Die Mär vom heldenhaften Bummelstudenten

Mancher Student weniger gesuchter Studiengänge kennt den Standpunkt von Theodor Welk ganz gut: Studierten wir doch noch ein Semester länger und sehen dann weiter. In Zeiten der Bologna-Reform dürften seine 27 Semester Phantastik-Studium aber kaum mehr zu schaffen sein. Vielleicht ja mit ungeahnten Folgen für die Welt. Denn ohne das geballte Wissen aus über 13 Jahren Studium hätte der nicht mehr ganz junge angehende Akademiker in Jan Oldenburgs „Fantastik AG“ die fernen Länder wohl nicht retten können.

Rezension "Fantastik AG"

Mit dem Rücken zur Wand

Seit Jahrzehnten lehrt Professor Welk vor begeisterten Studenten sein Fach, seine Passion, seinen Lebensinhalt: die Phantastik. Gut, es sind nicht gerade die Massen, die es in den kleinen Kellerraum 043a zieht, aber immerhin einen treuen Studenten hat er. Da tritt das ungeheuerliche ein: Das Institut für Phantastik, das letzte im ganzen Land, soll geschlossen werden! Beim Ausräumen fällt dem Professor eine geheimnisvolle Karte in die Hände. Könnte das die Entdeckung sein, auf die er seit Ewigkeiten hofft? Gibt es in seinem Kellerraum einen Übergang in die fernen Länder der Phantastik? 

Um diesem Hoffnungsschimmer für die vom Aussterben bedrohte akademische Disziplin nachzugehen rüstet er sofort zur Expedition. Als Begleiter wählt er seinen letzten Studenten Theodor. Trotz des gleichen Nachnamens weder verwandt noch verschwägert. Auch, dass sie im gleichen Haus wohnen stellen die beiden erst jetzt fest. Besser glauben sie sich in den fernen Landen auszukennen. Allerdings stoßen sie schnell auf Widersprüchlichkeiten. Und nicht nur das. Optisch passen die beiden sich dem an, was in der Phantastik ihrer eigenen Erscheinung am ehesten entspricht. So wird der kleine Professor zum Zaubergnom und aus dem eher stabil gebauten Theodor wird ein Steintroll. 

Die gute alte Zauberwelt steht Kopf

Gerade erst angekommen in der anderen Welt müssen sie sich im Kampf mit einem Drachen bewähren. Der verhält sich aber gar nicht wie zu erwarten und nachdem er „erlegt“ ist verschwindet er komplett. Zurück bleibt nur ein Metallplättchen, mit der Inschrift „Fantastik AG“. Nur zu bald werden die beiden Helden wider Willen erfahren, was es mit dieser merkwürdigen AG auf sich hat.

Herrlich verquer und wunderbar skurril ist die Welt, in die Jan Oldenburg seine beiden Charaktere schickt. Die im Klappentext angerissenen Vergleiche mit Walther Moers sind vielleicht ein wenig übertrieben, ab verstecken braucht der Autor sich mit seinen Phantastereien nicht. Allein die zauberweltliche Castingwelt ist mehr als einen Lacher wert. Liebevoll ausgearbeitet sind selbst die Nebendarsteller wie der große Held Eralkes, der ganz eindeutig ein Pechvogel mit gestörter Selbstwahrnehmung zu sein scheint oder Homur, der ehemalige Riese, der durch sein beständiges Schrumpfen nahe an der Depression ist. Besonders unsere Medienlandschaft und Berufswelt kommt nicht so richtig gut weg …

Ein unterhaltsamer Ausflug in die fernen Landen der Phantasie, der alle hoffnungslosen Studenten von großen Taten träumen lässt. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Jan Oldenburg. Fantastik AG. Ein Epos aus den fernen Ländern
14,99 Euro. Piper

 

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