einfälle ziemlich gut. Und: Allein schon aus optischen Gesichtsgründen eine Bereicherung für jedes Bücherregal!

Gisela Stummer (acadmicworld.net)

Kai Meyer. Die Seiten der Welt 
19,99 Euro. FJB Verlag

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